Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.09.2012

12:54 Uhr

Insolvenz

Schlecker hat kaum Geld übrig für Gläubiger

Viele Gläubiger der insolventen Drogeriekette Schlecker werden ihr Geld wohl nicht wiedersehen. Das kündigte Insolvenzverwalter Andreas Geiwitz an. Die Forderungen der Gläubiger sollen bei einer Milliarde Euro liegen.

Schlecker wird seinen Gläubigern kaum Geld zurückzahlen können. dpa

Schlecker wird seinen Gläubigern kaum Geld zurückzahlen können.

Ehingen/DüsseldorfDie meisten der rund 22 000 Gläubiger der Drogeriekette Schlecker werden nach Einschätzung von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wohl leer ausgehen. „Viel Geld werden sie nicht bekommen. Es ist für viele Gläubiger sicher eine Enttäuschung, aber mehr ist nicht drin“, sagte Geiwitz der „Wirtschaftswoche“. Der Insolvenzverwalter der Schlecker-Tochter IhrPlatz, Werner Schneider, ergänzte: „Bei IhrPlatz sieht es etwas besser aus, aber auch hier ist eine Aussage zur Quotenhöhe noch nicht möglich.“ Die Summe aller Gläubigerforderungen übersteigt nach früheren Angaben eine Milliarde Euro.

Geiwitz kündigte erneut an, unrechtmäßig übertragene Gelder von Firmenchef Anton Schlecker „rigoros“ zurückzufordern. „Es geht um eine Reihe von Vermögensübertragungen an Familienangehörige in den vergangenen Jahren“, sagte er. Dabei drehe es sich um Summen in Millionenhöhe. „Ich mache keine Angaben zur strafrechtlichen Relevanz, aber einige Immobilien oder die entsprechenden Gegenwerte sind eindeutig zurückzugeben.“ Zudem gebe es „strittige Dinge“, die sich für einen Vergleich eigneten. „Sofern es keine Einigung gibt, müssen sich Gerichte damit befassen.“

Wenn insolvenzrechtlich etwas zur Vermögensmasse gehört, sind wir verpflichtet, es uns zu holen, erklärte Schneider. „Wir können dem Schuldner aber nicht unters Kopfkissen gucken.“ Geiwitz stellte klar: „Ich verteidige Anton Schlecker nicht.“ Und weiter: „Er war sicher beratungsresistent. Aber wenn man frühere Vermögenswerte betrachtet, hat er das meiste Geld durch die Insolvenz verloren.“ Schlecker habe darüber hinaus sehr viel Geld in die Firma gesteckt, als es schon bergab ging. „So viel Unternehmertum muss man erst einmal zeigen.“

Einige der Schlecker-Eigenmarken würden nach der Pleite weitergeführt, sagte Geiwitz. Einen Käufer aus der Tabakbranche gebe es für die Zigaretten-Eigenmarke Commodore. Die meisten der 12 000 Schlecker-Mitarbeiter im Ausland seien bereits untergebracht. „Aber einzelne Auslandstöchter müssen wir noch verkaufen. Wir sind mit einem Investor in exklusiven Verhandlungen über das Spanien-Geschäft, und ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst eine Lösung präsentieren können.“ Für die Versandapotheke Vitalsana gebe es mehrere Interessenten. „Da bin ich ebenfalls optimistisch, dass wir in den kommenden Wochen eine Lösung haben.“

Parallel kümmere er sich um die Veräußerung von Immobilien. „Dabei geht es um Schätzwerte im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.“ Die Zahl der noch rund 300 Mitarbeiter in der Schlecker-Zentrale im schwäbischen Ehingen werde in den kommenden Monaten stark sinken. „Ende des Jahres werden wir uns dann überlegen, was wir mit der Immobilie machen. Als weitere zentrale Aufgabe bleibt auch die Auseinandersetzung mit Anton Schlecker und seiner Familie.“

Kritik übte der Insolvenzverwalter am Arbeitsrecht. „In Situationen, bei denen es um alles oder nichts geht, wäre ein sanierungsfreundlicheres Arbeitsrecht sinnvoll.“ Zwar seien Kündigungsschutzklagen individuell nachvollziehbar, hätten in Summe aber oft verheerende Auswirkungen. „Den Mitarbeitern nutzt das am Ende wenig, dem Gesamtverfahren bringt es Chaos. Der Kündigungsschutz an sich hat seine Berechtigung. Aber wenn Leute sich in stillgelegte Betriebe einklagen, wird es absurd.“ Durch die im Januar bekanntgewordene Schlecker-Insolvenz verloren gut 25 000 Beschäftigte ihren Job. Bei IhrPlatz arbeiteten zuletzt gut 4000 Menschen.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

oha

01.09.2012, 13:40 Uhr

Also wegen des Arbeitsrechts ist kein Geld für die Gläubiger übrig.
Eigentlich waren es die Verkäuferinnen, die die Insolvenz verursacht haben.
Da wären 71 Millionen Euro für eine Transfergesellschaft für die betroffenen MP´s zum Schlips geworden, an dem sie Reibungswärme übern Schreibtisch des Hauses zu spüren bekommen hätten - abgesehen von dem weiteren Fiasko, dem die Mitarbeiterinnen ausgesetzt worden wären.

Account gelöscht!

01.09.2012, 14:37 Uhr

"Die Summe aller Gläubigerforderungen übersteigt nach früheren Angaben eine Milliarde Euro."

Eine Milliarde auf Pump ausgegeben. Da fehlen mir die Worte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×