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02.03.2012

13:56 Uhr

Insolvente Drogeriekette

Regierung prüft Auffanggesellschaft für Schlecker

Das Insolvenzgeld für die Schlecker-Beschäftigten ist auf drei Monate beschränkt und läuft in vier Wochen aus - danach wird es für etwa 33.000 Beschäftigte eng. Hoffnung machen jetzt Pläne für eine Transfergesellschaft.

Der Firmenschriftzug an der Zentrale der Drogeriekette Schlecker in Ehingen. dpa

Der Firmenschriftzug an der Zentrale der Drogeriekette Schlecker in Ehingen.

BerlinFür die etwa 12.000 von der Entlassung bedrohten Beschäftigten der Drogeriekette Schlecker soll es eine Auffanggesellschaft geben. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Gewerkschaft Verdi, die Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz seien darüber im Gespräch, teilte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin mit.

In einem der "Wirtschaftswoche" vorliegenden Bericht bietet das Bundesarbeitsministerium finanzielle Hilfen an, sollten sich Arbeitnehmervertreter und Geiwitz auf einen Sozialplan einigen, der auch die Gründung einer Auffanggesellschaft vorsieht. In dem „Bericht der Bundesregierung zur Insolvenz von Schlecker“ heißt es: „Sollte aufgrund eines Sozialplans die Gründung von Transfergesellschaften in Betracht kommen, können diese bis zu zwölf Monate mit Transferkurzarbeitergeld gefördert werden, um die Vermittlungschancen der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in eine Anschlussbeschäftigung zu erhöhen.“

Bis Ende nächster Woche solle klar sein, ob dies möglich sei. Die von der Arbeitslosigkeit bedrohten Schlecker-Beschäftigten bekämen dann ein Jahr lang Transfer-Kurzarbeitergeld. Dies ist genauso hoch wie das Arbeitslosengeld und beträgt für Arbeitnehmer mit Kindern 67 Prozent und für andere 60 Prozent des letzten Nettogehalts.

Von der Leyen hatte am Donnerstagabend nach Angaben von Beteiligten mit Verdi-Chef Frank Bsirske, Vertretern der BA und dem Insolvenzverwalter über eine Auffanggesellschaft beraten.

Transfergesellschaften sind ein klassisches Instrument, wenn große Betriebe pleitegehen oder Massenentlassungen anstehen. Sie sollen die von der Arbeitslosigkeit Bedrohten durch Qualifizierungen und andere Hilfen unterstützen, binnen eines Jahres einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Finanziert werden sie aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung.

Bei der Gründung einer Auffanggesellschaft sieht die Bundesagentur für Arbeit allerdings das Problem, dass die Schlecker-Filialen deutschlandweit verteilt sind. „Für eine Auffanggesellschaft mit einer so dezentralen Struktur gibt es bislang kein Vorbild“, heißt es in Nürnberg.

Bei der zahlungsunfähigen Drogeriemarkt-Kette steht nach Angaben des Insolvenzverwalters etwa die Hälfte der Belegschaft in Deutschland vor der Entlassung. Das wären fast 12.000 Beschäftigte. Ein Verdi-Vertreter hatte
am Donnerstag in Stuttgart die Bundesregierung aufgefordert, das Insolvenzgeld für die Beschäftigten zu verlängern. Dies ist aber gesetzlich auf drei Monate beschränkt und läuft damit Ende März aus.

Seit Anfang Januar erhalten nach Schätzungen der baden-württembergischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit etwa 33.000 Beschäftigte von Schlecker und deren Tochterfirmen Insolvenzgeld, das durch eine bundesweite Umlage aller Arbeitgeber finanziert wird. Damit werden ausgefallene Lohnzahlungen kompensiert. Für den Drei-Monats-Zeitraum summierten sich die Zahlungen auf etwa 150 Millionen Euro.

Unterdessen dürften die Kürzungen bei der ebenfalls insolventen Drogeriekette Ihr Platz deutlich geringer ausfallen als bei der Schwestermarke Schlecker. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" geht es um eine Größenordnung von rund 150 Ihr-Platz-Filialen, die im Zuge der Sanierung geschlossen werden könnten. Ihr Platz betreibt derzeit 670 Märkte in Deutschland und beschäftigt rund 5350 Mitarbeiter. Ein Sanierungskonzept wurde für die Kette bislang noch nicht vorgestellt.

Von

rtr

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