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11.01.2008

11:47 Uhr

Inside: Celesio

Unterm grünen Kreuz

VonMaike Telgheder

Vor einem Jahr eröffnete die erste Doc-Morris -Partnerapotheke im saarländischen St. Wendel, jetzt sind es 100, in ein paar Jahren sollen es 500 Filialen sein. Mit dem Kauf der Versandapotheke im April vorigen Jahres, hat sich Celesio auf die 2008 erwartete Lieberalisierung des Apothekenmarktes gut vorbereitet.

Gestern St. Wendel, morgen Ravensburg und übermorgen die ganze Bundesrepublik. Doc Morris fühlt sich wieder auf der Überholspur. Vor acht Jahren als Internetapotheke mit Versandgeschäft aus der Niederlande heraus gestartet, expandiert die mittlerweile zum Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio gehörende Firma mit ihrem Franchisesystem nun im klassischen deutschen Präsenz-Apothekenmarkt.

Vor einem Jahr eröffnete die erste Doc-Morris -Partnerapotheke im saarländischen St. Wendel, jetzt sind es 100, in ein paar Jahren sollen es 500 Filialen sein.

Doc-Morris -Gründer Ralf Däinghaus spricht in diesen Tagen wieder gerne von der rosigen Zukunft der Firma mit dem grünen Kreuz. Da stört es im Gesamtbild auch wenig, dass er beim Versandgeschäft vor Jahren zu optimistisch war. Mit erwarteten knapp 220 Millionen Euro Umsatz ist Doc Morris noch weit entfernt von den einst anvisierten 500 Millionen Euro Umsatz.

Aber Celesio -Chef Fritz Oesterle ging es bei der Übernahme von Doc Morris im vergangenen April schließlich vor allem darum, sich die stärkste deutsche Apothekenmarke zu sichern. Damit hat sich der Konzern für die erwartete Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes gut gerüstet. Denn wenn die Rechnung aufgeht, hebt der Europäische Gerichtshof noch in diesem Jahr das Mehr- und Fremdbesitzverbot auf. Damit wäre der Weg für große Apothekenketten frei.

Seit längerem bereiten sich Schlecker, dm und andere Drogeriemarktketten auf diesen Tag X vor. Doch während sie den Sprung ins Apothekengeschäft noch schaffen müssen, ist Celesio mit Doc Morris als Marke schon da. Die Umwandlung des Franchisesystems in eine Geschäftskette wäre leicht. Zudem kann Celesio aus Erfolgsrezepten seiner 2 100 Apotheken in Ausland schöpfen.

Mit dem Einstieg in den deutschen Medikamenten-Einzelhandel könnte Celesio den renditestärkeren Teil seines Geschäftes deutlich ausbauen. Der Pharmahändler macht bislang nur 3,3 Milliarden von zuletzt 21,6 Milliarden Euro Umsatz als Apothekenbesitzer. Der weitaus größte Teil kommt aus dem stagnierenden und margenschwachen Pharma-Großhandel.

Mit Doc Morris streben die Stuttgarter bis zu 15 Prozent des 35 Milliarden Euro schweren deutschen Apothekenmarktes an. Gelingt das, würde das Unternehmen seinen Einzelhandelsumsatz mehr als verdoppeln. Als Apothekenbetreiber könnte der Konzern zudem vom stark wachsenden Direktgeschäft mit den Pharmaherstellern profitieren, das an der Großhandelssparte vorbeigeht.

Allerdings muss noch das Problem mit den verärgerten selbstständigen Apothekern gelöst werden. Die Kundschaft hatte Celesio boykottiert, als der Konzern den Preisbrecher Doc Morris übernahm. Das kostete Umsatz. Celesio hat aber gute Chancen, die Delle eben dank Doc Morris wieder auszugleichen. Denn mit Blick auf Konkurrenten wie Schlecker könnte so mancher Apotheker noch Schutz unter dem grünen Kreuz suchen.

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