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27.03.2012

11:27 Uhr

Internet-Apotheke

Celesio will Doc Morris loswerden

Der neue Celesio-Chef Markus Pinger räumt auf: Der Pharmagroßhändler will sich von Doc Morris trennen. Der Kauf der Versandapotheke hatte viele Apotheker vergrault. Celesio hat für 2011 schlechte Zahlen vorgelegt.

Celesio will sich von Doc Morris trennen. Unter dem Markennamen werden auch Apotheken betrieben. dpa

Celesio will sich von Doc Morris trennen. Unter dem Markennamen werden auch Apotheken betrieben.

Stuttgart/FrankfurtDer Pharmagroßhändler Celesio stellt seinen 2007 übernommenen Internet-Versandhandel Doc Morris zum Verkauf. Das kündigte das Unternehmen am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart an. Außerdem will sich Celesio von den Töchtern Movianto und Pharmexx trennen. Sie formen eine der drei Säulen des Konzerns und stehen für Personaldienstleistung und eine Vorstufe des Großhandels.

„Wir haben uns entschlossen, diesen Konflikt klar und geradlinig zu lösen“, sagte der neue Konzernchef Markus Pinger. „Wir wollen unser europäisches Apothekennetzwerk, das auf eine enge Zusammenarbeit mit inhabergeführten Apotheken setzt, völlig unbelastet von diesem Konflikt aufbauen.“ Laut Finanzkreisen ist die Deutsche Bank mit der Suche nach Investoren für Doc Morris beauftragt worden.

Celesio ist 2011 nur haarscharf um rote Zahlen herumgekommen. Deutschlands zweitgrößter Pharmagroßhändler verbuchte unter dem Strich 6,1 Millionen Euro - ein Bruchteil der 265 Millionen Euro aus 2010. Das börsennotierte Unternehmen gehört mehrheitlich dem Haniel-Konzern und schrammte 2011 nur haarscharf an roten Zahlen vorbei: Bei einem Umsatz von 23,03 Milliarden Euro blieben unter dem Strich 6,1 Millionen Euro.

Das MDax-Unternehmen bewegt sich auf einem Markt voller Rabattschlachten und Reformdruck. Der neue Chef Pinger räumt mit der Hinterlassenschaft seines Vorgängers Fritz Oesterle rigoros auf.

Mit einer strategischen Kehrtwende soll sich Celesio wieder stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren - die Arbeit an der Logistikdrehscheibe als Lieferant für Apotheken. Mit dem Verkauf der Versandhandelsapotheke Doc Morris dreht Pinger den nächsten großen strategischen Schritt seines Vorgängers zurück. Erst zog er beim verlustbringenden Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Konzern Medco den Stecker, dann setzte der von Beiersdorf gekommene Manager den Pharmadienstleister Movianto auf die Verkaufsliste.

Vor allem die Übernahme von Doc Morris erwies sich als Fehleinschätzung - kurzzeitig hatte der 200 Millionen Euro teure Kauf jeden dritten Celesio-Kunden vergrault. Die Apotheker boykottierten den Großhändler, der hierzulande mit der Anzag und hinter Branchenprimus Phoenix auf Platz zwei rangiert. Der Streit ging damals bis vor den Europäischen Gerichtshof. Wer DocMorris übernehmen könnte, ist noch unklar.

Oesterle war ständig auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern neben dem Großhandel und war dazu bereit, hohe Risiken einzugehen. Großaktionär Haniel trennte sich 2011 von Oesterle, auch weil die Zukäufe hinter den Renditezielen zurückblieben.

Oesterle hatte Doc Morris 2007 mit einem Paukenschlag für rund 200 Millionen Euro erworben. Er wollte die Versandhandelsapotheke auch als Markennamen für Apothekenketten verwenden. Die deutschen Apotheker liefen gegen die Konkurrenz durch einen Großhändler Sturm. Allerdings erlaubte die EU in Deutschland später ohnehin keine Apothekenketten.

Kommentare (1)

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27.03.2012, 11:44 Uhr

der doc morris kauf in 2007 zeigte leider eine eklatante fehleinschätzung der kräfteverhältnisse am markt - celesio sah sich als vermeintliches monopol einem oligopol an einzelhändlern gegenüber. leider hat man(n) verkannt, dass es leichter ist, einen (gross)zwischenhändler auszuschalten, sollte man sein eigenes vertriebspotential durch kanibalisierung gefährdet sehen. für den (gross) zwischenhändler hingegen, wurde die umschichtung von umsatzvolumen im zuge der vermeintlichen vertikalen integration seines direktvertriebs zum nullsummenspiel, mehr noch, er gab marge auf, indem er der preisphantasie bei der doc morris bewertung freien lauf liess. tröstlich aus gesamtwirtschaftlicher sicht ist das feepotential welches sich aus sicht der m&a abtlg der deutschen bank und anderer beteiligter institute innerhalb einer überschaubaren 5Jahresfrist ergeben hat. hier scheint die wahre wertschöpfung der gesamttransaktion zu liegen.

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