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21.05.2016

10:00 Uhr

Ikea der Zukunft

Möbelriese auf dem Öko-Trip

VonFlorian Kolf

Schraubst du noch oder lebst du schon? Ikea will zeigen, dass es mehr kann, als billige Selbstbaumöbel zu verkaufen. In Kaarst am Niederrhein entsteht das nachhaltigste Möbelhaus der Welt – mit überraschenden Ideen.

100 Millionen Euro investieren die Schweden in das neue Einrichtungshaus Ikea

Ikea-Vorzeigehaus in Kaarst

100 Millionen Euro investieren die Schweden in das neue Einrichtungshaus

KaarstNoch ist von dem grünen Vorzeigeobjekt nicht viel zu erkennen. Bagger schieben Sandberge über die flache Mondlandschaft neben dem Autobahnkreuz Kaarst, Kräne hieven Betonwände in Position, Lastwagen rollen über die staubige Baustellenzufahrt. Nur ein Banner mit der Aufschrift „Ikea“ an einem Baucontainer signalisiert, dass hier am Niederrhein eins der weltweit wichtigsten Zukunftsprojekte des schwedischen Möbelriesen entsteht.

„Das Projekt hat internationale Bedeutung für uns, da schaut die ganze Ikea-Welt drauf", betont Johannes Ferber, der in der Geschäftsführung von Ikea Deutschland für die Expansion zuständig ist. „Wir bündeln hier alle Ideen, die wir zum Thema Nachhaltigkeit haben, an einem Platz.“ Wie in einem Baukastenprinzip sollen dann die Ideen, die sich bewährt haben, bei Neubauten von Filialen weltweit übernommen werden.

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Das lassen sich die Schweden einiges kosten. 100 Millionen Euro investieren sie in das neue Einrichtungshaus in Kaarst. „Das sind 30 Million Euro mehr als in eine vergleichbare Standardfiliale“, so Ferber. Dafür entsteht aber auf der Fläche von 124.000 Quadratmetern nicht nur ein Möbelmarkt. „Das ist ein völlig neuartiger Ansatz, mit dem wir das Thema Nachhaltigkeit so umfassend wie möglich darstellen wollen.“

Die Eröffnung des Hauses, für das jetzt feierlich der Grundstein gelegt wurde, ist für Mitte kommenden Jahres geplant. „Wir hatten die Chance, ganz unkonventionell an die Planung heranzugehen und haben manches, was man von Ikea gewohnt ist, auf den Kopf gestellt“, erklärt Ferber.

4.000 Quadratmeter Photovoltaikfläche auf dem Dach, eine Solarthermieanlage und ein eigenes Blockheizkraftwerk sorgen für eine möglichst ressourcenschonende Energieversorgung. Die Solarzellen erzeugen rund 273.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Zugleich sorgen Maßnahmen wie eine tageslichtabhängig gesteuerte LED-Beleuchtung für einen um 30 Prozent reduzierten Energieverbrauch. „Wir haben noch kein Passivhaus, aber wir kommen immer näher ran“, sagt Ikea-Manager Ferber.

Langfristig ist es das Ziel von Ikea, sich ganz von fossilen Energien abzukoppeln. Schon heute deckt der Konzern seinen gesamten Energieverbrauch zu 53 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Das Unternehmen hat jetzt weitere 600 Millionen Euro bereitgestellt für Investitionen in erneuerbare Energien.

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