Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.06.2012

21:47 Uhr

Internationale Kampagnen

Werbeagenturen überschreiten ihre Grenzen

VonCatrin Bialek

Inhabergeführte Agenturen können Branchenriesen wie BBDO bei internationalen Kampagnen alt aussehen lassen. Denn mit Hilfe von Dienstleistern können sie sich weltweit Partneragenturen suchen. Doch es geht sogar ohne.

Die 2012-Kampagne von der deutschen Werbeagentur Kolle Rebbe. Kolle Rebbe

Die 2012-Kampagne von der deutschen Werbeagentur Kolle Rebbe.

DüsseldorfBeim Pitch waren sie die Außenseiter. Lauter große Agenturen aus internationalen Werbenetzwerken hatte die Deutsche Lufthansa zu der Ausschreibung ihres prestigeträchtigen Werbeetats eingeladen - bis auf eine: Kolle Rebbe war die einzige inhabergeführte deutsche Werbeagentur. Das war keineswegs ein Nachteil: Die Hamburger angelten sich den millionenschweren Etat des Kranichs und ließen große Branchenriesen wie BBDO oder den früheren Etathalter McCann-Erickson alt aussehen.

Doch dann begann das Rätselraten. Wie würde Kolle Rebbe, eine Agentur mit rund 300 Mitarbeitern, allesamt in Deutschland, den weltweiten Lufthansa-Etat stemmen können? Die Lösung: Kolle Rebbe zapfte den internationalen Agenturvermittler The-Network-One an und wählte in einem aufwendigen Prozess die geeignetsten Partner an den Standorten New York, Tokio, Schanghai, Dubai und Neu-Delhi aus. "Für mehrere andere Kunden sind wir diesen Weg bereits erfolgreich gegangen", sagt Andreas Winter-Buerke, Geschäftsführer von Kolle Rebbe und verantwortlich für den Lufthansa-Etat.

Erfolgreiche Produkte: Die besten Marken 2012

Erfolgreiche Produkte

Die besten Marken 2012

Starke Netzkommunikation und Nachhaltigkeit kennzeichnen die Gewinner des diesjährigen „Best Brands“-Awards. Keine Jury, sondern eine repräsentative Studie ermittelte die Sieger zu denen Apple, Amazon und BMW zählen.

The-Network-One ist ein Zusammenschluss von rund 400 inhabergeführten Kreativagenturen in mehr als 90 Ländern, die alle vor demselben Dilemma stehen: Sie wollen ihre Kunden auch bei globalen Kampagnen betreuen, haben aber keine Büros im Ausland. The-Network-One führt die Agenturen zusammen - und kassiert eine Provision.

"Damit setzen wir den internationalen Networks ein Gegenmodell vor", sagt Winter-Buerke. Bislang beherrschten Agenturen, die zu internationalen Werbekonzernen wie WPP oder Omnicom gehören, das Auslandsgeschäft. "Unser Vorteil ist: Wir suchen uns ausländische Agenturen, die mit uns zusammenarbeiten wollen - und nicht müssen." Auf diese Weise, sagt Winter-Buerke, könne er dem Kunden "ein maßgeschneidertes System anbieten".

Andreas Winter-Buerke ist verantwortlich für den Lufthansa-Etat. Kolle Rebbe

Andreas Winter-Buerke ist verantwortlich für den Lufthansa-Etat.

Kolle Rebbe ist nicht die einzige inhabergeführte Agentur, die ihre Lust am Ausland entdeckt. Einige Konkurrenten arbeiten sogar ohne Partnervermittler. Die Kreativschmiede Jung von Matt etwa, lange auf Deutschland fokussiert, hat sich an Agenturen in Polen und Tschechien beteiligt sowie eine Tochter in China gegründet. Der deutsche Marktführer Serviceplan aus München eröffnet ein Büro nach dem anderen in werberelevanten Märkten, darunter Paris, Zürich und Dubai. Auch in Mailand gibt es seit diesem Frühjahr ein "Casa della Comunicazione" von Serviceplan.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

VIP

07.06.2012, 22:41 Uhr

My congratulations to Kolle Rebbe and Lufthansa, an intelligent decision. Having worked all my life in the advertising business, I know that large 'international' agencies have virtually no coordination or communication with their foreign offices, offering no advantage, just bureaucracy in their system. History has demonstrated over and over again, that monster size kills creativity before it has a chance. Sad, but true.

Gast44

07.06.2012, 23:22 Uhr

Werbeagenturen müssen schrumpfen!
Agentur A wirbt für Lufthansa, Agentur B für Air Berlin. Die Zeche zahlt immer nur der Verbraucher obwohl er nicht bestellt hat.
Exzessive Werbung ist reine Verschwendung von Resourcen und im Grunde nur eine parasitäre Nutzloswirtschaft.

Account gelöscht!

08.06.2012, 09:48 Uhr

Ich kann nur beipflichten.
Es müssen Köpfe rollen beim Kranich, für diese Geldverschwendung.
Aber am Ende bezahlt nur der Fluggast.
Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×