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10.01.2007

14:02 Uhr

Inside: Deutsche Bahn

Märkte bedienen

VonE. Krummheuer

Vor vier Jahren kaufte die Deutsche Bahn von Eon die Stinnes-Gruppe und damit vor allem die weltweit erfolgreiche Spedition Schenker. Nun steht der traditionsreiche Name Stinnes davor, in den Geschichtsbüchern zu verschwinden. Zum 1. Februar führt die Bahn eine neue Führungs- und Markenstruktur ein.

DÜSSELDORF. Die Bahn hat für Stinnes keine Verwendung mehr – die Güterverkehrs- und Logistikaktivitäten des noch hundertprozentigen Staatskonzerns werden international leichter verständlich längst unter „DB Logistics“ zusammengefasst.

In einem behutsamen, mehr als ein Jahr dauernden Prozess hat die Bahn die gesamte Sparte neu geordnet. Nachdem die Aufsichtsräte ihre Zustimmung gegeben haben, fehlt noch das Votum der Betriebsräte. Der Konzern verkündete am gestrigen DIenstag, die neue Führungs- und Markenstruktur werde zum 1. Februar eingeführt.

Die neue Konstellation hat in mehrfacher Hinsicht einen Spagat zu bewältigen. Zunächst gilt es, die bisher weitgehend autonom operierenden nationalen Schenker-Landesgesellschaften unter die Fittiche des zentralen Bahn-Konzernmanagements im Ressort Transport und Logistik zu nehmen, ohne ihnen aber die operativen Freiheiten vor Ort zu rauben.

Hinzu kommt die Aufgabe, verstärkt Synergien zu heben zwischen den Logistik- und Speditionsaktivitäten der Schenker-Gruppe einerseits und dem Schienengüterverkehr der Bahntochter Railion. Gerade da gab es in der Vergangenheit erhebliche Probleme, weil Spediteure und Eisenbahner völlig unterschiedlich denken und handeln.

Der Kompromiss sieht nun fünf Säulen vor. Unter der Marke Schenker firmieren die Geschäftsfelder Land-Transport, Luft- und Seefracht und die so genannte Kontraktlogistik mit ihren weit über das Speditionsgeschäft hinausgehenden Dienstleistungen. Daneben stehen der Schienengüterverkehr der Railion-Gruppe und das Geschäftsfeld Intermodal für den Kombinierten Verkehr mit Containern und LKW-Einheiten auf der Schiene.

Damit das Nebeneinander ein produktives Miteinander wird, müssen die Geschäftsfelder-Chefs regelmäßig im „Division Board“ unter Führung von Konzernvorstand Norbert Bensel tagen. Der Club der Bosse ist dem Erfolg verpflichtet. Er muss Anstöße für die Synergien geben, die DB Logistics bisher nicht gehoben hat. Kenner des Unternehmens sehen das in der derzeitigen Personalkonstellation optimistisch: Die Führungskräfte sind in die neue Situation hineingewachsen. Wie es wird, wenn die handelnden Personen wechseln, steht auf einem anderen Blatt.

Für Railion bedeutet der Neubeginn ein Zurückrudern. Nach dem Stinnes-Deal war der alten DB Cargo der Vertrieb genommen worden, wohl in der irrigen Absicht, bei Stinnes säßen die besseren Verkäufer. Nun rücken Produktion und Vertrieb wieder näher zusammen, was in den spezifischen und zunehmend von Wettbewerb geprägten Bahn-Märkten kein Nachteil sein kann. Jedenfalls, wenn die Güterbahner begreifen, dass sie nicht Züge fahren, sondern Märkte bedienen.

Gut gewählt ist der Zeitpunkt des Neubeginns. Alle Sparten von DB Logistics profitieren von der brummenden Konjunktur, sogar für die zuletzt kriselnde Railion hat Vorstand Bensel schon ein dreistelliges Millionenergebnis angekündigt. Und zehn Prozent Verkehrswachstum: Da stellt sich die Frage, wie lange das Schienennetz Nachfragesteigerungen noch verkraften kann. Engpässe drohen nicht nur in den Knotenpunkten. Die Bahn-Infrastruktur muss von Grund auf erneuert werden – Staus werden während der Bauzeit das Geschäft von Railion und ihren Wettbewerbern massiv beeinträchtigen.

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