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14.01.2007

16:18 Uhr

Hotelkette

Dorint schrumpft zusammen

VonEberhard Krummheuer

Die Ehe hielt nicht einmal bis zum verflixten siebten Jahr: Knapp fünf Jahre nach dem Einstieg des französischen Hotel-Riesen Accor beim schwer kranken deutschen Hotelkonzern Dorint trennen sich die Partner wieder. Von der renommierten Hotelkette bleibt nach der Scheidung nur noch wenig übrig.

Dorint hat in den vergangenen Jahren stark expandiert, die Zimmer aber nicht voll bekommen. Hier ein Blick ins Hotel Quellenhof in Aachen. Foto: Unternehmen

Dorint hat in den vergangenen Jahren stark expandiert, die Zimmer aber nicht voll bekommen. Hier ein Blick ins Hotel Quellenhof in Aachen. Foto: Unternehmen

DÜSSELDORF. Nach mehrmonatigen zähen und nach Insider-Beobachtungen immer wieder vom Scheitern bedrohten Verhandlungen kündigte Accor am Sonntag die Aufteilung der bisherigen Dorint-Gruppe an. Nur noch 41 der über 90 Häuser firmieren künftig als Dorint, 52 Hotels werden zu den Accor-Marken Sofitel, Novotel und Mercure gehören. Accor ist mit 4 000 Hotels weltweit und einem Jahresumsatz von zuletzt 7,6 Mrd. Euro weltweit die Nummer Vier und mit 331 Häusern Marktführer in Deutschland.

Der französische Konzern übernimmt nach eigenen Angaben über eine Kapitalaufstockung von 52 Mill. Euro die Führung der Dorint AG. Im Laufe des Jahres werde die Konzern über ein Buy-out versuchen, 90 Prozent der Anteile zu erwerben. Aus den Unternehmen heißt es, dass die AG nach der Übertragung der Hotels in die Accor Deutschland aufgelöst werden soll.

Die nicht von Accor übernommenen Häuser gehen in eine Tochtergesellschaft Dorint GmbH über, die nach Informationen des Branchendienstes „Hospitality Inside“ am heutigen Montag von der Kölner Immobiliengesellschaft Ebertz & Partner gekauft werden soll. Aus Mitteln der AG wird diese „neue Dorint“ mit einem Startkapital von 60 Mill. Euro ausgestattet, heißt es in einer Presserklärung. Damit sei die Firma „stark abgesichert“, sagte Firmenchef Herbert Ebertz einem auf Mallorca erscheinenden deutschsprachigen Magazin noch vor dem Abschluss der Verhandlungen.

Jahrelange Krise

Dorint steckt seit Jahren in der Krise. Allein seit dem Einstieg von Accor im Jahr 2002, zu dem damals die Gläubigerbanken geraten hatten, häuften sich rund 150 Mill. Euro Verlust an – im letzten bislang bilanzierten Geschäftsjahr 2005 allein 40 Mill. Euro bei 445 Mill. Euro Umsatz. Der Geschäftsbericht 2005 deutet trotz mehrerer Kapitalerhöhungen bereits wieder Liquiditätsengpässe für Anfang 2007 an. Die Hotelgruppe hatte es nach eigener Einschätzung nicht geschafft, im scharfen Wettbewerb ihre rasch gewachsenen Bettenkapazitäten zu füllen und die hohen Kosten den mageren Umsätzen anzupassen.

Mitgesellschafter Dirk Iserlohe sagte dem Handelsblatt, mit der Aufteilung des Hotelportfolios sei für beide Seiten eine „Win-Win-Situation“ geschaffen worden: „Wir haben ein faires Tischtuchziehen gemacht, für beide Seiten ist bei der strategischen Aufteilung etwas Vernünftiges herausgekommen.“ So sei es gelungen, auch die wirtschaftlich interessanten Spitzenhäuser im Fünf- und Vier-Sterne-Bereich gerecht an beide Unternehmen zu verteilen. Die Trennung der Gruppe verhindere die Insolvenz und sichere so 7 000 Arbeitsplätze.

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