Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2005

07:39 Uhr

In fünf Jahren soll die Flotte verdoppelt werden

Vietnam Airlines drängt auf den Weltmarkt

VonDietmar Petersen (Handelsblatt)

Die nationale Fluggesellschaft Vietnam Airlines startet durch. „Bis 2010 wollen wir unsere Flotte auf 75 Flugzeuge verdoppeln“, definiert Chef-Stratege Duong Tri Thanh im Gespräch mit dem Handelsblatt die Perspektive.

HO-CHI-MINH-STADT. Im Dezember vergangenen Jahres bestellte Vietnam Airlines im ersten Schritt zehn Airbus-Maschinen des Typs A321 im Wert von 625 Mill. Dollar. „Eine ehrgeizige Expansion“, urteilt Peter Harbison, Chef der Unternehmensberatung Centre for Asia Pacific Aviation (Capa) in Sydney. „Aber Vietnam zählt mit China zu Asiens dynamischsten Luftverkehrsmärkten.“

Dieser Markt lockt sogar die Amerikaner zu den ehemaligen Feinden. Im Dezember startete United Airlines den „ersten kommerziellen Vietnam-Flug nach fast dreißig Jahren“, sagt ein Konzernsprecher. Im Frühjahr 1975 hatte die letzte Panam-Maschine Saigon verlassen, am 30. April 1975 zog die Supermacht USA geschlagen aus dem Entwicklungsland Vietnam ab.

Trotz des „gewaltigen Potenzials brauchen wir Zeit, die Route von San Francisco über Hongkong nach Hanoi profitabel zu gestalten“, räumt der United-Sprecher ein. Ironie der Geschichte: der Feind von einst ist ein Hoffnungsträger für die permanent am Rande der Pleite fliegende US-Fluggesellschaft.

Allmählich normalisiert sich das Verhältnis zwischen den Kriegsgegnern. Das historische Luftverkehrsabkommen zwischen beiden Ländern ist unterzeichnet. „Wir könnten 2006 die USA anfliegen“, hofft Vietnam-Airlines-Manager Thanh. Derzeit wickelt die Gesellschaft ihren Amerika-Verkehr vor allem über taiwanesische Airlines ab.

In Europa wollen die Vietnamesen „Deutschland zum Zielmarkt ausbauen“, sagt Thanh. Wie bei den USA setzen sie auf steigende Touristenzahlen und den ethnischen Verkehr. Deutsche stellen nach Amerikanern und Japanern die drittgrößte Touristengruppe, und immerhin 120 000 Vietnamesen leben in Deutschland. Bereits in diesem Sommer soll die Zwischenlandung in Moskau bei Flügen von Frankfurt nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt wegfallen.

„Unser Ziel ist der Aufstieg zu einem ,Big Player’ in Asiens Luftfahrtindustrie“, sagt Thanh. Berater Harbison hält das für realistisch: „Ihr Image ist gut“, auch wenn es Vorbehalte gegen einen sozialistischen Staats-Carrier gebe. Smarte Technokraten würden kommunistische Parteibonzen an der Unternehmensspitze zurückdrängen, sagt ein Insider. Im zurückliegenden Jahr steigerte die Airline den Umsatz um 16 Prozent auf 1,1 Mrd. Dollar. Die Zahl der Passagiere soll in diesem Jahr auf 5,7 (fünf) Millionen wachsen.

„Wir folgen keinem Vorbild", sagt Thanh, „aber Thai Airways“ – einer der globalen Touristentransporter – „könnte als Maßstab dienen.“ Derzeit fliegt Vietnam Airlines 22 internationale Ziele an.

Auf den Langstrecken steuern fast nur ausländische Piloten, vor allem Thais, die Maschinen. Schulungsprogramme sollen mehr Vietnamesen ins Cockpit bringen. Pläne, einer der drei Allianzen der globalen Luftfahrt beizutreten, bestünden derzeit nicht.

Gespräche mit dem Skyteam unter Führung der Air France-KLM habe man geführt, auch mit Oneworld von British Airways. „Wir fliegen zur Zeit gut mit bilateralen Abkommen (Code sharing)“, beteuert Than.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×