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30.03.2016

08:56 Uhr

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad

Der kauzige Herr der Möbel

VonHelmut Steuer

Er kauft Kleidung auf dem Flohmarkt und fährt in der U-Bahn mit Seniorenticket: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat die Sparsamkeit zum Lebensprinzip erhoben. Seine Sünden haben ihm die Schweden zum 90. Geburtstag vergeben.

Der Ikea-Gründer, hier im Dezember 2012, feiert 90. Geburtstag. AFP; Files; Francois Guillot

Ingvar Kamprad

Der Ikea-Gründer, hier im Dezember 2012, feiert 90. Geburtstag.

StockholmEs war wieder typisch für ihn: Als Ikea-Gründer Ingvar Kamprad in der vergangenen Woche eines seiner sehr seltenen Interviews gab, kokettierte er einmal mehr mit seiner Sparsamkeit. „Ich glaube nicht, dass ich irgend ein Kleidungsstück trage, das ich nicht auf einem Flohmarkt gekauft habe“, erklärte er dem verdutzten TV-Journalisten. Typisch Ingvar Kamprad, der heute 90 Jahre alt wird. Den Mythos vom sparsamen, ja fast geizigen Milliardär will er unter allen Umständen aufrechterhalten. Auch mit 90.

Der Mann, der zu den reichsten Menschen der Welt zählt, dieser manchmal kauzige Unternehmer mit ausgebeulten Hosen, Holzpantoffeln und durchgescheuertem Sakko hebt oft und gern seine Sparsamkeit hervor. Die Anekdötchen vom Milliardär, der immer nur Holzklasse fliegt und den Seniorenrabatt in der U-Bahn ausnutzt, sind vielfältig. Und zum Teil sind sie auch wahr. Doch es ist auch überliefert, dass Kamprad früher einen Porsche fuhr. „Aber nie schneller als 70 Stundenkilometer“, betonte er sofort und versuchte, den edlen Sportwagen aus Zuffenhausen zu einem Allerweltsgefährt zu machen.

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Einem Neunzigjährigen sieht man solche Marotten nach. In seiner Heimat, in die er nach vielen Jahren in der Schweiz nach dem Tod seiner Frau zurückgekehrt ist, wird Kamprad verehrt. Er wurde zum Unternehmer des Jahres, ja des Jahrhunderts gewählt. Und wenn er sich seltener Weise einmal öffentlich äußert, hören alle zu.

Allerdings meidet der Firmengründer meist die Öffentlichkeit. Wenn er dann doch einmal vor die Kameras oder Mikrofone tritt, dann sorgt der unscheinbare ältere Herr mit mittlerweile etwas zotteligen Haaren und wildem Bartwuchs stets für Schlagzeilen. So war es, als er vor über 20 Jahren einräumen musste, in seiner Jugend von Anfang der 40er-Jahre bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit den schwedischen Nazis sympathisiert zu haben. Er entschuldigte sich öffentlich dafür. Es sei die „wohl schwerste Krise meines Lebens“ gewesen, gestand er. Man hat es ihm damals nachgesehen. Und nicht nur das: Man hat ihm abgenommen, dass er sich von der Unglück bringenden Ideologie losgesagt hat. Das gilt auch für sein späteres offenes Eingeständnis, zeitweise mit dem Alkohol ein zu enges Verhältnis gehabt zu haben.

Dass dem Konzern und seinem charismatischen Gründer vieles verziehen wird, liegt auch daran, dass Ikea kein gewöhnliches Möbelhaus ist, sondern eher an eine weltumspannende Religion erinnert. 1976 verfasste Kamprad „Das Testament eines Möbelhändlers“, in dem er die Eckpfeiler der Ideenwelt von Ikea ausführlich beschrieb. „Lasst uns eine Gruppe von positiven Enthusiasten bleiben, die sich mit unerschütterlicher Hartnäckigkeit weigern, das Unmögliche, das Negative zu akzeptieren“, schwur er schon damals seine Mitarbeiter auf den Ikea-Weg ein. „Was wir wollen, das können wir, und wir werden es gemeinsam tun. Wunderbare Zukunft“.

Kommentare (14)

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Herr Max Marx

30.03.2016, 09:19 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Marc Otto

30.03.2016, 09:28 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr Grutte Pier

30.03.2016, 09:29 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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