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06.03.2012

16:52 Uhr

Insolvente Drogeriekette

Schlecker verhandelt über Sozialplan

Verdi will den Jobabbau bei Schlecker mit einem Sozialplan abfedern. Das baden-württembergische Kabinett hat allerdings noch nicht über Finanzhilfen für die Drogeriekette gesprochen.

2400 der 5400 Schleckerfilialen sollen nach Plänen des Insolvenzverwalters geschlossen werden. dapd

2400 der 5400 Schleckerfilialen sollen nach Plänen des Insolvenzverwalters geschlossen werden.

Ulm/StuttgartDie Verhandlungen über den geplanten Abbau von 11.750 Arbeitsplätzen beim insolventen Drogerieriesen Schlecker haben am Dienstag in Ulm begonnen. „Unser grundsätzliches Ziel ist es, die Zahl der abzubauenden Arbeitsplätze noch zu reduzieren“, sagte Bernhard Franke, der baden-württembergische Verdi-Fachbereichsleiter Handel.

Die Gespräche sollen an diesem Mittwoch und in der kommenden Woche fortgesetzt werden. „Neben dem Sozialplan sind wir sehr auf eine Transfergesellschaft angewiesen“, sagte Franke. Doch es gebe noch viele Fragezeichen. „Einen vergleichbaren Fall hat es ja so noch nie gegeben, dass Beschäftigte bundesweit betroffen sind“, erklärte er. Schlecker beschäftigt vor allem Frauen.

Schleckers Aufstieg und Fall

Drogerieriese und Familiengeschichte

Deutschlands gemessen an der Zahl der Filialen größte Drogeriekette ist untrennbar mit der Familie Schlecker verbunden. In rund 36 Jahren wuchs aus den Anfängen in Baden-Württemberg ein europaweit agierender Handelsriese.Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:

1944

Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren

1965

Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.

1974

Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.

1975

Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.

1977

Der 100. Discounter mit dem Namen Schlecker eröffnet.

1984

Im Jahr 1984 öffnet Filiale Nummer 1000 die Türen.

1987

Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von „Superdrug“ - Frankreich

Dezember 1987

Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück

1990er

Nach dem Fall der Mauer expandiert Schlecker auch relativ schnell in die neuen Bundesländer.

1994

Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den „Drogeriekönig“. Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.

2007

Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette "Ihr Platz"

1998

Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.

2008

Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz

2010

Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer „Lex Schlecker“ gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.

November 2010

Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium

2011

Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan „For You. Vor Ort.“; Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin „Forbes“ führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)

2012

Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen.

Franke forderte die Politik auf, die Verantwortlichkeiten für eine solche Gesellschaft zu klären. „Es wäre gut, wenn wir mehr Zeit hätten, vielleicht durch eine Sonderregelung wie ein um ein bis zwei Monate verlängertes Insolvenzgeld“, betonte er. Eigentlich müsse das Gesamtpaket über den Stellenabbau bis zum übernächsten Wochenende stehen - doch das sei kaum zu schaffen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte im Vorfeld erklärt, der Stellenabbau sowie die Schließung von etwa 2400 der derzeit noch rund 5400 Schlecker-Filialen seien für die Kette überlebensnotwendig. Ein Schlecker-Sprecher machte zunächst keine Angaben zum Stand der Gespräche. Geiwitz wurde am Dienstag von Mitarbeitern seiner Kanzlei vertreten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erklärte in Stuttgart, sein Kabinett habe noch keine konkreten Finanzhilfen für Schlecker diskutiert. „Der Ball liegt beim Bund und nicht bei uns“, erklärte Kretschmann. Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) habe sich aber an Geiwitz gewandt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Klare_Kante

06.03.2012, 18:53 Uhr

So bitter es für die Beschäftigten ist, aber es sollte keinerlei öffentliche Gelder für Schlecker geben. Hinter den Angestellten eines kleinen Mittelständlers, der sich verzockt und seinen Betrieb an die Wand fährt, läuft ja auch niemand mit der Schubkarre voll Geld hinterher. Herr Schlecker hat als Konzernlenker jämmerlich versagt, jetzt soll er doch bitte schön auch die Rechnung begleichen. Die Gewinne hat er in der Vergangenheit ja auch gerne eingesteckt.

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