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05.04.2016

21:26 Uhr

Ibis, Mercure, Novotel

Hotelbetreiber Accorhotels wird zu Luxus-AirBnB

VonChristoph Schlautmann

Der größte Hotelbetreiber Europas Accorhotels kauft Onefinestay, das Übernachtungsportal im Luxussegment. Warum den Parisern das Hotelfach nicht mehr genügt und wie sie dem Onlinevermittler AirBnB Konkurrenz machen.

Accor-Vorstandschef Sébastian Bazin erwirbt für 148 Millionen Euro den Online-Übernachtungsvermitter Onefinestay. picture alliance/dpa

Accorhotel

Accor-Vorstandschef Sébastian Bazin erwirbt für 148 Millionen Euro den Online-Übernachtungsvermitter Onefinestay.

DüsseldorfDie Beteuerung von Vorstandschef Sébastian Bazin erinnert an ein berühmtes Zitat kurz vor dem Berliner Mauerbau. „Accorhotels hat keinesfalls die Absicht“, sagte er dem Handelsblatt im Februar über Onlinevermittler wie Booking.com oder HRS, „gegen sie als weiteres Portal zu konkurrieren.“

Spätestens seit dem heutigen Dienstag ist klar: Für Bazin ist all dies Geschwätz von gestern. Wie der größte Hotelbetreiber in Europa („Ibis“, „Mercure“, „Novotel“) jetzt mitteilte, erwirbt er für 148 Millionen Euro den Online-Übernachtungsvermittler Onefinestay. Die künftige Accor-Tochter, deren Management Bazin behalten will, bietet wie AirBnB auf ihrer Website Privatunterkünfte, setzt dabei jedoch gezielt auf hochwertige – und damit überwiegend teure – Offerten.

Der börsennotierte Pariser Hotelriese will nach eigenen Angaben außerdem 64 Millionen in den Ausbau des Geschäfts investieren, das seit 2010 von Großbritannien aus gesteuert wird.

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Bazin, der den Europachefsessel beim Finanzinvestor und Accor-Großaktionär Colony Capital vor zweieinhalb Jahren mit dem Stuhl des obersten Hoteldirektors tauschte, sorgt seither vor allem um eines: die wachsende Vormachtstellung der Hotelportale. Wie die meisten Wettbewerber kann auch Accorhotels auf die Vertriebshilfe von Booking, Expedia oder HRS kaum mehr verzichten. Dabei löst dort jede Buchung eine Provisionszahlung von mehr als 15 Prozent des Zimmerpreises aus – Geld, das den Hotelbetreibern am Ende fehlt.

Die Abhängigkeit will sich der Accorhotels-Chef nun nicht mehr gefallen lassen. Vor wenigen Monaten kündigte er an, unglaubliche 250 Millionen Euro in die Digitalisierung des Hotelgeschäfts zu stecken. Damit will er im steten Kontakt mit seinen Gästen bleiben – auch wenn die längst wieder ausgecheckt haben.

In den Mittelpunkt seiner Aktivitäten stellte er sein Kundenbindungsprogramm „Le Club“, das er mit umfassenden E-Mail- und SMS-Diensten aufrüsten ließ.
Seither erfahren Gäste, die sich bei ihm registriert haben, wo sie auf der Hinfahrt ein Taxi bekommen oder wo sich die nächste Metrostation befindet. 24 Stunden vor Reiseantritt informiert Accorhotels über das Wetter und interessante Ausstellungen in der Stadt und erkundigt sich nach dem Wunschzimmer. Der Gast wird identifiziert, sobald er das Hotel betritt. Selbst über Streiks am Airport oder andere Reisehindernisse wird er von der Hotelgruppe auf dem Laufenden gehalten.

Aus dem Kalkül macht Bazin keinen Hehl: „Wer eine Mitgliedskarte von Le Club besitzt“, sagte er dem Handelsblatt, „wird zu nahezu 100-prozentiger Sicherheit direkt bei uns buchen und nicht über eines der Portale.“

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