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20.08.2012

13:43 Uhr

Immobilienkonzern

GSW wird es in Berlin zu eng

Bislang konzentriert sich GSW ausschließlich auf den Wohnungsmarkt in Berlin. Doch das könnte sich demnächst ändern. Die Führungsspitze schließt Zukäufe an anderen Standorten nicht aus – und wenn, dann in großem Stil.

Wohnviertel in Berlin: Die GSW verwaltet derzeit gut 52.000 Wohnungen im eigenen Bestand. dpa

Wohnviertel in Berlin: Die GSW verwaltet derzeit gut 52.000 Wohnungen im eigenen Bestand.

FrankfurtDer Berliner Immobilienkonzern GSW schließt Zukäufe außerhalb der Hauptstadt nicht mehr grundsätzlich aus. „Wenn es keine Wachstumsmöglichkeiten in Berlin mehr geben sollte, dann würden wir uns auch an anderen Standorten umsehen“, sagte Finanzchef Andreas Segal der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Aktuell sei das zwar kein Thema, möglicherweise aber mittelfristig, falls die Investoren dies wünschten. Denn die Preise in Berlin zögen stetig an, räumte der Manager ein. Das könnte andere Großstädte zwangsläufig attraktiv machen - in dem Fall wären es allerdings große Zukäufe und keine Mini-Pakete, um Synergien schnell heben zu können. „Alles andere passt nicht zu unserem Plattform-Modell.“

Der Berliner Wohnungsmarkt boomt seit Jahren. Verkaufspreise und Mieten waren im Vergleich zu anderen Metropolen lange Zeit niedrig, was auch Investoren aus dem Ausland anzog. Heute tummeln sich sehr viele Anleger in der Hauptstadt, die Renditen kommen unter Druck. Vor allem klassische deutsche Wohnungsgesellschaften weichen daher zunehmend auf andere Städte aus.

Die GSW verwaltet derzeit gut 52.000 Wohnungen im eigenen Bestand, das Ziel liegt bei über 70.000 Einheiten - eine Größe, die die expansionshungrige Konkurrentin Deutsche Wohnen vor wenigen Tagen erreicht hat. Denn anders als die GSW kauft Deutsche Wohnen bundesweit ein. Der Markt bleibt auch in den nächsten Monaten in Bewegung, denn die Gagfah stellt ihre Wohnungen in Dresden zum Verkauf und die BayernLB ihre Wohnungstochter GBW in Süddeutschland. Zudem läuft die Privatisierung der ostdeutschen TLG Immobilien. Alles sind milliardenschwere Pakete - die die GSW zunächst anscheinend nicht interessieren.

„Allein im ersten Halbjahr haben wir uns 39.000 Einheiten angeschaut. Wir lehnen aber viel ab“, sagte Finanzchef Segal. Nach der jüngsten Kapitalerhöhung habe der Konzern inklusive Kreditlinien rund 350 Millionen Euro für Zukäufe zur Verfügung. Das reiche für 5.000 bis 8.000 Wohnungen in Berlin. Die GSW wolle ihren vergleichsweise niedrigen Verschuldungsgrad (LTV), aktuell 51,5 Prozent, im derzeit angespannten Finanzierungsumfeld in etwa halten.

Weil die bestehenden Wohnungen fast voll vermietet sind, schraubte der Konzern seine Ziele für 2012 hoch. Das in der Branche maßgebliche Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO), das Verkaufserlöse nicht mit einbezieht, soll bei 61 bis 64 (Vorjahr: 57) Millionen Euro liegen, bislang wurden 59 bis 63 Millionen angepeilt. Im Halbjahr kam die GSW bereits auf 32,6 Millionen Euro, ein Plus von über zwölf Prozent. Der Überschuss war wegen Sondereffekten im Vorjahreszeitraum dagegen leicht rückläufig.

Die Anleger sollen dieses Jahr abermals ordentlich am Gewinn beteiligt werden, versprach Segal. „Wir wollen auch für 2012 wieder 65 Prozent des FFO als Dividende ausschütten.“ Das wären ungefähr 80 (2011: 90) Cent je Aktie, denn die Zahl der Aktien ist nach der jüngsten Kapitalerhöhung gestiegen. Falls Zukäufe schneller als erwartet integriert werden und das Ergebnis treiben, könnten es auch bis zu 84 Cent je Aktie werden.

Analysten lobten das Zahlenwerk, Anleger nahmen dennoch Gewinne mit: Die GSW-Aktie büßte ein Prozent ein und damit mehr als der Nebenwerteindex MDax. Mit über 30 Euro notiert das Papier aber weiter über dem Nettovermögenswert (NAV), der per Ende Juni bei 27,59 Euro per Aktie lag. Zu 19 Euro je Aktie war die GSW 2011 an die Börse gegangen.

Von

rtr

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