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24.01.2007

15:02 Uhr

Inside: Royal Mail

Zwischen Markt und Staat

VonDirk Heilmann

Das zweite Jahr des freien Wettbewerbs auf dem britischen Postmarkt hätte für die Royal Mail Group kaum schlechter starten können. Erst erteilte das Arbeits- und Rentenministerium dem privaten Konkurrenten UK Mail einen Großauftrag, dann wechselte die einstige Schwesterfirma BT zu TNT Post. Die Vormachtstellung des einstigen Monopolisten bröckelt und die Moral der Belegschaft leidet.

LONDON. Gleichzeitig wartet Royal Mail ungeduldig auf eine Entscheidung der Regierung über ihre künftige finanzielle Ausstattung. Nur um das Defizit in der Pensionskasse auszugleichen, sind in den nächsten 17 Jahren jährlich mehr als 700 Millionen Pfund (1,1 Milliarden Euro) fällig.

Der Staat nämlich ist im sonst so privatisierungsfreudigen Großbritannien Alleineigentümer der königlichen Post und soll das laut Regierungsprogramm der Labour-Partei auch bleiben. Royal-Mail-Chairman Allan Leighton wollte mit der Regierung ein Paket aushandeln, das ein Investitionsprogramm mit einer Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen verbindet. 20 Prozent der Aktien möchte er an die Beschäftigten auszugeben. Doch die Idee hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Die Post-Gewerkschaft CWU wittert den Einstieg in die Privatisierung und hat 199 Labour-Abgeordnete dagegen mobilisiert. Doch Leighton hält einen Anreiz für nötig, um die Mitarbeiter für den Kampf gegen die erstarkende Konkurrenz von bereits rund 20 Unternehmen zu motivieren. Nun verhandelt er über Alternativen.

Wenn Royal Mail bis zu zwei Milliarden Pfund in neue Technik steckt, wird das die Kosten senken, aber erneut Zehntausende der 193 000 Arbeitsplätze kosten. Unter Nutzung der Fluktuation hat der Konzern bereits 35 000 Stellen abgebaut. Mit der Modernisierung und Konzentration seiner Verteilzentren würde er nachholen, was etwa die Deutsche Post längst getan hat. So könnte er die Verluste aus der Privatbrief-Beförderung senken. Das wäre nötig, weil die Geschäftspost immer weniger Gewinne zur Quersubventionierung abliefert.

Denn im Geschäftsjahr 2005/06 beförderte die private Konkurrenz bereits 1,2 der insgesamt gut 20 Milliarden in Großbritannien versandten Briefe – im neuen Geschäftsjahr sollen es schon 2,5 Milliarden sein. Die Konkurrenten sammeln die Briefe in aller Regel beim Kunden ein und liefern sie bei Verteilzentren von Royal Mail ab. Noch will kein Rivale ein flächendeckendes Verteilnetz aufbauen.

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