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16.01.2007

08:37 Uhr

Hochtief ebenfalls an HHLA-Anteil interessiert

Seehäfen stemmen sich gegen die Bahn

VonEberhard Krummheuer und Axel Granzow

Mit großer Skepsis beurteilen die deutschen Seehafenbetreiber das Interesse der Deutschen Bahn an der Übernahme von Hafenbeteiligungen. Der Branche rätselt über die Motive. Derweil bekommt die Bahn im Ringen um den Hamburger Hafenbetreiber HHLA überraschende Konkurrenz.

DÜSSELDORF. Mit großer Skepsis beurteilen die deutschen Seehafenbetreiber das Interesse der Deutschen Bahn an der Übernahme von Hafenbeteiligungen. „Warum Bahn-Chef Hartmut Mehdorn Häfen kaufen will, ist für die Branche ein Rätsel“, sagt Detthold Aden, Chef der Bremer Hafenbetreibergesellschaft BLG Logistics Group. Ein Bahn-Sprecher erklärte dagegen, der Konzern habe „ein strategisches Interesse, die Transportketten zu optimieren“ und prüfe derzeit europaweit, ob er über Beteiligungen Einfluss auf das Hafenumschlaggeschäft nehmen könne.

In Hamburg gilt die Bahn als aussichtsreicher Kandidat für die vom Senat ausgeschriebene 49,9-Prozent-Beteiligung an der Hafengesellschaft, nachdem der bundeseigene Verkehrs- und Logistikkonzern vor gut einem Jahr bei einem ersten Vorstoß von der Politik zurückgepfiffen worden war. Viel Wirbel hatte damals das Angebot der Bahn verursacht, ihren Firmensitz oder Teile davon nach Hamburg zu verlegen. Unternehmenskreisen zufolge lockt die Bahn nun abermals damit, zumindest die Zentrale des Ressorts Transport und Logistik an die Elbe zu verlegen.

Eine Beteiligung der Bahn würde zu großen Irritationen bei den Reedern führen, warnte Aden. Denn die Bahntochter Schenker sei eine Konkurrentin der Spediteure. Die großen deutschen Seehafenbetreiber könnten die Investitionen für den geplanten Ausbau aus eigener Kraft stemmen. Angesichts ihrer derzeit hohen Verschuldung sei die Bahn zudem kein idealer Investor, meint Aden. Das Unternehmen sei zwar ein „geschätzter Partner“, doch zusätzlichen Güterumschlag könne die Bahn mit einer Beteiligung am Hafenumschlag nicht erzeugen, also den Häfen kein zusätzliches Geschäft bringen. Denn über die Schiene läuft bereits der Löwenanteil des Container- und Automobilverkehrs aus den Häfen. Der Bahn ginge es in erster Linie um eine interessante Börsenstory, vermutet Aden daher. Er ist auch Präsident des Zentralverbands deutscher Seehafenbetriebe (ZDS).

Häfen gelten als weltweit als Zukunftsinvestition

Auch in Bahn-Kreisen heißt es, man würde über eine Beteiligung sicher „keinen Container mehr“ auf die Schiene bekommen. Das Interesse an Hafenbeteiligungen sei in der Tat im Zusammenhang mit den Privatisierungsplänen zu sehen. Ein Insider: „Ob das dann ein Argument ist, das Analysten positiv beeinflusst, muss sich erst einmal zeigen.“

Die großen Nordseehäfen Hamburg und Bremen/Bremerhaven sind von ihrer Infrastruktur her klassische Eisenbahnhäfen. Ein Bahn-Sprecher bestätigte, dass sich der Konznern über Hamburg hinaus Beteiligungen am Umschlaggeschäft vorstellen könne. So werde auch ein Engagement in Lübeck geprüft. Eine Beteiligung an Binnenhäfen wie Duisburg ist Bahnkreisen zufolge kein Thema mehr. Auf Granit gebissen hat die Bahn in Bremen. Das Land ist nicht an einem Verkauf des Hafens in Bremerhaven interessiert. Es gebe keine mit der HHLA vergleichbare Ausschreibung, sagte Aden.

Häfen gelten als weltweit als Zukunftsinvestition. Der Containerverkehr profitiert von der Globalisierung. Die durchschnittlichen Wachstumsraten liegen bei acht Prozent, Häfen wie Bremerhaven und Hamburg wachsen sogar überdurchschnittlich und stoßen an Kapazitätsgrenzen. Von der Öffnung Osteuropas profitieren künftig insbesondere die Ostseehäfen. Die norddeutschen Länder und der Bund wollen daher bis 2012 rund 12 Mrd. Euro in den Ausbau der Seehäfen und die Hinterlandverbindungen über Schiene und Straße investieren.

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