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08.01.2008

11:04 Uhr

Inside: Deutsche Bahn

Rekordfahrt – wohin?

VonEberhard Krummheuer

Eigentlich läuft es für die Bahn wirtschaftlich absolut rund. Doch auch wenn ein weiteres Rekordjahr ansteht, die weiterhin drohenden Streiks der Lokführer liegen wie ein dunkler Schatten über den guten Ergebnissen des Unternehmens, denn hier geht es um einen lebenswichtigen Faktor: die Konkurrenzfähigkeit.

DÜSSELDORF. Die ICEs sind meist gut besetzt, die Güterzüge werden immer länger - in seinem Kerngeschäft, dem Schienenverkehr, könnte sich Bahn-Chef Hartmut Mehdorn entspannt zurücklehnen. Nicht zuletzt dank der kraftvollen Konjunkturlokomotive, in der kein streikwilliger GDL-Lokführer m Hebel sitzt, kann die Deutsche Bahn das Jahr 2007 aller Voraussicht nach mit noch besseren Ergebnissen abschließen als das Rekordjahr 2006.

Dies ist um so bemerkenswerter, als die Lokführerstreiks schon Spuren in den Kassen der Bahn hinterlassen haben. Vor allem der Fernverkehr hat Millionen weniger verdient als veranschlagt. Denn die Ungewissheit, ob die Züge fahren, hat viele Bahnkunden verprellt.

Die andauernde Tarifauseinandersetzung mit der Gewerkschaft der Lokführer hängt denn auch wie ein Damokles-Schwert über dem Bahn-Konzern. Selbst wenn Streiks und damit Einnahmeausfälle derzeit wieder etwas weniger wahrscheinlich sind, ist heute schon klar: Aus dem Konflikt kommt die Bahn nur, wenn sie den Lokführern einen kräftigen Schluck aus der Pulle gönnt. Und wenn sie das unterschreibt, weiß sie auch, dass sie allen anderen Eisenbahnern adäquate Einkommensverbesserungen bieten muss. Es gehört nicht viel Prophetie zu der Einschätzung, dass die Bahn in den Tarifrunden des Jahres 2008 der Vorreiter für die allseits von den Gewerkschaften und Politik geforderten kräftigen Lohnerhöhungen sein wird.

Das Geld, das sie da ausgibt, muss sie erst verdienen. Nicht nur das. Im Wettbewerb, ob im Regional- oder im Güterverkehr, wird der Konzern wegen der hohen Personalkosten ein gerade mühsam erworbenes Stück Konkurrenzfähigkeit verlieren. Beide Geschäftsbereiche sind hart umkämpft. Auch von Konkurrenten bei denen die Lokführer-Gewerkschaft nur schmale Lohnforderungen durchsetzte.

Hinzu kommt: Im Nahverkehr, der dank staatlicher Regionalisierungsmittel den meisten Umsatz auf der Schiene bringt, bestellen die öffentlichen Auftraggeber immer häufiger bei anderen Bahnen. Und manche Verkehrsleistung, die in der Vergangenheit ohne Ausschreibung im Bahnkonzern bestellt wurde, steht auf dem juristischen Prüfstand der Europa-Richter.

Völlig offen ist die im Herbst vertagte politische Entscheidung zur Teil-Privatisierung der Bahn AG. Nach den Landtagswahlen des Frühjahres könnte es weiter gehen. Ob im Sinne des Bahnchefs, der Freiheit von der Politik anstrebt und Investoren für den Konzern-Ausbau gewinnen will, ist offen.

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