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06.08.2013

17:23 Uhr

Internetkaufhaus

Amazon steigt in den Kunsthandel ein

Von nun an kann eine Bestellung bei Amazon auch schnell mal in die Millionen gehen: Galerien und Händler können Werke anbieten. Im Angebot ist auch ein Werk des US-Popartkünstlers Andy Warhol.

Nach dem überraschenden Kauf der Washington Post, hat Amazon-Gründer Jeff Bezos gleich die nächste Überraschung parat: Amazon steigt in den Kunsthandel ein. ap

Nach dem überraschenden Kauf der Washington Post, hat Amazon-Gründer Jeff Bezos gleich die nächste Überraschung parat: Amazon steigt in den Kunsthandel ein.

New YorkDas Internetkaufhaus Amazon steigt nun auch in den Kunsthandel ein. Der US-Konzern kündigte am Dienstag an, dass künftig auf der Plattform www.amazon.com/art Galerien und Händler ihre Kunstwerke zum Verkauf anbieten können. Der Preis der bereits mehr als 40.000 Kunstwerke im Angebot reicht von zehn Dollar (gut 7,50 Euro) bis zu mehreren Millionen Dollar. Unter der Handvoll weltweit bekannter Werke finden sich etwa das Ölgemälde „Fragments de Nymphéas“ des französischen Impressionisten Claude Monet, das für 2,5 Millionen Dollar angeboten wird.

Außerdem sind im Angebot ein Werk des US-Popartkünstlers Andy Warhol für 1,45 Millionen Dollar und ein Gemälde des US-Malers Norman Rockwell, das mit 4,85 Millionen Dollar das bisher teuerste Werk der Kollektion ist. Wie auch bei anderen Waren aus dem Angebot von Amazon reicht ein Klick, um das Gemälde dem Einkaufswagen hinzuzufügen. Eigenen Angaben nach kooperiert Amazon bisher mit mehr als 150 Galerien und Kunsthändlern in den USA, Kanada, Großbritannien und den Niederlanden.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

„Amazon Art gibt den Galerien die Möglichkeit, ihre Leidenschaft und ihre Expertise für die Künstler, die sie vertreten, unseren Millionen Kunden zur Verfügung zu stellen“, erklärte Amazons Vizechef Peter Faricy. Ursprünglich als Internetbuchhändler gestartet, war Amazon in den vergangenen Jahren in viele weitere Bereiche von Elektronik über Kleidung bis zu Lebensmitteln expandiert. Am Montag teilte Amazon-Gründer Jeff Bezos mit, als Privatmann die renommierte US-Tageszeitung „Washington Post“ zu übernehmen.

Von

afp

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