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10.06.2012

10:05 Uhr

Investor springt ab

Verkauf von Ihr Platz und Schlecker XL geplatzt

Die Zukunft der Schlecker-Töchter Ihr Platz und Schlecker XL ist wieder völlig offen. Der bereits als sicherer Käufer gehandelte Investor Dubag zog sein Angebot zurück. Für die Mitarbeiter geht das Zittern weiter.

Filiale von Ihr Platz in Berlin: Zukunft wieder völlig offen. dapd

Filiale von Ihr Platz in Berlin: Zukunft wieder völlig offen.

MünchenMitten in den Ausverkauf bei Schlecker platzt die nächste Hiobsbotschaft für die rund 5000 Mitarbeiter bei IhrPlatz und Schlecker XL: Die Gläubiger und der Investor Dubag erklärten ihre anfangs vielversprechenden Verhandlungen am Freitag für gescheitert. „Die Gespräche sind abgebrochen worden“, sagte ein Sprecher der Verhandlungsparteien. Damit ist das Schicksal für die zwei zukunftsträchtigen Töchter aus dem einstigen Schlecker-Imperium wieder völlig offen.

Nach übereinstimmenden Worten von Sprechern der beteiligten Seiten ist das Thema Dubag unwiderruflich durch - die Differenzen seien zu groß gewesen. Man werde nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Der Knackpunkt sei am Ende das Thema Schlecker XL gewesen.

Der Münchner Investor Dubag habe bereits vor dem Treffen am Freitag sein Angebot für die Übernahme der XL-Märkte zurückgezogen. Ursprünglich hatte er XL mit übernehmen und bei IhrPlatz eingliedern wollen - allerdings hatte das anfängliche Interesse des Investors nur IhrPlatz gegolten und XL kam erst später ins Gespräch.

In einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters heiß es, „arbeits- und mietrechtliche Themen“ seien für das Scheitern ausschlaggebend gewesen. Bei dem Hamburger Kreditversicherer Euler Hermes steht Schlecker mit 300 Millionen Euro in der Kreide. Das ist der Löwenanteil der Forderungen, die laut Insolvenzverwaltung bisher insgesamt knapp 700 Millionen Euro betragen.

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Derweil begann bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker selbst der Ausverkauf. In den rund 2800 Filialen in Deutschland gab es Preisnachlässe zwischen 30 und 50 Prozent. Die noch verbliebenen gut 13 000 Schlecker-Mitarbeiter sollen ihre Kündigung zum Monatsende bekommen. Insgesamt verlieren wegen der Insolvenz rund 25 000 Schlecker-Mitarbeiter ihren Job.

Ein Datum für das endgültiges Ende der Schlecker-Läden gibt es noch nicht. Zuletzt war von Ende Juni die Rede gewesen. Die Abwicklung des Konzerns - der Ausverkauf der restlichen Ware sowie etwa der Verkauf von Immobilien und Auslandsgesellschaften - könnte laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zwischen 500 und 700 Millionen Euro bringen. Dem stehen bislang Forderungen in Höhe von 665 Millionen Euro entgegen.

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Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, drehten sich die Diskussionen etwa darum, inwieweit bestehende XL-Verträge auf IhrPlatz umgeschrieben werden könnten. Während der Verhandlungen hatte Euler Hermes bereits moniert, dass Dubag Mitarbeitern Versprechungen mache, die das bestehende Konzept nicht hergebe. Am Mittwoch vertagten beide Seiten die Gespräche wegen offener Fragen.

Dubag-Chef Michael Schumann lehnte am Freitag auf dpa-Anfrage jeden Kommentar über die Gründe des Scheiterns ab. In der Mitteilung hieß es kurz: „Die Eckpunkte des Fortführungskonzepts waren nicht einigungsfähig. Es konnte daher schlussendlich der notwendige Konsens für eine Vertragsunterzeichnung nicht erzielt werden.“ Beide Seiten bezeichneten die Verhandlungen vom Freitag als sehr kräftezehrend.

Für IhrPlatz gibt es nach dpa-Informationen nun wieder drei Optionen: eigenständige Fortführung, Abwicklung wie bei der Muttergesellschaft Schlecker oder das Finden eines anderen Investors. „Wir suchen nach einem neuen Konzept und ein Stück weit nach neuen Optionen“, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

In der offiziellen Mitteilung hieß es: „Für IhrPlatz sucht Insolvenzverwalter Werner Schneider jetzt eine neue Lösung.“ Was das Scheitern der Gespräche für XL bedeutet, blieb zunächst unklar.

Ausverkauf bei Schlecker beginnt

Video: Ausverkauf bei Schlecker beginnt

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Kommentare (4)

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Vulgus

08.06.2012, 22:51 Uhr

Schon alleine die fragwürdige Namensgebung, konnte keinen Erfolg bringen ausser im lern- & denkresisstenten Proletariatsbodensatz...
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"Clever" war man in Ehingen immer nur beim "Spezial-Investment" und "Konstruktion von Steuersparprojekten"... samt Transfers...
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Sind die Schleckermilliarden aus Schenkungen und Veraschiebungen schon aufgetaucht - oder lungern die noch im Ausland - vornehmlich Schweiz & Österreich?
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Man darf nicht vergessen wenn es um solche Anlagen geht, ist man von Ulm bis Ichenhausen äusserst gerissen. DIes wird von den zuständigen Steuerfahndungen bis heute nicht so richtig ernst genommen. Vielleicht sollte hier eine ernste Warnung wie von La Garde Richtung Griechenland ausgesprochen werden. Auch der deutsche Fuiskus braucht Mehreinnahmen und dies am besten von den steuerunehrlichen!

Aristoteles

09.06.2012, 10:13 Uhr

Was die Herren Insolvenzverwalter bei Schlecker abgeliefert haben spottet jeder Beschreibung und wirft ein entsprechendes Bild auf unsere Insolvenzpraxis. Kein Wunder, dass Unternehmer das Wort Insolvenz scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Account gelöscht!

11.06.2012, 08:41 Uhr

Es wäre interessant zu erfahren was die Verhandlungsführer von Euler Hermes jetzt für Pläne haben. Irgendwie muss der gesicherte Warenbestand im Wert von mehreren 100 Mio. Euro ja verkauft werden.

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