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28.10.2013

17:40 Uhr

Insolventer TV-Hersteller

Loewe hat Finanzinvestor an der Angel

Rettung für Traditionskonzern Loewe: Der insolvente Fernsehgeräte-Hersteller hat offenbar einen Investor gefunden, der die Sanierung vorantreiben wird. Die Aktionäre drohen jedoch leer auszugehen.

Das Loewe-Firmenlogo am Betriebsgeländes in Kronach. Der insolvente TV-Hersteller Loewe steht kurz vor der Rettung. dpa

Das Loewe-Firmenlogo am Betriebsgeländes in Kronach. Der insolvente TV-Hersteller Loewe steht kurz vor der Rettung.

FrankfurtDer schwer angeschlagene Fernseher-Hersteller Loewe hat nach monatelanger Suche einen Käufer gefunden. Der Investor habe ein konkretes, schriftliches Angebot für den Kauf des Geschäftsbetriebs vorgelegt, teilte das Unternehmen am Montag im fränkischen Kronach mit. Der Investor wolle sich allerdings nicht an der heutigen Loewe-Aktiengesellschaft beteiligen, hieß es. Die Aktie brach ein.

„Wir haben damit den entscheidenden Meilenstein erreicht, der Loewe wieder auf einen erfolgreichen Weg führen wird“, sagte Vorstandschef Matthias Harsch zu der Ankündigung.

Diese Unternehmen haben das Schutzschirmverfahren genutzt

Ablauf

Das Unternehmen hat im Schutzschirmverfahren maximal drei Monate Zeit einen Insolvenzplan aufzustellen. Der muss dann vom Gericht und vom Sachwalter abgenickt werden.

Voraussetzungen

Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren ist, dass eine Zahlungsunfähigkeit droht oder das Unternehmen überschuldet ist. Das Unternehmen darf aber nicht bereits zahlungsunfähig sein und die angestrebte Sanierung muss aussichtsreich sein. Ein Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt oder Steuerberater muss bescheinigen, dass diese Voraussetzungen erfüllt sind.

Suhrkamp

Einer der prominentesten Unternehmen, die das Schutzschirmverfahren genutzt haben, ist der Traditionsverlag Suhrkamp. Im Mai schlüpfte er unter den Schirm, Anfang August folgte dann der Eintritt in die Insolvenz. Laut Sanierungsplan soll die Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, um den Einfluss der Gesellschafter zu reduzieren. Die Streitereien unter den Unternehmenseignern gelten als Grund für die Schieflage des Unternehmens.

Loewe

Der Fernsehgerätehersteller Loewe hat Mitte Juli Gläubigerschutz beantragt und schlüpfte unter der Schutzschirm. Nun hofft er auf die Hilfe asiatischer Investoren, um binnen der drei Monate 50 Millionen Euro aufzutreiben. Findet Loewe unter dem Schutzschirmverfahren keinen neuen Geldgeber, steht das Ende bevor.

Centrotherm

Im Juli 2012 hatte der Maschinenbauer als eines der ersten Unternehmen ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Es folgte ein Insolvenzverfahren. Anfang Juni 2013 hob das Amtsgericht Ulm das Verfahren auf, die Sanierung des Unternehmens geht weiter.

Hein Gericke

Im August 2012 beantragte Hein Gericke die Aufnahme in ein Schutzschirmverfahren. Mithilfe eines Sanierungskonzeptes wollte der Händler von Motorrad-Zubehör alle 288 Arbeitsplätze im In- und Ausland sichern.

Solarwatt

Solarwatt musste im Juni 2012 das Schutzschirmverfahren beantragen. Das Unternehmen war überschuldet. Zunächst vollzog das Unternehmen einen Schuldenschnitt und setzte das Grundkapital auf null herab. Der bereits vorher beteiligte BMW-Erbe Stefan Quandt bot schließlich ein Gesellschafterdarlehen von fünf Millionen Euro an und hält heute 90 Prozent der Anteile.

IVG Immobilien

Die Immobilienfirma hat am 20. August 2013 ein Schutzschirmverfahren begonnen. Grund: Eine Einigung über einen Forderungsverzicht mit einer Vielzahl an Gläubigern war nicht zustande gekommen.

Zum Namen des Investors oder einem Kaufpreis äußerte sich Loewe zunächst nicht. Ein Kaufvertrag sei noch nicht unterschrieben, die Prüfung des Angebots habe aber bereits begonnen. „Möglich ist zudem, dass noch weitere Interessenten konkrete Angebote vorlegen“, erklärte das Unternehmen. Loewe hatte nach hohen Verlusten ein Insolvenzverfahren beantragt und sucht seit Monaten nach einem rettenden Investor. Hunderte Mitarbeiter in Kronach bangen seit Monaten um ihre Arbeitsplätze.

An der Börse sorgte die Nachricht trotzdem für schlechte Stimmung. Da der Kaufinteressent sich nicht an der Loewe AG beteiligen will, könnten die Aktionäre letztlich leer ausgehen und ihre Anteile wertlos werden. Der Investor könnte den Geschäftsbetrieb beispielsweise in eine GmbH übertragen. Die Aktie brach zeitweise um mehr als 40 Prozent auf 2,05 Euro ein. Wegen der Probleme des Unternehmens hatte sie bereits in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren.

Loewe ist auf Premium-Geräte im Bereich TV und Audio spezialisiert und leidet enorm unter dem Preiskampf in der Branche und der harten Konkurrenz aus Asien. Der Umsatz fiel binnen fünf Jahren um mehr als 100 Millionen Euro. Im vergangen Jahr schrieb Loewe einen Verlust vor Zinsen und Steuern von knapp 30 Millionen Euro. Zahlreiche Arbeitsplätze wurden bereits gestrichen. Derzeit beschäftigt Loewe noch rund 650 Menschen.

Von

dpa

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