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16.10.2014

17:15 Uhr

Ikea tauscht doch nicht lebenslang um

„Da habt ihr uns ja sauber angelogen“

VonLisa Hegemann

Mit dem lebenslangen Rückgaberecht hatte sich Ikea eigentlich selbst das schönste PR-Geschenk zum 40. Geburtstag gemacht. Eigentlich. Denn nun rudert der Deutschlandchef zurück. Die Nutzer auf Facebook und Twitter toben.

Ikea Deutschland

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DüsseldorfEs war wohl die beste PR-Aktion, die sich Ikea zum 40-jährigen Jubiläum hätte schenken können: Lebenslanges Umtauschrecht ab sofort, für alle Möbel, egal wie alt, wir nehmen alles zurück, entdecke die Möglichkeiten. Jetzt hat auch Ikea seine Möglichkeiten entdeckt – und den lebenslangen Umtausch kurzerhand wieder umgetauscht. Nicht komplett, aber in einem wesentlichen Punkt.

Als es im August hieß, künftig könnten alle Kunden lebenslang ihre Produkte wieder umtauschen, da blieb der Konzern vage. Nun hat der Ikea-Deutschlandchef das Rückgaberecht konkretisiert. Peter Betzel sagte am Dienstag, das Angebot gelten nicht für alte, abgenutzte Möbel. Wer 15 Jahre lang seine Küche behalten hätte, der könne sie nicht einfach zurückgeben. „Das Geschäftsmodell hält auch Ikea nicht aus.“ Da gehe es auch um gesunden Menschenverstand.

Verstand ja, Verständnis – nein. Die Ikea-Kunden empören sich reihenweise in den sozialen Netzwerken über das Zurückrudern von Ikea. „Warum werden von euch gegebene Versprechen wieder gebrochen?“, schreibt eine Facebook-Nutzerin auf der Ikea-Seite. „Das mit dem Lebenslangen Rückgaberecht, da habt ihr uns ja sauber angelogen.“

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Eine weitere schreibt: „Sehr enttäuschend...ich werde mir in Zukunft zweimal überlegen, ob ich bei euch noch etwas kaufe!“ Und ein weiterer merkt an: „Was soll denn das? Ich dachte in anderen Ländern ist dieses lebenslange Rückgaberecht auch ein Erfolg?“ Der Nutzer bezeichnete die Rücknahme als „Vertrauensbruch an euren Kunden“. In einem weiteren Kommentar heißt es: „Man sollte nicht erst groß rumposaunen, wenn man das Versprechen dann nachher doch nicht hält.“ Sowas fände er „mehr als frech“.

Andere werden schon deutlicher. Einer schreibt einfach nur: „Schämt ihr euch nicht?“ Ein anderer Facebook-Nutzer bezeichnet den schwedischen Konzern als „armselig“. Und ein dritter: „Boah, seid ihr peinlich!“

Auch auf Twitter machte die Meldung die Runde – und sorgte für wenig begeisterte Wortmeldungen.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

16.10.2014, 17:25 Uhr

"Lebenslanges" Rückgaberecht? Alles nur eine Definitionssache. Aber wer sich jetzt über den "Rückzieher" von Ikea aufregt benötigt in seinen Bedienungsanleitungen wohl auch den Hinweis das man Hamster nicht in die Mikrowelle legen soll. Außerdem; solange hält der Prüll von Ikea doch gar nicht.

Also: was soll´s.

Herr Andreas Dietz

16.10.2014, 17:47 Uhr

Da gebe ich "Chris Sänger" absolut Recht!!
Wer glaubt das ein Konzern lebenslang Produkte zurücknehmen könne....der kann sich kurzfristig nach einem anderen Anbieter umschauen!!
Vielleicht meinten die Herren von Ikea "Umtauschrecht auf jede Neuware"?...wie auch immer, ich kenne kein Unternehmen das solch kaufmännischen Schwachsinn auch nur wenige Jahre durchhalten könne!! Ein Traum für jeden Verbraucher!!
Und...Erfolgsmodel für ein solches Unternehmensversprechen?.. welchen Vorteil sollte ein Unternehmen davon haben??...sollte jeder vernünftige Mensch mal darüber nachdenken!!..

jepp....
...was soll´s...

Herr Harald Puppe

16.10.2014, 18:00 Uhr

Da kann man mal wieder sehen, wie naiv die Deutschen sind. Habt ihr dieses Märchen wirklich geglaubt ? Wer 1 + 1 zusammen zählen kann, der hätte gleich merken müssen, da stimmt was nicht. Aber mit dem Rechnen ist das hier so eine Sache. Da hapert es bei den meisten. Die interessieren sich mehr für den Märchenwald.

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