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28.05.2016

17:15 Uhr

Indonesien

Wie die Tabakindustrie Kinder vergiftet

VonMathias Peer

Erbrechen gehört zum Arbeitsalltag: Kinder arbeiten laut einem NGO-Bericht unter erheblichen Gesundheitsgefahren auf indonesischen Tabakplantagen. Zigarettenkonzerne stehen am Pranger von Aktivisten.

Die Organisation Human Rights Watch beklagt, dass auf den Tabakplantagen Indonesiens viele Kinder arbeiten. AFP/Human Rights Watch

Indonesisches Mädchen sammelt Tabak-Blätter

Die Organisation Human Rights Watch beklagt, dass auf den Tabakplantagen Indonesiens viele Kinder arbeiten.

BangkokDer Aushilfsjob der 13-jährigen Indonesierin Ayu kommt mit einer unangenehmen Begleiterscheinung. Regelmäßig muss sich das Mädchen übergeben. Ayus Eltern sind Tabakbauern in einem Dorf im Westen der Insel Java. Seit Jahren helfen Ayu und ihre Geschwister vor und nach der Schule auf dem Feld. „Ich habe mich schon so oft übergeben“, erzählt sie. „Mein Vater trägt mich dann nach Hause. Es passiert immer, wenn wir ernten.“

Ayu ist eines von Tausenden Kindern, die nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) auf Indonesiens Tabakplantagen arbeiten. Sie sind laut einem diese Woche veröffentlichten Bericht der Organisation unter erheblichen Gesundheitsgefahren auf den Feldern von Südostasiens größter Volkswirtschaft im Einsatz. Jeder zweite von mehr als 130 befragten Kinderarbeitern berichtete über Symptome von Nikotinvergiftungen, die die Entwicklung von Heranwachsenden erheblich stören können. Die Aktivisten prangern die internationalen Tabakkonzerne an: Diese täten zu wenig, um die Probleme in ihren Lieferketten zu unterbinden.

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Ralf Wittenberg hat sich vergeblich gegen Schockbilder auf Zigarettenschachteln gewehrt. Seit heute sind sie Pflicht. Nun wettert der Tabakmanager gegen ein Werbeverbot und verrät, ob er seinen Kindern Zigaretten kaufen würde.

„Tabakfirmen machen Geld zulasten der Kinderarbeiter und deren Gesundheit“, sagt HRW-Rechercheurin Margaret Wurth. Ihrer Ansicht nach fehlt den Konzernen der nötige Überblick über ihre Lieferanten. „Wenn die Unternehmen nicht einmal wissen, woher der von ihnen eingekaufte Tabak stammt, dann ist es unmöglich zu garantieren, dass Kinder dafür nicht ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben."

Denn laut HRW ist ein großer Teil des Tabakgeschäfts in Indonesien, dem fünftgrößten Tabakproduzenten der Welt, hochgradig intransparent: Kleinbauern wie Ayus Eltern verkaufen ihre Waren an Zwischenmänner. Diese senden den Tabak in Lagerhallen und verkaufen sie von dort an Tabakhändler, die die Waren neu verpacken und sie an indonesische sowie internationale Zigarettenhersteller weitergeben. Insgesamt geht rund ein Viertel des indonesischen Tabaks in den Export. Hauptabnehmer sind die USA, Belgien und Malaysia.

Auch in Deutschland wächst die Nachfrage nach indonesischem Tabak: Laut Bundeslandwirtschaftsministerium stiegen die Einfuhren zuletzt um acht Prozent auf fast 1700 Tonnen im Jahr. Tabakkonzerne warben in Deutschland zuletzt offen mit der Herkunftsregion. Für die Variante „Straight Dark“ seiner Marke Lucky Strike startete British American Tobacco (BAT) im Jahr 2013 eine Kampagne, bei der vom „würzigen Geschmack“ der indonesisch-kolumbianischen Tabakmischung die Rede war. Der Slogan, den das Unternehmen für das in einer schwarzen Verpackung vertriebene Produkt wählte, lautete: „Die dunkle Seite des guten Geschmacks.“

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