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12.05.2016

06:38 Uhr

Hyperloop-Antriebstest

Der Realität einen Schritt näher

VonAstrid Dörner

Der Antriebstest für den Magnetschlitten Hyperloop One wird als voller Erfolg gefeiert. Die Show sollte vor allem Investoren überzeugen. Das Ziel: Personentransport ab 2021, jede Fahrt nicht teurer als ein Zugticket.

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Hyperloop - Unsere Reporter vor Ort: Lassen wir uns ab 2020 durch Röhren schießen?

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Las VegasIn zwei Sekunden ist alles vorbei. Der kleine Metall-Schlitten düst geschmeidig über die Teststrecke und erzeugt eine Staubwolke, als er von einem Haufen Sand abgebremst wird. Fürs Auge ist das eher unspektakulär. Doch der erste Antriebstest in der Wüste von Las Vegas wird von Hyperloop One als Meilenstein gefeiert.

Denn spannender ist, was man nicht sieht: ein elektromagnetisches Antriebssystem, das von sogenannten Statoren erzeugt wird. Die kleinen weißen Blöcke an der Schienenstrecke bilden „ein sich änderndes Magnetfeld, das sich mit dem Schlitten immer weiter nach vorne bewegt“, erklärt Knut Sauer, der bei Hyperloop One für die Geschäftsentwicklung und die Strategie zuständig ist.

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Die kurze Show auf dem Testgelände des Startups eine halbe Stunde nördlich von Las Vegas soll belegen, dass das futuristische Verkehrsmittel prinzipiell durchführbar ist. Und wenn es nach Hyperloop-Chef Rob Lloyd geht, soll das möglichst schnell passieren. „2019 wollen wir Fracht transportieren und ab 2021 dann Passagiere“, kündigt er am Mittwoch nach dem Test an.

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg für das ambitionierte Startup. Denn das Hyperloop-Konzept, das auf eine Idee von Elon Musk zurückgeht, sieht vor, Kapseln in hohen Geschwindigkeiten durch Röhren zu schicken, die wahlweise auf Pfeilern ruhen oder unter Wasser verlaufen. Ende des Jahres soll auf dem Gelände in der Wüste ein Testmodell entstehen, samt Röhren, Kapsel und Steuerungssystem, das Spitzengeschwindigkeiten von 1200 Kilometer pro Stunde erzeugen soll.

Hätte der Hyperloop in Deutschland eine Chance?

Derzeit wird an allen großen Bereichen experimentiert: Mitgründer und Technologie-Vorstand Brogan BamBrogan will mit dem Münchener Unternehmen Knorr Bremse zusammenarbeiten, um das richtige Bremssystem für den Hyperloop zu finden. Klar ist, dass die Kapseln auf drei verschiedene Arten in der Röhre abstoppen können: mechanisch, aerodynamisch und elektromagnetisch.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Knorr, weltweit die Nummer eins für Schienen- und Nutzfahrzeuge, soll dabei die mechanischen Bremsen ausarbeiten. In der Hyperloop-Unternehmenszentrale in Las Vegas wird zudem in einem Windtunnel an der Aerodynamik gearbeitet und am Röhren-Design. Denn die Statoren sollen in dem nächsten Schritt direkt in die Röhren integriert werden. Weitere Partnerschaften mit Unternehmen sollen folgen.

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