Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2008

11:17 Uhr

Inside: Haniel

Schuldenberg schreckt

VonChristoph Schlautmann

Was geschieht, wenn eine altehrwürdige Familiendynastie anfängt, Heuschrecke zu spielen? Die Antwort darauf lernt momentan der Vorstand des Duisburger Konzerns Haniel kennen: Sie kollidiert gewaltig mit den ehernen Unternehmensgrundsätzen.

Die Aufnahme zeigt die Haniel-Hauptverwaltung in Duisburg. Foto: PR

Die Aufnahme zeigt die Haniel-Hauptverwaltung in Duisburg. Foto: PR

DÜSSELDORF. Rechnet man die Geschäftszahlen der verschwiegenen Rheinländer nach, scheint die seit 250 Jahren gepflegte konservative Unternehmensführung seit kurzem perdu. Der teure Einstieg beim Dax-Konzern Metro hat die Finanzrelationen in der Duisburger Zentrale gründlich durcheinander gebracht.

Beim Jahresabschluss Ende Mai 2006 war dort die Welt noch in Ordnung. Die Beteiligungen am Büromöbelgroßhändler Takkt, am Baustoffkonzern Xella, am Pharmagroßhändler Celesio, an der Metro und einigen anderen summierten sich auf geschätzte 8,5 Milliarden Euro, die Nettoverschuldung der Haniel-Holding hielt sich mit 1,1 Milliarden Euro im überschaubaren Rahmen.

Rating-Analysten von Standard & Poor?s lobten die niedrige Verschuldungsquote von zwölf Prozent und zeichneten die Bonität mit dem Prädikat "A-" aus. Entsprechend günstig besorgten sich die Duisburger ihr Geld auf dem Kapitalmarkt: Kredite gab es mitunter sogar für 3,9 Prozent Jahreszins.

Damit dürfte es nun vorbei sein. Zu den 1,1 Milliarden Euro Nettoschulden addieren sich seit August vorigen Jahres 3,5 Milliarden Euro für die Aufstockung der Metro-Beteiligung hinzu. Der Wert des Portfolios hielt aber nicht Schritt, allein schon, weil der Metro-Kurs deutlich absackte. Das damals erworbene 15,64-Prozent-Paket war gestern an der Börse nur noch 2,7 Milliarden Euro wert. Lässt man kleinere Portfolio-Bereinigungen von Haniel seit Mitte 2006 außen vor, dürfte sich die Verschuldungsquote auf rund 40 Prozent erhöht haben.

Dass Haniel immer noch eine komfortable Eigenkapitalquote von schätzungsweise gut 30 Prozent besitzt, wird die Ratingagenturen kaum von einer Neubewertung abbringen. Schon Mitte 2006 warnte Standard & Poor?s: Sollte die Verschuldungsquote die Marke von 20 Prozent mehr als nur kurzfristig überschreiten, müsse man über eine Revision nachdenken.

Schon jetzt operiert Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes außerhalb der hauseigenen Statuten. Die nämlich sehen eine maximale Verschuldungsquote von 25 Prozent vor. So verwundert es nicht, dass man die soeben auf höhere Rendite getrimmte Baustoff-Tochter Xella Anfang Dezember öffentlich zum Verkauf stellte und nun in Zeitungsinterviews anbietet wie sauer Bier.

Drei Milliarden Euro sei die Firma wert, soufflieren die Verkäufer - nahezu so viel, wie man im August für Metro ausgab. Ein Käufer müsste damit ungefähr das 20-Fache des Vorsteuergewinns im Jahr 2007 zahlen, üblich in der Branche ist nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg derzeit aber gerade einmal das Elffache des Gewinns. Xella-Chef Jan Buck-Emden wird also weiterhin kräftig die PR-Trommel rühren müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×