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15.06.2015

10:19 Uhr

Hudson's Bay sticht Benko aus

Kaufhof-Verkauf macht es für Karstadt noch schwerer

VonFlorian Kolf

Für 2,8 Milliarden Euro übernimmt Hudson's Bay die deutsche Warenhauskette Kaufhof. Der Einstieg der Kanadier dürfte den Wettbewerb verschärfen – und den Konkurrenten Karstadt vor Probleme stellen.

Anstehende Veränderungen

Kaufhof-Übernahme: Das plant Hudson's Bay

Anstehende Veränderungen: Kaufhof-Übernahme: Das plant Hudson's Bay

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DüsseldorfDer Deal ist durch: Nach wochenlangen intensiven Verhandlungen haben sich die Metro AG und der kanadische Kaufhauskonzern Hudson's Bay Company (HBC) auf einen Verkauf von Kaufhof geeinigt. 2,825 Milliarden Euro bezahlen die Kanadier für die Metro-Tochter und übernehmen zusätzlich noch verschiedene Verbindlichkeiten.

Leer ausgegangen ist damit der konkurrierende Bieter, die Signa-Gruppe des österreichischen Karstadt-Eigentümers René Benko.

Kaufhof – ein Warenhaus mit Tradition

Kaufhofs Geschichte

Die Galeria Kaufhof GmbH ist neben Karstadt das älteste und traditionsreichste Warenhaus in Deutschland. 1996 fusionierte das Unternehmen mit dem Handelsriesen Metro.

Ursprung

Den Grundstein des Unternehmens legte der Textilhändler Leonhard Tietz, der 1879 ein Geschäft in Stralsund für Knöpfe, Garne, Stoffe und Wollwaren gegründet hatte.

Aktiengesellschaft

Rund ein Vierteljahrhundert später war er der erste Warenhausbetreiber, der sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

Zukäufe

Der letzte große Zukauf datiert aus dem Jahr 1994, als Kaufhof den Konkurrenten Horten schluckte. Im Frühjahr 2008 setzte der damalige Vorstandschef Eckhard Cordes die Tochterfirma auf die Verkaufsliste.

Verkaufsgespräche waren eingestellt

Im Januar 2012 stoppte die Metro-Gruppe die Verkaufsgespräche für die Warenhauskette Kaufhof. Die Gespräche mit Interessenten für die Übernahme würden bis auf Weiteres eingestellt. Als Grund gab das Unternehmen die „nicht optimale Situation an den Finanzmärkten“ an. Trotzdem wollte Metro den Konzern gerne loswerden – und sah jetzt dazu die Chance.

Aktuelle Zahlen

Mit gut 3,1 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14 ist Galeria Kaufhof die kleinste von vier Metro-Vertriebslinien. Vor Steuern und Zinsen machte Kaufhof im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres ein Plus von 115 Millionen Euro. Vertreten ist das Warenhaus an 119 Standorten in Deutschland und 16 in Belgien.

Damit entsteht ein globaler Kaufhaus-Riese mit 464 Standorten in Kanada, den USA, Deutschland und Belgien. Zusammen kommen die acht unter einem Dach vereinten Handelsketten auf einen Umsatz von neun Milliarden Euro – davon knapp ein Drittel in Deutschland.

Mit der finanziellen Power und dem Ehrgeiz des kanadischen Investors dürfte sich der Wettbewerb in der deutschen Handelsbranche deutlich verschärfen. Dies wird besonders der Konkurrent Karstadt zu spüren bekommen, der sich in den vergangen Monaten ebenfalls mit aller Kraft bemüht hatte, Kaufhof zu übernehmen. Karstadt-Eigner Benko hatte mit sehr weitgehenden Zugeständnissen an die Metro und an die Arbeitnehmer vergeblich versucht, doch noch zum Zuge zu kommen.

Kommentar zum Kaufhof-Verkauf: Gute Nachricht für die Kunden

Kommentar zum Kaufhof-Verkauf

Gute Nachricht für die Kunden

Kaufhof wird kanadisch: Der Verkauf der Warenhauskette an Hudson's Bay kann für die Kunden nur gut sein. Das Unternehmen hat schon gezeigt wie es geht – und will massiv in die Filialen investieren. Ein Kommentar.

Nach Ansicht von Experten ist Kaufhof viel besser aufgestellt als Karstadt, bei denen durch zahlreiche Führungswechsel in den vergangenen Jahren die Kontinuität gefehlt habe. Bereits Ende Mai hatte sich Karstadt offenbar auf eine Niederlage im Bieterstreit eingestellt und in einem Brief an die Mitarbeiter Durchhalteparolen ausgegeben.

So schrieb Finanzchef Miguel Müllenbach an die Kollegen, dass sie Kaufhof nicht zum Überleben benötigten. Karstadt habe sowohl das Ergebnis als auch den Cash Flow so weit verbessert, so dass das Unternehmen „stark und eigenständig“ sei. „Lassen Sie die anderen reden – wir handeln“, schloss er den Mitarbeiterbrief.

Nun sieht es so aus, als ob die Konkurrenz das Heft des Handelns in der Hand halte. Für Karstadt dagegen dürften schwierige Zeiten anbrechen. Denn HBC hat bereits eine Verdopplung der Investitionen in Kaufhof angekündigt. Außerdem wollen die Kanadier das Online-Geschäft deutlich ausbauen und es nach dem Vorbild ihrer kanadischen und amerikanischen Ketten enger mit dem stationären Geschäft verknüpfen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

15.06.2015, 09:43 Uhr

Die Deutsche Warenhaus AG kann es immer noch geben, allerdings nicht unter Benko. Nun ist knallharte Sanierung bei Karstadt angesagt und eine ehrliche Marktstudie, ob Karstadt in Zukunft allein überhaupt eine Chance hat.
Sinnvoll wäre es sicherlich Karstadt und Kaufhof nicht weiterhin in Konkurrenz zueinander zu halten, sondern Karstadt so anzupassen und zu sanieren, dass es nahtlos bei Kaufhof eingefügt werden kann. Benko könnte, eine Einigung mit Hudson's Bay vorausgesetzt, so das ewige Problem Karstadt mit Gewinn nach wenigen Jahren wieder abstoßen. Es bringt für beide betriebswirtschaftlich am Ende zu wenig gegen die Online-Konkurrenz allein weiter zu wursteln und die möglichen Synergien nicht zu nutzen.

Im Übrigen, wenn der Mittelschicht hier in Deutschland ähnliches blüht wie der Mittelschicht in den USA und deren angepasste Doof- und Dummheit spricht dafür, dann werden die Umsätze der deutschen Warenhäuser in Zukunft noch eklatanter sinken. Ich denke die Nordamerikaner wissen ebenfalls um dieses Risiko, sie sollten es zumindest wissen und werden sicherlich gesprächsbereit sein, alles andere wäre dumm.

Doro Mann

15.06.2015, 11:28 Uhr

Als Frage bleibt doch wohl nur: Welcher der beiden Kaufhausdinosaurier stellt zuerst seine Lebenszeichen ein?

Herr Dirk Becker

15.06.2015, 12:56 Uhr

Glückwunsch Herr Koch !
Rund 25 Millionen für eine Kaufhoffiliale in Witten, Hamm oder Neubrandenburg
zu kassieren durch offensichtlich Ahnungslose muß man erstmal schaffen.

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