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24.07.2012

18:08 Uhr

Insolvenz in Eigenregie

Gläubigerausschuss stimmt Plänen des Nürburgrings zu

Die Gläubiger haben einem Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung zugestimmt. Auch der Sachverwalter steht schon so gut wie fest. Die Opposition in Landtag sieht damit aber die Aufklärung der Pleite in Gefahr.

Die Bundesstraße vor dem Freizeitpark am Nürburgring. dpa

Die Bundesstraße vor dem Freizeitpark am Nürburgring.

Bad Neuenahr-AhrweilerDer Nürburgring wird ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung durchlaufen. "Der vorläufige Gläubigerausschuss hat getagt und sich einstimmig für ein Verfahren in Eigenverantwortung ausgesprochen", sagte der Direktor des Amtsgerichts Bad Neuenahr-Ahrweiler, Jürgen Powolny, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Am Mittwoch will sich der zuständige Sachwalter der Öffentlichkeit vorstellen.

Dem Gerichtsdirektor zufolge sprach sich das Gläubigergremium ebenso einstimmig dafür aus, den Koblenzer Rechtsanwalt Jens Lieser als Sachwalter einzusetzen. Der Sanierungsexperte will am Mittwochvormittag nach Nürburg kommen, um sich dort der Öffentlichkeit vorzustellen. Der vorläufige Gläubigerausschuss hatte am Dienstag in nicht-öffentlicher Sitzung getagt. In ihm sitzen Gerichtsangaben zufolge die landeseigene ISB-Bank als Hauptgläubiger der Nürburgring GmbH, Vertreter der Ortsgemeinden Nürburg und Müllenbach, die Bundesagentur für Arbeit (BA) sowie ein Vertreter der Arbeitnehmer.

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Beide Empfehlungen des Ausschusses seien auch von Gerichtsseite "im Grunde beschlossen", sagte Powolny. Sie müssten beim Amtsgericht lediglich noch zu Papier gebracht werden, um ihre Gültigkeit zu erlangen. Bei einer Insolvenz in Eigenverantwortung bleibt die bisherige Unternehmensleitung im Amt und führt die Geschäfte weiter. Anstelle eines vorläufigen Insolvenzverwalters wird ihr dabei ein Sachwalter zur Seite gestellt, der ihre Arbeit auch im Sinne der Gläubiger überwacht.

Die CDU-Fraktion im Mainzer Landtag hatte schon im Vorfeld den Weg einer Insolvenz in Eigenverantwortung kritisiert: Der Einfluss der Landesregierung auf die Nürburgring GmbH bleibe dabei "weiterhin zu groß", was eine Offenlegung aller Fakten rund um die Pleite möglicherweise behindere, erklärte Fraktionsvize Christian Baldauf. Der Regierung warf er zudem vor, das Gericht zu einer schnellen Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu drängen. Die Gläubiger würden offensichtlich dazu gedrängt, einem Insolvenzvertrag in Eigenverwaltung zuzustimmen.

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Das Finanzministerium in Mainz wies diese Vorwürfe gegen die Landesregierung zurück: "Weder drängelt sie noch übt sie Druck aus auf die Gläubigerversammlung beziehungsweise auf das Amtsgericht", teilte das Ministerium mit.

Die Nürburgring GmbH gehört zu 90 Prozent dem Land und zu zehn Prozent dem Landkreis Ahrweiler. Am Freitagabend hatte die überschuldete Gesellschaft Insolvenzantrag gestellt, weil die EU-Kommission über einen Antrag zu staatlichen Hilfsgeldern nicht vor August entscheiden will. Rheinland-Pfalz hatte in Brüssel beantragt, die Gesellschaft mit rund 13 Millionen Euro stützen zu können. Mit dem Geld hätte der Nürburgring ein weiteres halbes Jahr über die Runden kommen sollen. Weil die Entscheidung aus Brüssel aber bis auf weiteres aussteht, wäre der landeseigene Betrieb zum Monatsende pleite.

Von

afp

Kommentare (1)

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Ludwig500

24.07.2012, 18:42 Uhr

Beck klebt am Stuhl, das intransparente Gekungel geht weiter. Andererseits geht es ja nicht mal um eine ganze Milliarde, also Peanuts.

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