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23.09.2015

06:23 Uhr

Ikea-Vorstand Steve Howard

„Größe ist kompatibel mit Nachhaltigkeit“

VonFlorian Kolf

Die Kontrolle der Lieferkette in Asien ist nicht nur bei Textilfirmen wie Kik schwierig. Ikea-Vorstand Steve Howard beschreibt, wie der Möbelriese schwarze Schafe aussortiert und warum sich Nachhaltigkeit rechnet.

Der Ikea-Vorstand ist für den Bereich Nachhaltigkeit verantwortlich. Ikea

Steve Howard

Der Ikea-Vorstand ist für den Bereich Nachhaltigkeit verantwortlich.

ÄlmhultKann ein globales Unternehmen nachhaltig und ethisch produzieren und trotzdem günstige Preise anbieten? Vor der Herausforderung stehen nicht nur Modeunternehmen, sondern auch der Möbelkonzern Ikea. Ikea-Nachhaltigkeitsvorstand Steve Howard, der vorher für verschiedene Umweltorganisationen gearbeitet hat, beschreibt im Interview, wo die Probleme und die Chancen liegen.

Die Kontrolle der Zulieferer in Asien ist spätestens seit Unglücken wie in Bangladesch oder Pakistan ein großes Thema in der Textilindustrie. Könnte so etwas auch in der Möbelherstellung passieren?
Ich schlafe nicht schlecht. Aber das einzige, was mich nachts wach halten könnte, ist die Frage, wie man die Lieferanten überwachen kann. Wir haben hundert eigene Auditoren, deren Aufgabe es ist, Dinge zu entdecken, bevor sie passieren. Wir haben beispielsweise sechs direkte Zulieferer in Bangladesch. Wir haben sie mehrfach überprüft und dort bestehen keine Risiken. Aber besteht irgendwo anders ein Risiko, dass etwas passiert? Absolut, weil da hunderttausende Menschen beteiligt sind.

Kann einen diese Sisyphos-Arbeit nicht entmutigen?
Was du tun kannst, ist klare Vorschriften und klare Standards zu haben, die alle Menschen entlang der Produktionskette verstehen. Und dann musst du maximale Anreize für alle schaffen, sich daran zu halten und minimale Risiken einzugehen.

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Haben Sie auch schon die Beziehung zu unsicheren Lieferanten beendet?
Ja. Wir hatten zunächst zwei Stufen von Standards: Die Minimumvoraussetzungen und die volle Erfüllung aller Vorgaben unseres Verhaltens-Kodex für Zulieferer, den wir IWAY nennen. Wir haben etwa 1000 direkte Zulieferer. Vor drei Jahren haben wir allen mitgeteilt, dass wir erwarten, dass sie künftig die kompletten Standards von IWAY erfüllen müssen.

Und das hat funktioniert?
Wir haben intensiv mit allen Zulieferern gearbeitet, um dieses Ziel zu erreichen. Aber 75 Partner konnten oder wollten diese Vorgaben nicht erfüllen. Mit denen haben wir die Zusammenarbeit beendet. Wenn sie wirklich gewollt hätten, hätten sie die Vorgaben erfüllen können. Aber sie haben sich dagegen entschieden.

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