Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2007

16:05 Uhr

Inside: Metro

Teure Heimat

VonChristoph Schlautmann

Beim Glas Wein vor Heiligabend bemühte sich Hans-Joachim Körber um Gelassenheit. Das Weihnachtsgeschäft laufe „normal“, erzählte Metros Vorstandsvorsitzender, um sich anschließend rasch wieder anderen Dingen zu widmen.

DÜSSELDORF. Was der Chef von Deutschlands größtem Einzelhandelskonzern damit erfolgreich überspielte: Hinter der lapidaren Wasserstandsmeldung dürfte sich eine Verlustwarnung für die angeschlagene SB-Warenhaustochter Real verbergen. Die nämlich wollte Körber, so hatte er es den Aktionären versprochen, schon 2006 wieder in die schwarzen Zahlen bringen. Nach einem Skandal um falsch etikettiertes Hackfleisch und einer misslungenen Werbekampagne waren die Märkte im vergangenen Jahr in die Verlustzone gerutscht. Nacheinander mussten zwei Real-Chefs ihr Büro räumen. Seit Juli soll es der ehemalige Telekom-Manager Andreas Riedel richten.

Nun aber deutet sich an, dass Körber die erhoffte Wende missglückt sein könnte. Schon nach den ersten neun Monaten 2006 präsentierte Real beim Betriebsergebnis ein doppelt so großes Minus wie im Vorjahreszeitraum. Die Rückkehr in die schwarzen Zahlen sei nur noch zu erreichen, deutete Metro-Chef Körber Ende Oktober an, „wenn das Weihnachtsgeschäft gut läuft“. Doch „gut“, das hat die Branche in den vergangenen Jahren bitter lernen müssen, ist in Deutschlands Einzelhandel alles andere als „normal“. Dabei könnte Körber eine Erfolgsmeldung vom Heimatmarkt dringend gebrauchen. Während der Dax-Konzern jenseits der Grenze von einem Rekordergebnis zum anderen eilt, entwickeln sich die Düsseldorfer in Deutschland zum „Underperformer“. Für den Konzern wächst damit die Belastung, schließlich erwirtschaften seine Filialketten zwischen Flensburg und Friedrichshafen 43 Prozent des gesamten Umsatzes.

Doch reibungslos läuft hier zu Lande keine der vier Vertriebslinien. Seit Jahren befindet sich das Geschäft der Warenhaustochter Galeria Kaufhof im Rückwärtsgang. Auch wenn das Betriebsergebnis 2006 – anders als bei Karstadt – positiv blieb: Seine Kapitalkosten verdient das Kölner Unternehmen schon lange nicht mehr. Und selbst die beiden Hauptverdiener des Konzerns, die Cash-&- Carry-Märkte sowie der Elektronikfachhändler Media-Markt/Saturn, verlieren in Deutschland immer mehr von ihrem Glanz.

So konnten Metros Großhandelsmärkte auch in den ersten neun Monaten 2006 den Umsatzschwund nicht stoppen, der bereits im Jahr zuvor eingesetzt hatte. Dabei hatten Analysten wegen der Fußball-WM mit einer deutlichen Belebung des Geschäfts gerechnet. Metros Hauptkundschaft aus der Gastronomie aber wanderte offenbar verstärkt ab zur Konkurrenz. Zudem zeigt sich: Selbst massive Werbebudgets können derzeit nicht verhindern, dass das Deutschlandgeschäft von Media-Markt/Saturn mit der Marktentwicklung kaum noch Schritt hält. Nur 1,9 Prozent legte das es bis September zu, auf vergleichbarer Fläche verloren die Märkte sogar drei Prozent. Dabei ist die Branche in diesem Jahr um drei Prozent gewachsen, heißt es beim Herstellerverband GFU.

Die exzellente Expansion ins Ausland, so scheint es, raubt der Metro zunehmend Managementkapazitäten im Inland. Ein schwacher Trost: Hätte Körber die Prioritäten anders gesetzt, wäre der Konzern heute womöglich ein ähnlicher Sanierungsfall wie Karstadt-Quelle.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×