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01.02.2008

17:12 Uhr

Inside: Iberia

Neuer Tatendrang

VonAnne Grüttner

Die Konsolidierung der europäischen Luftfahrmärkte kommt nicht nur in Deutschland, sondern auch in Spanien in Fahrt. Hauptnutznießer und teilweise auch Strippenzieher der Vorgänge in Spanien ist, wie sollte es anders sein, Iberia.

MADRID. Vor einem Jahr noch war die Airline praktisch handlungsunfähig. Doch nach dem Einstieg der spanischen Großsparkasse Caja Madrid verspürt Iberia nun wieder Tatendrang, seine gut gefüllte Kriegskasse zum Einsatz zu bringen und sich mit Blick auf künftige Verkaufsverhandlungen in eine bessere Position zu bringen.

Die Flugstrecken in dem zweitgrößten Tourismusmarkt weltweit sind heiß umkämpft, und nicht wenige der Beteiligten sehnen eine Konsolidierung herbei. Da gibt es zunächst einmal Spanair, nach Iberia die zweitgrößte Fluggesellschaft in Spanien. Spanair wurde in den 80er Jahren von Gonzalo Pascual und Gerardo Diaz gegründet, die heute mit ihrer Langstreckenfluglinie Air Comet Iberias größten Konkurrenten auf den Lateinamerikastrecken darstellen. Spanairs aktueller Besitzer, die skandinavische SAS, sucht händeringend einen Käufer für die defizitäre Tochter.

Zuletzt hatte es als fast sicher gegolten, dass die Gründer Spanair zurückkaufen würden. Doch Iberia-Chef Fernando Conte hat viele gute Gründe, das zu verhindern, denn für ihn gilt es, die beiden Haupteinnahmequellen der Fluggesellschaft zu stärken: die Langstreckenflüge nach Lateinamerika und die führende Stellung auf der lukrativsten spanischen Strecke Madrid-Barcelona. Dafür muss Iberia ein möglichst großes und effizientes Zubringernetz für den Flughafen Madrid Barajas schaffen und zudem versuchen, inländische Konkurrenten aus dem Weg räumen.

Aufhorchen lässt, dass Conte zu Berichten, Iberia wolle Spanair übernehmen, schweigt. Denn mit einem Kauf würde Iberia seinen Anteil am spanischen Inlandsflugmarkt mit einem Schlag auf 70 Prozent katapultieren und außerdem dafür sorgen, dass Spanair als Zubringer für Iberias Langstreckenflüge fungiert, und eben nicht für den Konkurrenten Air Comet.

Bei den verlustreichen spanischen Billigfliegern Vueling und Clickair stehen die Zeichen ebenfalls auf Fusion. Diese Woche bestätigte die Familie Lara, mit 27 Prozent der Anteile der Kontrollaktionär bei Vueling, dass Verhandlungen mit den Investoren von Clickair stattfinden. Iberia kontrolliert bereits 20 Prozent an Clickair und hat angeblich schon Angebote von den Clickair -Großaktionären erhalten, diesen Anteil zu vergrößern.

Es sieht so aus, als sei das Glück Iberia gerade hold. Großaktionär Caja Madrid, der "stabile Allianzen" für die Fluglinie sucht, dürfte über die jüngsten Entwicklungen ebenfalls erfreut sein. Denn die nun klare Strategie erleichtert es, Kaufinteressenten und Kooperationspartner für Iberia zu finden.

Gleiches gilt für die Börsenbewertung. Iberias Aktie notiert derzeit bei 2,30 Euro und damit ein Drittel unter dem Niveau, das die Deutsche Lufthansa im letzten Jahr noch als zu teuer empfand und von einem Einstieg abgehalten hatte.

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