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06.02.2012

07:07 Uhr

Insolvente Drogeriekette

Anton Schlecker kehrt nicht zurück

VonKirsten Ludowig

Die Rettung ist noch nicht in Sicht, aber für Anton Schlecker steht offenbar schon fest: Bei einer erfolgreichen Sanierung der Drogeriekette kehrt er nicht zurück. Laut Medienberichten würden seine Kinder übernehmen.

Anton Schlecker kehrt nicht ins Unternehmen zurück. dpa

Anton Schlecker kehrt nicht ins Unternehmen zurück.

DüsseldorfSollte die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker erfolgreich saniert werden, will Anton Schlecker - Gründer und bislang alleiniger Inhaber des Unternehmens - das Geschäft vollständig an seine beiden Kinder Meike und Lars Schlecker abtreten. Das berichtete der "Focus" gestern unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Eine weitere operative Aufgabe im Unternehmen strebe der 67-Jährige nicht an. Anton Schlecker hat die Drogeriekette, die als Schlecker e.K. firmiert, als Einzelkaufmann geführt. Die Konsequenz aus der Schlecker-Pleite ist seine Privatinsolvenz. Das letzte Wort bei Schlecker hat nun der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

Meike Schlecker (38) und ihr zwei Jahre älterer Bruder Lars sind schon länger Mitglieder in der Geschäftsführung der Drogeriemarktkette. Allerdings galt ihr Vater bis vor zwei Wochen, als Schlecker beim Amtsgericht Ulm Insolvenz beantragt hatte, noch immer als starker Mann in der Zentrale. Daneben gibt es noch zwei externe Manager: den für das operative Geschäft verantwortlichen Thorben Rusch und Finanzchef Sami Sagur.

Schleckers Aufstieg und Fall

Drogerieriese und Familiengeschichte

Deutschlands gemessen an der Zahl der Filialen größte Drogeriekette ist untrennbar mit der Familie Schlecker verbunden. In rund 36 Jahren wuchs aus den Anfängen in Baden-Württemberg ein europaweit agierender Handelsriese.Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:

1944

Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren

1965

Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.

1974

Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.

1975

Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.

1977

Der 100. Discounter mit dem Namen Schlecker eröffnet.

1984

Im Jahr 1984 öffnet Filiale Nummer 1000 die Türen.

1987

Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von „Superdrug“ - Frankreich

Dezember 1987

Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück

1990er

Nach dem Fall der Mauer expandiert Schlecker auch relativ schnell in die neuen Bundesländer.

1994

Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den „Drogeriekönig“. Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.

2007

Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette "Ihr Platz"

1998

Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.

2008

Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz

2010

Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer „Lex Schlecker“ gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.

November 2010

Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium

2011

Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan „For You. Vor Ort.“; Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin „Forbes“ führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)

2012

Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen.

Bei der ersten Schlecker-Pressekonferenz seit zwei Jahrzehnten war Meike Schlecker allein vor die Kameras getreten - ihr Bruder informierte zeitgleich die Belegschaft. Das Signal war klar: Die Kinder sollen den langjährigen Branchenprimus mit Hilfe eines Insolvenzplans sanieren, nicht der Vater. Das von Schlecker angestrebte Verfahren in Eigenverwaltung muss das Gericht aber noch genehmigen. Allerdings steht der vorläufige Insolvenzverwalter Geiwitz "der Familienlösung offen und positiv gegenüber".

Nach einer Einigung mit den wichtigsten Gläubigern wie Henkel, Beiersdorf und Unilever hat Schlecker den Betrieb wieder aufgenommen. Im Rahmen der Sanierung sollen von den 6000 Filialen einige Hundert unprofitable geschlossen werden. Um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen, steht auch das Auslandsgeschäft zur Disposition. Zudem gibt es erste Gespräche mit potenziellen Investoren.

Kommentare (1)

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06.02.2012, 11:12 Uhr

Wer sagt denn, dass die Kinder besser wirtschaften können?

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