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02.02.2009

14:10 Uhr

Interview mit: Johannes Graf von Schmettow

„So eine Bremsung gab es noch nie“

VonChristoph Hardt

Um der Krise Herr zu werden, müssen sich Manager und Führungskräfte vermehrt austauschen und voneinander lernen. Im Handelsblatt-Interview spricht Johannes Graf von Schmettow, Deutschland-Chef der Personalberatung Egon Zehnder, über die Folgen der Finanzkrise für die Topmanager und die wichtigsten Führungsqualitäten.

Johannes Graf von Schmettow. Foto: PR Michael Dannenmann / Egon Zehnder International

Johannes Graf von Schmettow. Foto: PR

Handelsblatt: Herr von Schmettow, die Management-Legende Jack Welch hat erklärt, die größte Gefahr für die Unternehmensführer sei es dieser Tage, dass sich die Unternehmen zu sehr mit sich selbst beschäftigen. Hat er recht?

Von Schmettow: Die Gefahr, sich in Krisenzeiten zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen, besteht in der Tat. Die Herausforderung ist die, in kürzester Zeit die Lage des Unternehmens nüchtern und schonungslos zu analysieren. Dieser Bestandsaufnahme muss unmittelbares Handeln folgen, oft auch mit drastischen Maßnahmen. Dennoch: Führung darf sich in keinem Fall darin erschöpfen, dass das Unternehmen - mit weniger Produkten, weniger Mitarbeitern und weniger Märkten - gerade eben davonkommt.

Das Handelsblatt hat eine andere Unternehmerlegende, Trumpf-Aufsichtsratschef Berthold Leibinger, vor wenigen Tagen in seine neue Hall of Fame aufgenommen. Bei der Preisverleihung hat Leibinger gesagt, er habe zwölf Krisen durchgemacht, aber noch keine wie diese. Sehen Sie das genauso?

Sicher ist, dass die Wirtschaft noch nie so scharf abgebremst wurde. Aber es stimmt andererseits auch, dass einzelne Industrien derzeit besonders stark betroffen sind und andere eben weniger oder sogar gar nicht. Für die Autoindustrie und auch den Maschinenbau sind die Einbrüche fraglos besonders dramatisch.

Was bedeutet das für die Unternehmensführer?

Überzeugende Führungspersönlichkeiten, starke CEOs, bleiben gelassen, denn fest steht auch, dass die gut aufgestellten Unternehmen nach den schwierigen Zeiten stärker sein werden als zuvor. Sie haben auch jetzt jeden Grund, nach innen und außen Zuversicht auszustrahlen.

An deutschen Konzernspitzen hat es in den vergangenen Jahren etliche Führungswechsel gegeben, mit zum Teil jungen Vorstandschefs. Reicht deren Erfahrung für das jetzt erforderliche gelassene Krisenmanagement?

Für viele Manager ist die aktuelle Situation in der Tat eine völlig neue Erfahrung. Wir organisieren beispielsweise Gespräche im kleinen Kreis, bei denen sich Unternehmenslenker, die neu an Bord sind, austauschen können. Gerade jetzt gilt es, voneinander zu lernen.

Viele Experten prophezeien eine Pleitewelle, sicher ist, dass die Unternehmensgewinne auf breiter Front einbrechen. Werden jetzt reihenweise Köpfe rollen?

Gegenfrage: Im Moment wird ja das Bild von der Nebelwand, in die die Wirtschaft fährt, bemüht. Würden Sie in einer solchen Situation den Kapitän austauschen?

Und wie unterscheiden wir den guten Führer vom schlechten in diesen turbulenten Zeiten?

Überzeugende Führung ist unabhängig von der Konjunktur. Außerdem: In der historischen Gesamtschau relativiert sich die aktuelle Rezession. Bleiben wir beim Bild der Nebelwand: Die, die zum ersten Mal hineinfahren, bekommen vielleicht Panik, andere bleiben ruhig, legen aber eine höhere Wachsamkeit an den Tag.

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