Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2012

07:24 Uhr

„Insolvent. Na und?“

Neckermann beweist Galgenhumor

Der insolvente Versandhändler Neckermann will sich trotz Pleite nicht ins Bockshorn jagen lassen. Mit Gagenhumor versucht der Konzern, den Verkauf im Internet trotz aller Hiobsbotschaften anzukurbeln.

Neckermann.de nimmt's mit Humor. dapd

Neckermann.de nimmt's mit Humor.

Frankfurt, DüsseldorfMit Galgenhumor versucht der insolvente Versandhändler Neckermann, den Verkauf trotz aller Hiobsbotschaften anzukurbeln. „Insolvent. Na und?“, fragt die Versandhauskette auf ihrer Homepage. „Sie wollen ja kein Geld bei uns bestellen, sondern Ware“, schreibt sie. Und: „Sie haben momentan kein Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt.“

Ratschläge für Kunden von Neckermann

Was wird aus bestellter Ware?

Neckermann gab Mitte Juli bekannt, den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu wollen - obwohl der Eigentümer dem Unternehmen weitere Zuschüsse für die Sanierung verweigert. Grundsätzlich gilt deswegen nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS): Wer bestellt hat, muss auch beliefert werden. Bei endgültiger Eröffnung einer Insolvenz sollten aber Ansprüche aus Anzahlungen oder etwa Gutscheinen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden.

Was passiert mit Vorauszahlungen und bei vereinbarten Ratenzahlungen?

Laut VZS gehen An- und Vorauszahlungen bei einer Insolvenz im schlimmsten Fall in die Konkursmasse über. Der Insolvenzverwalter kann aber entscheiden, ob solche teilweise erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Lehnt der Insolvenzverwalter dies jedoch ab, besteht für Verbraucher nur die Hoffnung, aus der Konkursmasse befriedigt zu werden. Verbraucher sind jedoch nachrangige Gläubiger. Die Chancen sind deswegen allgemein schlecht. Verbraucher, die Waren auf Raten gekauft haben, müssen weiter zahlen. Auch auf Rechnung erworbene Ware muss bei Erhalt gezahlt werden.

Welche Gewährleistung gilt für bestellte Produkte?

Grundsätzlich sind Verbraucher beim Kauf eines Produkts für zwei Jahre durch die gesetzliche Gewährleistung gegen Sachmängel geschützt. Dieser Anspruch gilt gegenüber dem Händler - also Neckermann - trotz Insolvenz. Die Pflicht erlischt laut VZS erst, wenn die Firma endgültig ihren Geschäftsbetrieb aufgibt. Gegebenenfalls kann auch während einer Insolvenz damit gerechnet werden, dass Fehler an Produkten behoben werden. Allerdings ist die Lage bei Insolvenzen von Firmen häufig unübersichtlich. Auch mit Gewährleistungsansprüchen stehen Kunden bei einer endgültigen Insolvenz ganz am Ende der Schlange der Gläubiger.

Besteht neben der Gewährleistung auch weiter Garantie?

Ja. Denn hier handelt es sich um einen Haftungsanspruch, den der Verbraucher gegenüber dem Hersteller eines Produkts hat - also nicht gegenüber dem Händler Neckermann. Hersteller geben Garantien für ihre Waren teils für viele Jahre über die gesetzliche Gewährleistung hinaus ab. Dadurch wollen sie das Vertrauen der Kunden in ihre Produkte stärken. Dieses Versprechen bleibt von der Insolvenz Neckermanns und seiner ungewissen Zukunft unberührt.

Die Neckermann.de GmbH hatte am vor einer Woche Insolvenzantrag gestellt, nachdem der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, den Geldhahn zugedreht hatte. In Deutschland stehen nach letzten Angaben des Unternehmens etwa 2.250 Jobs an den Standorten Frankfurt und Heideloh in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.

Erst vor einer Woche gab es Probleme mit den Paket-Auslieferungen, nachdem die Deutsche-Post-Tochter DHL die Aussendungen eingestellt hatte, weil der Bonner Konzern fürchtete, wegen der Pleite seines Kunden auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Was ist los im Handel?: Für Tradition kann man sich nichts kaufen

Was ist los im Handel?

Für Tradition kann man sich nichts kaufen

Immer mehr Pleiten traditioneller Handelskonzerne erschüttern unser Land. Ikonen der Wirtschaftswunderzeit zerbröseln - dabei geht es der Branche insgesamt gar nicht so schlecht. Wer hat Schuld an der Misere?

Durch den Lieferstopp wurde die Lage des einstigen Traditionsversenders zeitweise noch dramatischer. Beinahe 30.000 Pakete verlassen normalerweise täglich das Gelände von Neckermann. Immer wieder versicherte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege Verkauf, Versand und Service würden weiter laufen. Frege: „Die Kunden können bei neckermann.de weiter einkaufen“.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×