Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.10.2013

17:31 Uhr

Interner Kostendruck

Lufthansa will Großteil der IT ausgliedern

Die Lufthansa fährt einen drastischen Sparkurs. Nun will das Unternehmen seine Call- und Rechenzentren ausgliedern. Jeder dritte Mitarbeiter bei Lufthansa Systems wäre von der Maßnahme betroffen.

Auf seinem harten Sparkurs hat Lufthansa-Chef Christoph Franz nun die eigenen Call- und Rechenzentren im Visier. Weil die Tochter Systems nicht billig genug anbieten kann, sollen die Mitarbeiter ausgegliedert werden. dpa

Auf seinem harten Sparkurs hat Lufthansa-Chef Christoph Franz nun die eigenen Call- und Rechenzentren im Visier. Weil die Tochter Systems nicht billig genug anbieten kann, sollen die Mitarbeiter ausgegliedert werden.

FrankfurtDie Lufthansa will einen großen Teil ihrer IT-Mitarbeiter aus dem Konzern ausgliedern. Es sei geplant, den Infrastrukturbereich mit zusammen rund 1300 Beschäftigten in eine Partnerschaft mit einem internationalen Anbieter zu überführen, sagte eine Sprecherin der Lufthansa Systems AG am Freitag auf Anfrage. Auch 1000 Mitarbeiter an den deutschen Standorten Kelsterbach bei Frankfurt und Flensburg seien betroffen.

Grund für den Umbau ist der interne Kostendruck: Der Lufthansa-Konzern will im Zuge des Sparprogramms „Score“ die Infrastrukturleistungen von Rechen- und Call-Centern neu ausschreiben und verlangt Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich. Die konzerneigene Lufthansa Systems AG sah sich wegen der mangelnden Größe des eigenen Infrastrukturgeschäfts allein nicht in der Lage, die Leistungen wettbewerbsfähig anzubieten.

Bei nun anstehenden Verhandlungen mit Interessenten solle besonders auf den Erhalt der Arbeitsplätze geachtet werden, sagte die Sprecherin. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für die Entscheidung für einen bestimmten Partner. Die Belegschaft war am Freitag über die Pläne informiert worden. Betroffen sind auch Mitarbeiter an den internationalen Standorten London, Dallas, Singapur, Budapest und Buenos Aires.

Das sind die neuen Flieger der Lufthansa

Spritsparende Modelle

Die Lufthansa hat im Herbst 2013 für 14 Milliarden Euro die neuesten Langstrecken-Jets von Boeing und Airbus bestellt. Die Airline deckt sich mit zweistrahligen Langstrecken-Jets ein, die wesentlich weniger Sprit verbrauchen sollen als derzeitige Modelle. Das ist wichtig, da die Tankrechnung einer der größten Kostenposten der Airline ist. Mit 300 bis gut 400 Sitzen sind die neuen Flieger eine Nummer kleiner als das Lufthansa-Flaggschiff, der Airbus A380.

A350 – Leichtbauweise und neue Triebwerke

Der A350 ist das neueste Kind des europäischen Flugzeugbauers: Erstmals hob der Jet mit zwei Triebwerken im Juni ab. Das vollkommen neu konstruierte Flugzeug besteht zur Hälfte aus Verbundwerkstoffen, die das Gewicht senken. Die Leichtbauweise und neue Triebwerke sollen dafür sorgen, dass der Spritverbrauch im Vergleich zu heutigen Maschinen um ein Viertel sinkt.

A350 – Platz für bis zu 350 Passagiere

Im A350 haben je nach Variante 270 bis 350 Passagiere Platz. Der von der Lufthansa bestellte Typ A350-900 zählt 314 Sitze. Derzeit liegen 707 Bestellungen für den laut Listenpreis bis zu gut 320 Millionen Dollar teuren Prestigeflieger vor. Das erste Exemplar soll 2014 an Qatar Airways ausgeliefert werden.

777X – Lufthansa Erstkunde?

So weit wie Airbus ist Boeing mit seinem Nachfolger des Bestsellers 777 lange nicht. Offiziell ist der Bau der zweistrahligen Maschinen noch nicht beschlossen - der US-Hersteller sammelt derzeit noch Bestellungen ein. Die Lufthansa hat gute Chancen, Erstkunde für die sogenannte 777-9X zu werden. Auch Emirates spielt eine Großorder durch. Die Auslieferung der Jets dürfte erst Ende des Jahrzehnts starten.

777X – 20 Prozent weniger Kerosinverbrauch

Die von der Lufthansa favorisierte Variante zählt 414 Sitze. Nach der Pannenserie beim Dreamliner 787 setzten die Boeing-Ingenieure aber nicht ganz so viel neue Technologie ein. Nicht das ganze Flugzeuge, sondern lediglich die Flügel und die Triebwerke werden neu konstruiert. Damit soll der Kerosinverbrauch um 20 Prozent sinken. Das Flugzeug ist eine Fortentwicklung des Bestsellers 777, der seit den 90er Jahren fliegt.

Die stellvertretende Vorsitzende des Lufthansa-Aufsichtsrats, Christine Behle, reagierte besorgt auf die Ankündigung. „Eine Ausgliederung der IT würde einen Qualitätsverlust für den gesamten Konzern bedeuten. Wir warnen davor.“ Positiv sei aber, dass auf den Erhalt der Arbeitsplätze geachtet werden solle.

Lufthansa Systems beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben weltweit rund 4200 Menschen, so dass nahezu jeder dritte Job vor der Ausgliederung steht. Die übrigen Bereiche der Lufthansa Systems AG seien nicht betroffen.

Mit 609 Millionen Euro Jahresumsatz 2012 ist die Systems AG das kleinste Geschäftsfeld des größten Luftverkehrskonzerns Europas. Sie ist auch für rund 300 andere Airlines und 150 externe Kunden tätig. Die Sparte hat laut Geschäftsbericht im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DEUFRA2011

25.10.2013, 19:27 Uhr

Diese Nachrichten passen aber überhaupt nicht zu den 100.000 neuen Arbeitsplätzen die die FRAPORT im Rahmen der Flughafenerweiterung in der Rhein-Main Region bis 2020 angekündigt hat. Wenn dann hier die Wohngebiete kaput gemacht wurden, werden die Arbeitsplätze verlagert. Die Politiker nehmen den Bossen aber auch alles ab, egal wie es der Bevölkerung ergeht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×