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05.07.2012

15:59 Uhr

In Spanien

Schlecker will neue Filialen eröffnen

Schlecker gibt nicht auf: Trotz der Insolvenz will die Drogerie-Kette expandieren - in Spanien. Mehr als 60 neue Filialen sind geplant. Trotzdem sucht der Insolvenzverwalter nach Käufern für die Auslandsgesellschaft.

Der Himmel für Schlecker klart auf: Das Unternehmen sieht seine Zukunft in Spanien. dpa

Der Himmel für Schlecker klart auf: Das Unternehmen sieht seine Zukunft in Spanien.

Madrid/EhingenDie Drogerie-Kette Schlecker will in Spanien trotz der Insolvenz weiter expandieren. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters bestätigte am Donnerstag spanische Medienberichte, denen zufolge das Unternehmen in dem Land bis 2014 insgesamt 62 neue Läden eröffnen will. Derzeit betreibt Schlecker dort 1127 Filialen und beschäftige 3228 Mitarbeiter.

Unabhängig davon sucht Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach einem Käufer für die Niederlassung in Spanien. Man habe bereits Kontakt zu mehreren Interessenten aufgenommen, sagte er nach Angaben der staatlichen spanischen Nachrichtenagentur Efe.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Er hoffe, dass bis zum Ende des Jahres ein Käufer gefunden werden könne. Spanien sei der Markt, auf dem Schlecker „den größten Erfolg“ erzielt habe. 2011 habe der Umsatz 320 Millionen Euro betragen. Schlecker Spain sei von der Konzernzentrale in Deutschland immer relativ unabhängig gewesen.

Unterdessen gehen in Deutschland die Verhandlungen über die Zukunft der Schlecker-Tochter Ihr Platz weiter. Insolvenzverwalter Werner Schneider verhandele weiter mit interessierten Investoren, sagte ein Sprecher. Sollte für Ihr Platz keine Lösung gefunden werden, würden wohl noch einmal fast 4000 Menschen ihren Job verlieren.

In Sachen Ihr Platz zählt nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa vom Dienstag die österreichische MTH Retail Group zum Kreis der Interessenten. Laut früheren Angaben ist auch der Münchner Investor Dubag dabei. Er hatte Anfang Juni über eine Kombi-Lösung verhandelt, die den Schlecker-Tochterfirmen Ihr Platz und Schlecker XL eine Zukunft sichern sollte. Am Ende scheiterten die Gespräche aber und vergangene Woche stand fest, dass im einstigen Schlecker-Imperium auch die mehr als 1100 XL-Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Zu den Ihr Platz-Verhandlungen machte Schneiders Sprecher keine genaueren Angaben. Der Austausch sei rege, ein Ende der Gespräche aber nicht absehbar.

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