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02.11.2015

14:12 Uhr

Ikea-Gründer

Steuersünder Kamprad kehrt heim

VonHelmut Steuer

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zahlt wieder Steuern in seiner Heimat. Der Fiskus darf sich über rund 640.000 Euro freuen. Doch von den Milliarden, die Kamprads Möbelhäuser erwirtschaften, sieht Schweden weiter nur wenig.

Der Ikea-Gründer zahlt wieder in seiner schwedischen Heimat Steuern. AFP

Ingvar Kamprad

Der Ikea-Gründer zahlt wieder in seiner schwedischen Heimat Steuern.

StockholmIst da ein reuiger Steuersünder zur späten Einsicht gekommen? Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat 42 Jahre, nachdem er sein Heimatland verlassen hat, erstmals wieder Steuern in Schweden gezahlt. Der mittlerweile 89-jährige Gründer des größten Möbelhauses der Welt gab für das Jahr 2014 bei den schwedischen Steuerbehörden ein Einkommen von 17,7 Millionen Kronen (1,9 Millionen Euro) an. Die Finanzbeamten errechneten daraufhin eine Steuer von rund sechs Millionen Kronen, etwa 640.000 Euro.

Es dürfte Kamprad nicht sonderlich schwer gefallen sein, diesen Betrag zu überweisen. Denn der als geizig geltende Unternehmer zählt mit einem Vermögen von knapp 70 Milliarden Euro zu den reichsten Menschen der Welt. Allerdings hat Kamprad schon früh großen Wert darauf gelegt, dass der Fiskus nicht unnötig viel von seinem Vermögen erhält. Kamprad hatte nicht nur früh seine Liebe zu preiswerten, aber trotzdem pfiffigen Möbeln entdeckt, sondern auch zu Steuersparmodellen.

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Trotz seines oft formulierten sozialen Anspruchs wollte Kamprad dem Fiskus nicht unnötig viel überweisen. Da das in den 1970er-Jahren im sozialdemokratisch geprägten Schweden aber recht schwierig war, zogen Kamprad und seine Frau Margaretha zunächst ins benachbarte Dänemark, dann in die Schweiz, wo sie seit 1976 lebten. Hier zahlte Kamprad fortan seine Steuern, allerdings deutlich weniger als es in seiner Heimat der Fall gewesen wäre. Nach dem Tod seiner Frau 2011 beschloss der Ikea-Gründer wieder zurück nach Schweden zu ziehen und ist somit nun erstmals seit langer Zeit in seiner Heimat wieder steuerpflichtig.

Dass selbst die sonst in Steuerdingen äußerst findigen schwedischen Finanzbeamten keine höheren Abgaben für das vergangene Jahr erhoben haben, dürfte an der äußerst komplizierten Unternehmens- und Eignerstruktur von Ikea gelegen haben. Während für die Ikea-Kunden der kleine Imbus-Schlüssel der Garant zum Erfolg ist, hat Ingvar Kamprad die Erfolgsgarantie durch eine undurchsichtige Konzernstruktur gefunden.

Kernstück ist die von Kamprad kontrollierte Inter Ikea Systems B.V. im steuerlich günstigen Holland. Dieses Unternehmen besitzt seit 1982 die Rechte am Namen Ikea und dem Konzept. Alle Ikea-Häuser und der Ikea-Konzern müssen seitdem drei Prozent ihres Umsatzes an Lizenzgebühren auf das Konto der Inter Ikea Systems überweisen. Diese Royalty-Gebühren schlagen als Ausgaben für die einzelnen externen Möbelhäuser und den Ikea-Konzern zu Buche und wirken sich somit positiv auf die Steuerbelastung aus.

Vor vier Jahren kam zudem heraus, dass der Möbelriese über eine bis dahin unbekannte Stiftung in Liechtenstein kontrolliert wird. Bis dahin war nur bekannt, dass Ikea-Gründer Ingvar Kamprad sein Imperium über verschiedene Stiftungen in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Zypern und den Jungferninseln kontrolliert. Die eigentliche Schaltzentrale von Kamprad scheint jedoch die Interogo in Liechtenstein zu sein, an die ein Großteil der Gelder der Inter Ikea Systems überwiesen wird.

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