Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.11.2013

09:47 Uhr

Hohe Mehreinnahmen

Deutsche Post langt erneut beim Porto zu

ExklusivNach der Preiserhöhung zu Beginn des Jahres plant die Deutsche Post schon den nächsten Schritt. Ab Januar 2014 soll das Briefporto für einen Standardbrief 60 statt 58 Cent kosten. Die Bonner können auf Millionen hoffen.

Nach der jüngsten Portoerhöhung will die Deutsche Post erneut die Preise erhöhen. dpa

Nach der jüngsten Portoerhöhung will die Deutsche Post erneut die Preise erhöhen.

DüsseldorfDie Deutsche Post will ihr Briefporto zum 1. Januar 2014 auf 60 Cent erhöhen. Wie Handelsblatt Live vorab aus Kundenkreisen erfuhr, hat das Unternehmen dazu einen entsprechenden Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt. Das Bonner Unternehmen bestätigte die Preiserhöhung. Damit sollen die Preise an die gestiegenen Kosten angepasst werden, wie es hieß.

Erst zum letzten Jahreswechsel hatte der Dax-Konzern das Briefporto von 55 Cent um drei Cent nach oben geschraubt. Die erste Briefpreiserhöhung nach 15 Jahren brachte dem Unternehmen nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro Mehreinnahmen. Neben der Preiserhöhung beim Standardbrief beantragt die Post laut Mitteilung auch eine Erhöhung bei Einschreiben und beim internationalen Maxibrief.

Beim Einschreiben ist eine Erhöhung um zehn Cent und beim Einwurf-Einschreiben um 20 Cent vorgesehen. Bei internationalen Briefsendungen soll der Preis für den Maxibrief (über 1.000 bis 2.000 Gramm Gewicht) um zehn Cent von jetzt 16,90 auf 17 Euro steigen. Nicht nur Briefe sollen teurer werden: Für Express-Sendungen hatte die Post-Tochter DHL ebenfalls Preiserhöhungen angekündigt. Post-Aktien bewegten sich am Morgen kaum - der Preisschritt war bereits erwartet worden.

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

Vor wenigen Wochen machte die Bundesnetzagentur den Weg frei für weitere Portoerhöhungen, indem sie die Regeln zugunsten der Post erleichterte. Künftig darf der Preisanstieg für den Brieftransport - mit einem Abstand von 0,2 Prozentpunkten - der durchschnittlichen Inflationsrate folgen.

Die Post hatte im dritten Quartal unter anderem von der Portoerhöhung profitiert. Zwar sanken durch negative Währungseffekte die Umsätze im dritten Quartal 2013, doch konnte der Konzern mehr verdienen. Auch die Briefwahl-Welle bei der Bundestagswahl beflügelte das Geschäft. Grundsätzlich steht die Deutsche Post im Briefbereich allerdings unter einem hohen Druck, weil E-Mail und Internet die klassische Briefzustellung zunehmend verdrängen.

Von

cs

Kommentare (19)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nachrechner

15.11.2013, 08:01 Uhr

Lt. aktuellen EZB Zahlen hat Deutschland eine durchschnittliche jährliche Inflationsrate von 1,6%, die ja hier Maßstab sein soll. Demnach darf bei aktuellem Briefport von 58ct keine Erhöhung um 2ct erfolgen, da dies einer Erhöhung um 3,5% entspricht, also mehr als das Dopppelte der offiziellen Inflationsrate für Deutschland. Da ist noch nicht einmal die 0,2%-Punkte Abstandsregelung berücksichtigt, wonach die Post höchstens um 1,4% erhöhen dürfte.
Also liebe Bundesnetzagentur, Zeit zum Einschreiten !

Sueddeutscher

15.11.2013, 08:15 Uhr

Ich habe erst vor einigen Tagen für meinen Betrieb 500 Briefmarken zu 58 Cent gekauft. Sollte ich jetzt ein halbes Jahr lang auf jeden Brief ergänzungsmarken kleben müssen, werde ich mich nach anderen Möglichkeiten der Rechnungsversendung umschauen. Aus Fehlern lernt man, dem Umsatz der Psot wird das sicher nicht zuträglich sein.

kfvk

15.11.2013, 08:33 Uhr

Ein großer Fehler war es Betriebe und Einrichtungen, die für die Infrastruktur eines Staates von Bedeutung sind an den Kapitalmarkt zu bringen, sie in eigenständige Gesellschaften umzuwandeln oder sie als Public-Private Partnership (PPP) Projekte abzuwickeln. Wirklich besser geworden ist dadurch kaum etwas, schlechter geworden zum Ausgleich für Belegschaften und Kunden einiges. Da nun Gewinne gemacht werden müssen, werden Neuinvestitionen und Unterhaltungsmaßnahmen auf ein Minimum beschränkt und die Preise werden bei passender und unpassender Gelegenheit erhöht. Auch so kann man unsere Wirtschaft, wie von unseren "Partnern" in der EU ja herbeigesehnt, ruinieren. Selbst wenn man diese Entwicklung heute als schlecht erkennt, mangels Masse in der Kasse lässt sie sich wohl kaum umkehren. Aber vor einiger Zeit war diese Entwicklung noch der Gipfel des Fortschritts.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×