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26.07.2011

20:05 Uhr

Hugo Boss

Wenn das Vorzeigegeschäft zum Verlustbringer wird

VonAnna K. Bernzen

Noch nie wurden auf Europas Luxusmeilen so hohe Mieten verlangt. Die Unternehmen zahlen - selbst wenn der Umsatz kaum mithalten kann.

Hugo Boss schmückt sich mit repräsentative Ladenflächen: Auch in dieser Einkaufspassage in Beijing ist das Unternehmen vertreten. Quelle: Reuters

Hugo Boss schmückt sich mit repräsentative Ladenflächen: Auch in dieser Einkaufspassage in Beijing ist das Unternehmen vertreten.

DüsseldorfMit der schwäbischen Sparsamkeit nimmt Hugo Boss es bei seinen Shoperöffnungen nicht so genau - da darf es auch mal ein Champagner sein. Teuer wird die Expansionsfreude des Metzinger Modehauses aber nicht nur bei der Getränkebestellung. Mit 41 Flagship-Stores in exklusiven Lagen wie an der New Bond Street in London dürfte Hugo Boss unter den europäischen Luxusmarken bereits die höchsten Mietkosten haben - und immer neue Vorzeigeläden kommen hinzu

Im Wettlauf um repräsentative Ladenflächen riskiert nicht nur das deutsche Unternehmen weiter steigende Mieten, mit denen der Umsatz in den Flagship-Stores kaum mithalten kann. Auch Konkurrenten wie Prada, Chanel und Louis Vuitton nutzen Luxusläden, um ihr Image zu festigen. "Die Nachfrage aus der Luxusbranche war in den letzten Monaten extrem hoch", erklärt Doris von Muschwitz vom Immobilienberater Jones Lang LaSalle.
In einer aktuellen Studie hat JLL festgestellt: Nie zuvor kostete ein Quadratmeter auf den luxuriösen Einkaufsstraßen in Rom, Paris oder London so viel wie heute. Und von Muschwitz schätzt: "Die Mieten in den besten Lagen werden kontinuierlich ansteigen."

Am teuersten ist laut der Studie derzeit die New Bond Street in London, auf der auch Hugo Boss seit Anfang des Jahres seinen eigenen Laden betreibt. Pro Jahr und Quadratmeter werden dort knapp 8000 Euro fällig. Im Vergleich dazu: Ein Quadratmeter auf der Kölner Schildergasse, der am stärksten frequentierten Einkaufsstraße Europas, kostet rund 2500 Euro.

Jahresmiete pro m² in Euro auf Luxus-Einkaufstraßen

"Wir sind überzeugt, dass wir ein lohnendes Investment getätigt haben", heißt es aus dem Unternehmen. Mit Umsatzzahlen aus den Läden will Hugo Boss das aber nicht belegen. Von durchschnittlich 6000 Euro pro Quadratmeter war indes noch vor einem Jahr im Umfeld des Unternehmens die Rede.

Vom Verlustbringer Flagship-Store spricht daher auch der Bonner Handelsprofessor Thomas Roeb. Doch gerade aufstrebende Luxusunternehmen können nicht auf die teuren Standorte verzichten: "Die Marken brauchen repräsentative Läden als Prestigeobjekt, um sich im Premiumsegment zu positionieren." Die Kaufkraft der Kunden sei jedoch an anderer Stelle zu finden, glaubt Roeb: "Um Gewinne zu machen, müssten die Marken eigentlich in Städte wie Hannover oder Bielefeld expandieren."

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