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22.07.2011

00:00 Uhr

Immobilienkonzern

Die Gagfah Group poliert ihr Image

VonReiner Reichel, Anne Wiktorin

Im Streit mit der Stadt Dresden um die Einhaltung von Kaufverträgen galt der Immobilienkonzern Gagfah lange als der Böse. Das will die Firma nun ändern - und startet eine Charmeoffensive. Von R. Reichel und A. Wiktorin

Gagfah-Wohnsiedlung im Südwesten von Dresden Quelle: dpa

Gagfah-Wohnsiedlung im Südwesten von Dresden

DüsseldorfZwei Jahre ist es her, dass die Stadt Dresden dem Beratungshaus Sachsen Treuhand den Auftrag gab, den Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt zu untersuchen. Ausdrückliches Ziel der Analyse: Stadtverwaltung und Stadtrat sollten einen "umfassenden Überblick" erhalten, wie sich der Verkauf des kommunalen Vermieters Woba Dresden an den US-Finanzinvestor Fortress auf den Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt ausgewirkt hat. Fortress ist der Typ von Unternehmen, der hierzulande auch als "Heuschrecke" bezeichnet wird. Die Amerikaner gliederten die Anfang 2006 erworbenen 45.000 Wohnungen in ihr Wohnungsunternehmen Gagfah ein und brachten die Gesellschaft im Oktober 2006 an die Börse.

Überraschend positive Studie

Seit mehr als einem Jahr ist die Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, fertig. Die Stadträte haben das Werk bis heute nicht gesehen. Erst nach zweimaliger Nachfrage gibt das Büro von Oberbürgermeisterin Helma Orosz zu, dass es diese Studie gibt. Ihr Ergebnis passt nicht in das Bild von der bösen Heuschrecke, die die Taschen der Mieter leer frisst. Es fällt unerwartet positiv aus und passt vielleicht gerade deshalb nicht in eine Zeit, in der die Stadt, angeführt von Stadtkämmerer Hartmut Vorjohann, eine Milliardenklage gegen die Gagfah führt.

Vor allem zwei Aussagen dürften die Stadträte interessieren. Die eine: "Die von vielen Verkaufsgegnern erwarteten drastischen Mietsteigerungen sind bisher ausgeblieben." Die zweite: Bis zur Ablieferung der Studie im Mai 2010 hat die Sachsen Treuhand keine Verstöße der Woba Dresden gegen die Sozialcharta festgestellt. Die allerdings bilden den Kern der Klage.

Das alles muss jedoch nicht heißen, dass es keine Verstöße gab. Denn Gutachterin Annika Steiner weist einschränkend darauf hin, dass die von der Stadt zugesicherten Daten zur Analyse der Einhaltung der Sozialcharta nicht "vollumfassend" zur Verfügung standen, beklagt sich aber auch über die Gegenseite: "Anhand der durch die Gagfah bereitgestellten Daten kann nicht eingeschätzt werden, ob die vertraglich festgelegten Verpflichtungen, Schutz vor Eigenbedarfskündigungen und Kündigungen wegen unangemessener wirtschaftlicher Verwertung zu gewährleisten, erfüllt wurden." Dass die Dresdner Stadträte der Klage nicht zugestimmt hätten, wäre ihnen das Ergebnis der Studie bekannt gewesen, behauptet die Gagfah nicht. Konzernchef William J. Brennan formuliert seine Kritik diplomatisch: "Die Stadträte sollten über alle wichtigen Informationen verfügen."

Allerdings macht die Studie die Gagfah nicht zum Musterknaben der deutschen Wohnungswirtschaft. Dafür sind die Berichte unzufriedener Mieter auch in Dresden zu zahlreich. Als der örtliche Mieterverein vor einigen Wochen einen "Sonderstammtisch" zur Klage der Stadt gegen die Gagfah veranstaltete, platzte der Vortragsraum aus allen Nähten.

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