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29.09.2012

12:59 Uhr

Insolvenzverwalter

Marke Neckermann hätte Chancen

Die Mitarbeiter wird es kaum trösten, aber Konsumenten müssen den Namen nicht vergessen: Die traditionsreiche Marke Neckermann könnte trotz der Abwicklung weiter erfolgreich existieren, glaubt der Insolvenzverwalter.

Der gute Name Neckermann könnte erhalten bleiben, glaubt der Insolvenzverwalter. dpa

Der gute Name Neckermann könnte erhalten bleiben, glaubt der Insolvenzverwalter.

Frankfurt"Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Name Neckermann überlebt", sagte Insolvenzverwalter Michael Frege der "Wirtschaftswoche". Im Oktober will der Verwalter ein isoliertes Bieterverfahren für die Kundendaten, Web-Adressen und Markenrechte des Frankfurter Versandunternehmens starten. Eine Reihe von Investoren soll bereits Interesse signalisiert haben. Für die Job-Perspektiven der rund 2000 Mitarbeiter zeigte sich Frege zuversichtlich. "Wir gehen davon aus, dass zwischen 200 und 300 Mitarbeiter sofort bei einem neuen Arbeitgeber starten werden."

Versandhändler: Letzte Hoffnung für Neckermann zerschlagen

Versandhändler

Keine Hoffnung mehr für Neckermann

Die Rettung des insolventen Versandhändlers Neckermann ist endgültig gescheitert. Der letzte Investor, auf dem alle Hoffnung ruhte, hat sich zurückgezogen. Damit steht die Betriebsschließung zum Monatsende fest.

Unterdessen erhebt Frege schwere Vorwürfe gegen den früheren Eigentümer des Konzerns, den US-Finanzinvestor Sun Capital. Die Amerikaner hatten 2008 die Mehrheit an dem Unternehmen übernommen. "Bei Neckermann haben wir keine Substanz vorgefunden", sagte Frege dem Magazin. "Ob Kundendaten, Markenrechte oder Internetadressen - die meisten Werte waren an den Eigentümer verpfändet." Selbst die Konten habe der Finanzinvestor Sun Capital sperren lassen und damit "die Ausgangslage erheblich erschwert".

Der Niedergang von Neckermann

2006

Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.

2007

Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.

2010

Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.

April 2012

Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden

Mai 2012

Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.

Juni 2012

Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.

Juli 2012

Neckermann.de stellt Insolvenzantrag. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.

September 2012

Der letzte Interessent ist abgesprungen. Damit wird das Unternehmen zum 30. September geschlossen. Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten letztlich abgewunken, teilte die vorläufige Insolvenzverwaltung mit. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen.

Potenzielle Investoren hatten laut Frege ein "schonungsloses Urteil" gefällt. Sie kritisierten demnach nicht nur den massiven Investitionsstau bei dem Unternehmen, sondern schreckten vor möglichen Kündigungsschutzklagen von Mitarbeitern zurück. Das Geld für eine Transfergesellschaft, um das Risiko zu minimieren, fehlte.

Den Gläubigern Neckermanns macht der Verwalter indes wenig Hoffnung. Im ersten Halbjahr habe Neckermann jeden Monat rund 20 Millionen Euro Verlust verbucht. "Die Betriebskosten haben jeden Gewinn aufgesogen", sagte Frege. "Wir hätten nicht einmal mehr den nächsten Monatslohn für die Mitarbeiter überweisen können." Der Anwalt kündigte an, beim Insolvenzgericht die drohende Masseunzulänglichkeit zu erklären.

Neckermann hatte mit seinem Kataloggeschäft und dem berühmten Slogan "Neckermann macht's möglich" über Jahrzehnte den Versandhandel in Deutschland geprägt. Auf das boomende Internetgeschäft hatte der Konzern aber zu spät gesetzt.

Von

rtr

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