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03.07.2017

14:06 Uhr

Indonesien

Radikale Prediger fordern Starbucks-Boykott

VonMathias Peer

Muslimische Organisationen in Südostasien rufen zum Protest gegen Starbucks auf. Der Grund: Die Kaffeehauskette setzt sich für die gleichgeschlechtliche Ehe ein. Auch andere Konzerne sind im Fokus religiöser Hardliner.

Das Kaffeehaus war im vergangenen Jahr Ziel eines islamistischen Terror-Anschlags. dpa

Starbucks-Filiale in Jakarta

Das Kaffeehaus war im vergangenen Jahr Ziel eines islamistischen Terror-Anschlags.

BangkokWer im Zentrum von Jakarta bei Starbucks einen Kaffee trinken möchte, muss erst durch eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Vor dem Eingang der Filiale in der Nähe von Indonesiens Nationaldenkmal kontrolliert ein Wachmann das Gepäck der Gäste. Die Vorsicht ist nachvollziehbar: Anfang 2016 kam es in der Niederlassung der US-Kette zu einem Anschlag islamistischer Attentäter, die bei ihrem Angriff vier Menschen töteten. Starbucks schloss daraufhin zeitweise sämtliche Filialen in der indonesischen Hauptstadt.

Anderthalb Jahre nach der Attacke von Extremisten gerät das Unternehmen nun auch ins Visier religiöser Gruppen, die in mitten in der indonesischen Gesellschaft stehen. Anführer einflussreicher muslimischer Organisationen rufen zum Boykott von Starbucks auf. Sie zeigen sich empört darüber, dass sich der US-Konzern für die gleichgeschlechtliche Ehe einsetzt. Während Deutschland die „Ehe für alle“ auf den Weg brachte, wurde in Indonesien #BoikotStarbucks zum Trending Topic auf Twitter. Am Wochenende schlossen sich muslimische Hardliner in Malaysia dem Protest an.

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Starbucks gehört zu einer Reihe von westlichen Konzernen, die in den muslimisch geprägten Ländern im Zuge einer Islamisierungswelle zunehmend unter Druck geraten. Malaysia und Indonesien, das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, galten lange als Vertreter einer toleranten Auslegung des Islam. In beiden Ländern wuchs zuletzt die Bedeutung erzkonservativer Religionsvertreter, die sich auch auf ausländische Unternehmen einschossen.

Anwar Abbas ist der Mann, der den jüngsten Sturm der Entrüstung lostrat. Der 62-Jährige ist Generalsekretär der indonesischen Religionsbehörde MUI und eine der Führungsfiguren der mächtigen Organisation Muhammadiyah, Indonesiens zweitgrößte muslimische Gruppierung mit rund 30 Millionen Mitgliedern. Er macht sich in dem Land nun auch noch als größter Starbucks-Gegner einen Namen. Abbas wirft dem Konzern vor, durch dessen Engagement für die Rechte von Homosexuellen, den „religiösen und kulturellen Kern“ Indonesiens anzugreifen. Er verlangte, nicht mehr bei Starbucks einzukaufen und forderte die Regierung auf, dem Unternehmen die Betriebslizenz zu entziehen.

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Quelle: dpa

Kaffeesteuer

2,19 Euro pro Kilogramm beträgt die Kaffeesteuer in Deutschland. Sie wird seit 1948 erhoben.

Umsatz der Kaffeebranche

5,8 Milliarden Euro betrug der Umsatz der deutschen Kaffeebranche 2014.

Ein Kilogramm Röstkaffee

9,28 Euro kostet ein Kilogramm Röstkaffee im Durchschnitt inklusive Kaffeesteuer in Deutschland. Zum Vergleich: In den USA sind es 7,55 und in Italien 14,64 Euro - ohne Kaffeesteuer.

Kaffee-Import

18,8 Millionen Sack Rohkaffee wurden 2014 nach Deutschland importiert - das entspricht mehr als einer Million Tonnen. Ein Drittel kam aus Brasilien.

Kaffeegenuss

26 Prozent des Kaffees trinken die Deutschen außer Haus - ein Drittel davon in Bäckereien und Stehcafés.

Absatz von Kaffee

Um 40 Prozent wuchs der Absatz von Kaffee in Einzelportionen - Kapseln und Pads etwa - von 2013 auf 2014.

Kaffeemaschine

84,6 Prozent der deutschen Haushalte haben eine Kaffeemaschine - die meisten eine klassische Filtermaschine.

Kaffeekonsum

162 Liter Kaffee trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Zum Vergleich: Es sind nur 107 Liter Bier.

Yunahar Ilyas, ebenfalls ein ranghoher MUI-Vertreter, bezeichnete die Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch Starbucks als „eine Form von Menschenrechtsverletzung“, da dadurch der Fortbestand der Menschheit in Gefahr sei. In Malaysia schloss sich die nationalistische Organisation Perkasa dem Protest gegen Starbucks an: „Wir fordern alle Muslime in Malaysia auf, Starbucks zu boykottieren, weil das Unternehmen LGBT-Rechte und die gleichgeschlechtliche Ehe unterstützt“, teilte Sprecher Amini Amir Abdullah mit.

Auslöser für die Protestaufrufe waren neu entfachte Online-Debatten über frühere Äußerungen von Howard Schultz, der sich als Starbucks-Chef für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen hatte. In sozialen Medien wie Twitter teilten in Indonesien und Malaysia viele Nutzer die Boykottbotschaften. Andere machten sich über die Entrüstung lustig und verwiesen auf die Ironie, dass die Erzkonservativen mit Twitter die Plattform eines Unternehmens nutzen, das sich selbst für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Starbucks war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Kommentare (2)

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Herr Norman Fischer

03.07.2017, 14:34 Uhr

Die Entwicklung ist besorgniserregend.

Im Namen der Religionsfreiheit wird eine Radikalisierung geduldet.Als Minderheit spielen sie erst eine Opferrolle. Dann stellen sie Forderungen. Dann gehen sie in die Politik. Ändern Gesetze, bis zur Einführung der Scharia. So wurden in der jüngsten Vergangenheit mehrere ehemals christliche und buddhistische / hinduistische Länder islamisiert. Wohin werden die Europäer flüchten?

Rainer von Horn

03.07.2017, 14:54 Uhr

Oh, wie tolerant! Lustig, daß sich die Politik hierzulande sowohl für die Muslime, als auch für die Ehe für alles einsetzt. Eine brisante poltische Mischung, um nicht zu sagen ein hochexplosives Gemisch!

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