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22.09.2012

14:10 Uhr

Insolvente Drogeriekette

„Schlecker“-Kinder scheitern mit 160-Millionen-Forderung

Nicht nur viele Schlecker-Gläubiger, auch die Kinder des Konzerngründers könnten nach der Insolvenz tatsächlich leer ausgehen. Der Insolvenzverwalter hat Millionen-Forderungen von Lars und Meike Schlecker zurückgewiesen.

Lars und Meike Schlecker könnten leer ausgehen. dpa

Lars und Meike Schlecker könnten leer ausgehen.

Ehingen/DüsseldorfViel Geld gibt es für die Schlecker-Gläubiger nach der Pleite des einstigen Drogerieriesen nicht zu holen – auch die Kinder des Unternehmensgründers, Lars und Meike Schlecker, könnten leer ausgehen. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz habe ihre Forderungen in Höhe von mehr als 160 Millionen Euro nicht anerkannt, berichtet die „Wirtschaftswoche“ in ihrer neuen Ausgabe unter Berufung auf einen Anwalt der Familie.

Unterdessen werde weiterhin wegen möglicher Insolvenzvergehen ermittelt. Auch eine Zahlung des Schlecker-Konzerns an das private Logistikunternehmen LDG von Lars und Meike Schlecker sei Gegenstand des Verfahrens, schreibt die Zeitung. Demnach habe der Konzern drei Tage vor Anmeldung der Insolvenz sieben Millionen Euro an die LDG überwiesen. Dabei habe es sich offenbar um eine Teilrückzahlung eines Kredits gehandelt.

Die Lehren aus der Schlecker-Pleite

Der Fachmann

Roland Alter hat das erste Buch über die Schleckerpleite geschrieben. Die frühere Siemens-Führungskraft ist heute Professor für Betriebswirtschaft und erfolgreicher Autor. In seinem Buch „Schlecker oder: Geiz ist dumm“ (Rotbuch Verlag) hat er die Gründe für den Niedergang analysiert und acht Lehren daraus gezogen...

Kultur des Vertrauens

Mitarbeiter bringen auf Dauer nur Top-Leistungen, wenn die Vertrauens- und Wertekultur in einem Unternehmen stimmt. Das gilt besonders in Krisenzeiten. Anton Schlecker entsprach nicht dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Selbst das Prinzip der Wahrheit wurde bei Schlecker mit Füßen getreten.

Kritischer Input von außen

Meinungen von außen sind wie frische Luft. Doch statt eines offenes Fensters gab es bei Schlecker nur Mauern. Dabei kann ein Familienunternehmen mit einem gut besetzten Beirat viel erreichen, ohne nennenswert Geld ausgeben zu müssen oder Geheimnisverrat fürchten zu müssen.

Uhren aufhängen statt Zeit ansagen

Studien haben bewiesen: In langfristig erfolgreichen Unternehmen sind die Strukturen so, dass es nur bedingt auf Einzelpersonen ankommt. Um ein Bild zu benutzen: Lieber Uhren aufhängen als ständig die Zeit anzusagen.

Professionalität im strategischen Management

Ein Unternehmen braucht nicht eine Strategie – es braucht für jede Situation die richtige Strategie. Daran ist Schlecker brutal gescheitert. Es braucht einen Mix aus Erfahrung, Intuition und Branchenkenntnis. In dieses Know-how muss ein Unternehmen entsprechend investieren.

Entscheiden, solange entschieden werden kann

Bei Schlecker passierte vieles viel zu spät. Die Medizin wurde verabreicht, als der Patient nicht mehr zu retten war. Rechtzeitig die richtigen Entscheidung vorzubereiten klingt trivial, ist aber ein Kardinalfehler vieler kriselnden Unternehmen á la Schlecker.

Ressourcen für eine neue Strategie bereitstellen

Die beste Strategie, die wirklich zur Rettung taugen könnte, nützt nichts, wenn die Mittel fehlen, um sie umzusetzen. Gerade während einer Aufholjagd braucht es alle möglichen Ressourcen. Auch die wurden bei Schlecker nicht bereitgestellt.

Mit der Öffentlichkeit professionell kommunizieren

Image ist immer mit Vertrauen verbunden. Und Schlecker ging mit seiner Imagekrise alles andere als professionell um. Die Öffentlichkeit sollte das Handelns eines Unternehmens verstehen. Dazu gehört auch eine effektive Kommunikation mit den Medien. Das alles gab es bei Schlecker nicht.

Den richtigen Zeitpunkt zum Gehen finden

Wenn Investoren und Mitarbeiter neues Vertrauen schöpfen sollen, braucht es bisweilen auch personelle Veränderungen. Bei Schlecker war das fraglos so, doch Anton Schlecker verpasste den Abschied gleich mehrfach. Dabei sollte eine Firmenübergabe immer dann stattfinden, wen es dem Unternehmen möglichst gut geht.

Die meisten der rund 22 000 Gläubiger der Drogeriekette Schlecker werden nach Einschätzung von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wohl leer ausgehen. „Viel Geld werden sie nicht bekommen. Es ist für viele Gläubiger sicher eine Enttäuschung, aber mehr ist nicht drin“, sagte Geiwitz der „Wirtschaftswoche“. Der Insolvenzverwalter der Schlecker-Tochter IhrPlatz, Werner Schneider, ergänzte: „Bei IhrPlatz sieht es etwas besser aus, aber auch hier ist eine Aussage zur Quotenhöhe noch nicht möglich.“ Die Summe aller Gläubigerforderungen übersteigt nach früheren Angaben eine Milliarde Euro.

Geiwitz kündigte erneut an, unrechtmäßig übertragene Gelder von Firmenchef Anton Schlecker „rigoros“ zurückzufordern. „Es geht um eine Reihe von Vermögensübertragungen an Familienangehörige in den vergangenen Jahren“, sagte er. Dabei drehe es sich um Summen in Millionenhöhe. „Ich mache keine Angaben zur strafrechtlichen Relevanz, aber einige Immobilien oder die entsprechenden Gegenwerte sind eindeutig zurückzugeben.“ Zudem gebe es „strittige Dinge“, die sich für einen Vergleich eigneten. „Sofern es keine Einigung gibt, müssen sich Gerichte damit befassen.“

Wenn insolvenzrechtlich etwas zur Vermögensmasse gehört, sind wir verpflichtet, es uns zu holen, erklärte Schneider. „Wir können dem Schuldner aber nicht unters Kopfkissen gucken.“ Geiwitz stellte klar: „Ich verteidige Anton Schlecker nicht.“ Und weiter: „Er war sicher beratungsresistent. Aber wenn man frühere Vermögenswerte betrachtet, hat er das meiste Geld durch die Insolvenz verloren.“ Schlecker habe darüber hinaus sehr viel Geld in die Firma gesteckt, als es schon bergab ging. „So viel Unternehmertum muss man erst einmal zeigen.“

Einige der Schlecker-Eigenmarken würden nach der Pleite weitergeführt, sagte Geiwitz. Einen Käufer aus der Tabakbranche gebe es für die Zigaretten-Eigenmarke Commodore. Die meisten der 12 000 Schlecker-Mitarbeiter im Ausland seien bereits untergebracht. „Aber einzelne Auslandstöchter müssen wir noch verkaufen. Wir sind mit einem Investor in exklusiven Verhandlungen über das Spanien-Geschäft, und ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst eine Lösung präsentieren können.“ Für die Versandapotheke Vitalsana gebe es mehrere Interessenten. „Da bin ich ebenfalls optimistisch, dass wir in den kommenden Wochen eine Lösung haben.“

Von

dpa

Kommentare (12)

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hiddenpeak

22.09.2012, 15:20 Uhr

wen interessiert dieser kryptische Mülllllllll???

uhlurus_dorkian

22.09.2012, 15:27 Uhr

Somit melden die ach-so-geldgeilen Töchter auch H4 an. Kein symbolisches Händereichen mit Paris Hilton. Dumm, zu dumm gelaufen. Oder: den eigenen Laden neu aufbauen, bei sich selbst angestellt sein. Los gehts! Viel Spaß wünscht Dorkian aus Hawaii

Account gelöscht!

22.09.2012, 15:39 Uhr

"Geiwitz stellte klar: „Ich verteidige Anton Schlecker nicht.“ Und weiter: „Er war sicher beratungsresistent. Aber wenn man frühere Vermögenswerte betrachtet, hat er das meiste Geld durch die Insolvenz verloren.“ Schlecker habe darüber hinaus sehr viel Geld in die Firma gesteckt, als es schon bergab ging. „So viel Unternehmertum muss man erst einmal zeigen."

Also fuer mich ist diese Aussage ein Skandal. 22000 Glaeubiger werden leer ausgehen und er hat Mitleid mit Schlecker. Dies findet er als "Unternehmertum"?

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