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23.01.2008

08:19 Uhr

Inside: TNT Post

Kreativität ist gefragt

VonAxel Granzow

Was die Politik vor Weihnachten noch rasch mit heißer Nadel gestrickt hat, muss sich nun in der Praxis beweisen: der Mindestlohn in der Briefbranche. Bislang kann nur die Deutsche Post zufrieden sein. Die mit Niedriglöhnen operierenden Kokurrenten müssen ihre Löhne anheben - und kämpfen ums Überleben.

DÜSSELDORF. Nach Wegfall des Briefmonopols wird der gelbe Riese nun durch den gesetzlich festgelegten Mindestlohn vor neuen Wettbewerbern geschützt. Denn alle mit Niedriglöhnen angreifenden Konkurrenten müssen ihre Löhne anheben. Folge: Die großen Wettbewerber, Pin Group und TNT Post, kämpfen ums Überleben.

TNT Post-Chef Mario Frusch setzt dabei auf Total-Verweigerung: Er zahlt seinen Zustellern den Mindestlohn nicht. Seine Begründung: TNT Post gehöre zu den sogenannten Mehrwertdienstleistern, für die es einen separaten Tarifvertrag gibt. TNT Post zahlt Stundenlöhne von 6,50 Euro im Osten bis 7,50 Euro im Westen. Dagegen sieht der von der Gewerkschaft Verdi mit einem - von der Post dominierten - Arbeitgeberverband abgeschlossene Tarifvertrag Löhne zwischen acht und 9,80 Euro vor. Er wurde vom Bundesrat kurz vor dem Jahreswechsel für allgemein verbindlich erklärt. TNT geht inzwischen juristisch dagegen vor.

Ob TNT Post mit dieser "Umetikettierung" aber vor Gericht Erfolg haben wird, darf wohl eher bezweifelt werden. Denn der Tarifvertrag wurde mit der neu gegründeten, unternehmerfreundlichen "Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste" vereinbart, deren Tariffähigkeit angezweifelt wird. Verdi jedenfalls läuft Sturm dagegen. Die eigentliche Arbeit habe sich durch die neue Bezeichnung nicht geändert.

Die Gewerkschaft Union Network International (UNI) droht TNT sogar weltweit mit einem Boykottaufruf. Pikanterweise wird sie angeführt von Ex-Verdi-Vorstand und Ex-Deutsche Post-Aufsichtsrat Rolf Büttner.

Dabei sollte man aber die Kirche im Dorf lassen: So sieht die Bundesnetzagentur trotz des Mindestlohns "weiterhin Chancen für den Wettbewerb durch kreative Lösungen". Ausgerechnet Behördenpräsident Matthias Kurth weist darauf hin, dass der Mindestlohn umgangen werden kann. Denn er gilt "ausdrücklich nur für solche Firmen, deren Mitarbeiter zu mehr als 50 Prozent Briefe befördern". Taxifahrer und Zeitungsausträger, die nebenher Briefe zustellen, fallen nicht darunter. Auch in den Ballungsräumen ist der Mindestlohn wohl keine Gefahr für die Wettbewerber der gelben Post. Dort wird oft bereits heute mehr als der Mindestlohn bezahlt.

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