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18.07.2012

16:39 Uhr

Insolvenzantrag

Versand-Ikone Neckermann ist pleite

Nach der Quelle-Pleite steht nun auch Neckermann.de vor dem Aus. Der Versandhändler hat erst spät voll auf das Internet-Geschäft gesetzt - wohl zu spät. 2.400 Jobs sind nun gefährdet.

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Frankfurt/MainDer Versandhändler Neckermann.de, der heute nach Otto Deutschlands zweitgrößter Universalversender und der viertgrößte Europas ist, steht offenbar vor dem Aus. Das Unternehmen mit seinen bundesweit rund 2.400 Arbeitsplätzen stellte am Mittwoch Insolvenzantrag, wie Neckermann.de in Frankfurt mitteilte. Neckermann-Reisen.de ist davon nicht betroffen, die Sparte gehört inzwischen zum Thomas Cook-Konzern. Konkret betroffen, das sagte eine Sprecherin gegenüber Handelsblatt-Online, sind die Neckermann.de-GmbH sowie die Neckermann-Logistik-GmbH.

Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen. „Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann das Unternehmen in seiner bestehenden Form damit nicht fortgeführt werden“, teilte das Unternehmen mit.

Geplant war, den Eigenhandel mit Textilien einzustellen und das Frankfurter Zentrallager aufzugeben. Dem Umbau sollten 1380 Stellen zum Opfer fallen. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden. Im wochenlangen Ringen hatten sich Management und die Gewerkschaft Verdi zwar in letzter Minute auf eine Lösung geeinigt, wie beide Seiten mitteilten: Sozialplan, Abfindungen in begrenztem Umfang und eine Transfergesellschaft. Sun Capital halte das Ergebnis aber nicht für tragfähig.

Der Niedergang von Neckermann.de

2006

Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.

2007

Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.

2010

Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.

April 2012

Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden. Gewerkschaft Verdi und Betriebsrat reagieren entsetzt. Sie wollen in Verhandlungen mit der Unternehmensleitung möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

Mai 2012

Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.

Juni 2012

Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.

Juli 2012

Neckermann.de stellt Insolvenzantrag. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.

Kündigungsschutzklagen gelten auch als ein Grund für den endgültigen Zusammenbruch des Drogeriekonzerns Schleckers; insgesamt verloren 25.000 Mitarbeiter ihren Job bei der Pleite.

Auch beim Warenhaus-Konzern Karstadt ist die Lage angespannt. Das Unternehmen will 2.000 Arbeitsplätze streichen. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus - damit steigen die Personalkosten. Außerdem dämpft die Euro-Krise die Kauflaune der Verbraucher. Bis Ende 2014 soll der Jobabbau über die Bühne gehen - möglichst sozialverträglich.

Neckermann.de gehört zu den größten Online-Versandhändlern in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1950 in Frankfurt am Main als Neckermann Versand KG gegründet. 1995 startete es mit einem eigenen Online-Shop. Inzwischen erwirtschaftet Neckermann.de nach eigenen Angaben fast 80 Prozent seines Umsatzes über das Internet.

Kommentare (17)

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lunatic

18.07.2012, 16:33 Uhr


Muss man solche Meldungen (Nürburgring,Neckermann,Karstadt,Schlecker,Centrotherm etc.) unbedingt breit treten. Es reicht doch aus, wenn man die Meldung in den Insolvenzbekanntmachungen nachlesen kann. Als Stimmungsaufheller könnten bspw. Meldungen von neuen Start-ups dienen.

Account gelöscht!

18.07.2012, 16:57 Uhr

Der Kündigungsschutz in DLand ist ein Seuche. Alles wäre viel einfacher, wenn es eine Gesetzliche Regelung gäbe, dass pro Arbeitsjahr maximal eine Abfindung von x% gezahlt würde.

Das wäre gerecht und vor allem kalkulierbar. Das Problem ist doch, dass Klagen lange dauern und völlig unklakulierbar sind.

Ich kann Sun Capital gut verstehen.

Karsten

18.07.2012, 17:07 Uhr

Amazon verspeist das nächste Opfer. Da hätte das Management nur auf allen Ebenen reduzieren können. Aber selbst das hätte ggf. nicht gereicht. Schade.

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