Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2007

14:58 Uhr

Inside: HHLA

Die begehrte Braut

VonGregory Lipinski

Nachdem der Hamburger Senat beschlossen hat, einen Minderheitsanteil der Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) zu veräußern, ist das Interesse an einem Stück des Marktführers entsprechend groß. Bevorzugter Partner ist die Deutsche Bahn, aber die Konkurrenz schläft nicht.

HAMBURG. Textilien aus China, Spielzeug aus Taiwan - jedes Jahr werden an den Kaimauern im Hamburger Hafen rund neun Millionen Container umgeschlagen. Daran besitzt die Hamburger Hafen- und Logistik AG - kurz HHLA - den Löwenanteil mit rund sechs Millionen.

Um den Marktführer HHLA ist nun ein scharfer Bieterkampf entbrannt, da der Hamburger Senat demnächst einen Minderheitsanteil verkaufen will. Zu den Interessenten gehören diverse strategische Investoren wie die Deutsche Bahn, der Bauriese Hochtief sowie Dubai Ports World. Aber auch Finanzinvestoren stehen Schlange - 3i, Cerberus sowie der Münchener Versicherungskonzern Allianz.

Das Interesse an der traditionsreichen Hamburger Gesellschaft ist groß: Bei einem Umsatz von knapp einer Milliarde Euro erzielte das Unternehmen bereits 2005 eine Rendite von mehr als zehn Prozent - mit guten Aussichten. So erwartet das Hamburger Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI, dass sich der Umschlag für den Hamburger Hafen bis zum Jahr 2030 auf rund 60 Mill. Container versechsfacht. Hamburg würde damit nach Rotterdam zum zweitgrößten Hafen in Europa aufsteigen, gefolgt von Antwerpen.

Angesichts dieser glänzenden Wachstumsprognosen kann die Stadt beim Verkauf ihres HHLA-Paketes einen schönen Batzen Geld erwarten - ein bis zwei Milliarden Euro. Fraglich ist hingegen, wer das Rennen macht. Denn dem Senat geht es nicht nur darum, möglichst viel Geld in die Stadtkasse zu pumpen. Er zielt auch darauf, dass die Firma am Standort erhalten bleibt

.

Wunschpartner des Senats ist deshalb die Deutsche Bahn. Denn die Stadt hofft, dass das bundeseigene Schienenunternehmen der HHLA am wenigsten ins Geschäft reinredet. Im schlimmsten Fall könnte sie zumindest über politische Kanäle sanft Gegendruck ausüben. Zudem birgt die Bahn einen weiteren Vorteil: Sie kann der HHLA helfen, die Hinterlandverkehre besser zu organisieren. Damit würde der Warenstrom vom Wasser auf die Schiene reibungsloser funktionieren, der Betrieb stärker florieren. Einziger Wermutstropfen: Der Einstieg der Bahn ist bei der Hamburger Opposition und der Belegschaft umstritten. Zu dilettantisch hat die Stadt im vergangenen Jahr Bahn-Chef Hartmut Mehdorn für eine Beteiligung umschmeichelt.

Gute Chancen haben auch Hochtief sowie diverse Finanzinvestoren. Vor allem dem Baukonzern werden gute Karten eingeräumt, weil er in den vergangenen Jahren als Minderheitsgesellschafter den Ausbau des Flughafen Hamburg begleitete. Auch Finanzinvestoren könnten zum Zuge kommen. Denn Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zeigt sich den "Heuschrecken" inzwischen zusehends aufgeschlossener, nachdem der Einstieg des US-Investors Flowers bei der stadteigenen HSH Nordbank geglückt ist.

Bleibt der Interessent Dubai Ports World. Für den drittgrößte Hafenbetreiber der Welt wäre der Einstieg bei der HHLA ein willkommener Schritt, um im europäischen Hafengeschäft Fuß fassen.

Ein Verkauf könnte dennoch in letzter Minute platzen. Denn die gewerkschaftlich gut organisierten Mitarbeiter lehnen jede Privatisierung ab. So erweist sich am Ende womöglich nur ein Börsengang als Königsweg. Mit der Ausgabe stimmrechtsloser Vorzugsaktien bekäme die Stadt genügend Geld, muss sich dafür lediglich mit mitunter nervenden Aktionären rumschlagen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×