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27.02.2013

16:02 Uhr

Irische Fluggesellschaften

Ryanair scheitert bei Übernahmeversuch von Aer Lingus

Der Chef des Billigfliegers Ryanair, Michael O'Leary, ist mit einer Übernahme von Konkurrent Aer Lingus wieder am Veto der EU-Kommission gescheitert. Nun will der Ire die Übernahme gerichtlich erzwingen.

Der irische Billigflieger Ryanair darf nicht den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen. ap

Der irische Billigflieger Ryanair darf nicht den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

BrüsselDie EU-Kommission verbietet der irischen Fluggesellschaft Ryanair, den einheimischen Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Der geplante Verbund drohe den freien Wettbewerb auf 46 Strecken von und nach Irland zu behindern. Das entschied die Behörde nach einer mehrmonatigen Wettbewerbsprüfung am Mittwoch in Brüssel.

Der Billigflieger Ryanair hatte zuvor versucht, mit Zugeständnissen die Bedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen. Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte im Interview mit Handelsblatt Online für den Fall einer Ablehnung bereits eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof angekündigt. „Wir werden vor Gericht ziehen und zeigen, dass die Kommission dabei nicht fair war“, so O'Leary.

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Die EU-Kommission begründet das Fusionsverbot damit, dass „der Zusammenschluss zum Nachteil der Verbraucher ausgefallen wäre“. Auf den Strecken, wo sich die beiden Airlines zur Zeit einen harten Kampf lieferten, hätte Ryanair sonst ein Monopol oder zumindest eine marktbeherrschende Stellung errungen.

„Mit diesem Beschluss schützt die Kommission über 11 Millionen irische und europäische Flugreisende, die jedes Jahr ab oder nach Dublin, Cork, Knock und Shannon fliegen. Sie hätten nach der Übernahme von Aer Lingus durch Ryanair höchstwahrscheinlich höhere Preise zahlen müssen“, erklärte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Ein Haupthindernis lag für die EU-Kommission darin, dass beide Airlines Dublin als Drehkreuz haben. Bei Kurzstreckenflügen aus der irischen Hauptstadt kamen Ryanair und Aer Lingus demnach vergangenes Jahr zusammen auf einen Marktanteil von 87 Prozent.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Aer Lingus begrüßte erwartungsgemäß die Entscheidung. „Das Übernahmeangebot hätte niemals abgegeben werden sollen“, sagte Vorstandschef Christoph Müller. Wie immer bei geplanten Fusionen, die in Brüssel grünes Licht beantragen und auf Bedenken stoßen, hatte die Kommission auch Konkurrenten sowie Dritte um ihre Meinung gefragt, darunter Verbraucherverbände und Reiseveranstalter.

Verbote sind selten. In diesem Fall war das Nein aber erwartet worden, da Zugeständnisse von Ryanair die Brüsseler Behörde nicht überzeugten. Die von Ryanair eingereichten „Abhilfemaßnahmen waren aus Sicht von Aer Lingus nicht überzeugend und brachten keine Klarheit“, sagte Müller.

Ryanair war bereits 2007 mit einem ersten Übernahmeversuch von Aer Lingus in Brüssel gescheitert. Abgesehen davon verbot die EU-Kommission bisher nur eine einzige Übernahme im Luftfahrtsektor, nämlich die von Aegean Airlines durch Olympic Air im Jahr 2011. Auch im Fall der griechischen Unternehmen befürchtete die Kommission, dass letztlich die Passagiere die Zeche bezahlt hätten.

Aer Lingus kündigte an, die laufende Prüfung 30-Prozent-Beteiligung von Ryanair an Aer Lingus durch die britischen Wettbewerbsbehörden zu unterstützen. Die Prüfung solle zeigen, ob die Beteiligung überhaupt haltbar sei.

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