Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.07.2013

10:07 Uhr

Isabella de Krassny

Praktiker-Aktionärin will Banken rauskaufen

Die Praktiker-Großaktionärin de Krassny glaubt an die Zukunft der Baumarktkette und will Geld investieren. Zumindest kurzfristig ist der Betrieb gesichert: Laut dem Insolvenzverwalter werden die Filialen weiter öffnen.

Die Großaktionärin Isabella de Krassny will die Baumarktkette retten und weniger rigorose Rabatte anbieten. dpa

Die Großaktionärin Isabella de Krassny will die Baumarktkette retten und weniger rigorose Rabatte anbieten.

BerlinDie Praktiker-Filialen in Deutschland schließen erst einmal nicht: Der vorläufige Insolvenzverwalter der Kette, der Rechtsanwalt Christopher Seagon, will den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten. "Zunächst müssen wir den Geschäftsbetrieb der Unternehmen stabilisieren, um so die Voraussetzung dafür zu schaffen, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern", sagte Seagon. Er wolle dann in den kommenden Wochen "Möglichkeiten für ein Sanierungskonzept prüfen", kündigte der vom Amtsgericht Hamburg bestellte Jurist am Freitag an. Die Praktiker-Filialen blieben geöffnet, "der Verkauf geht mit allen Beschäftigten unverändert weiter".

Seagon ist Insolvenzverwalter für acht Praktiker-Gesellschaften. Für die Obergesellschaft Praktiker AG, die beim Amtsgericht Saarbrücken Insolvenzantrag stellte, wurde am Freitag Udo Gröner von der Kanzlei Heimes & Müller zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt, wie der Konzern mitteilte. Die Max-Bahr-Baumärkte sowie das Auslandsgechäft sind von den Insolvenzanträgen nicht betroffen.

Praktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny geht nach der Insolvenz mit der Firmen-Strategie ins Gericht. In einem vorab veröffentlichten Interview mit der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) sagte de Krassny: "Die ständigen Rabattaktionen, die gefahren wurden, um Geld in die Kassen zu bekommen, haben das Unternehmen in den Tod getrieben. Wer ständig 20 Prozent Rabatt auf alles außer Tiernahrung gibt, verzichtet auf 20 Prozent Umsatz." Die Kunden wären auch gekommen, wenn man nur einzelne Warengruppen rabattiert hätte.

Die Argumentation Praktikers, dass die Insolvenz angemeldet werden musste, weil Gespräche mit Geldgebern über eine kurzfristig nötige Liquiditätsspritze von bis zu 35 Millionen Euro scheiterten, weist de Krassny zurück: "Das Geld wäre da gewesen. Das Problem war, dass die sehr gut besicherten Gläubiger keine Sicherheiten aufgeben wollten. Und es auch kein konstruktives Gespräch mit den Investoren gab." Zudem wäre sie bereit gewesen, gemeinsam mit ihren Mann Alain de Krassny, der über seine Beteiligungsgesellschaft Donau Invest knapp zehn Prozent der Anteile hält, zehn Millionen Euro zu investieren.

Praktiker-Filialen: Die Schnäppchenjagd beginnt

Praktiker-Filialen

Die Schnäppchenjagd beginnt

Nun melden auch die Globus-Märkte Interesse an Praktiker-Filialen an - komplett übernehmen will die insolvente Baumarkt-Kette aber bislang keiner der Konkurrenten

"Ein weiterer Investor war bereit, weitere 30 Millionen Euro zu investieren und hätte zusätzlich rund 80 unrentable Standorte übernommen. Es lagen 40 Millionen Euro auf dem Tisch. Unser Angebot wurde jedoch abgelehnt." Trotz der Insolvenz glaubt de Krassny an die Überlebensfähigkeit von Praktiker. "Eine Insolvenz ist noch nicht das Ende. Wir überlegen gerade gemeinsam mit weiteren Investoren, die Banken rauszukaufen und ihre Kredite abzulösen", fügte sie hinzu.

Praktiker könne profitabel werden, wenn der Konzern sein Kosten deutlich senkt. Da gebe es viel Potential. "Im Einkauf könnte man mit besseren Verträgen jedes Jahr 80 Millionen Euro sparen. Der Verwaltungsapparat ist aufgebläht, frisst acht Prozent des Umsatzes. Branchenüblich sind vier Prozent. Im Übrigen, in den letzten eineinhalb Jahren wurden 80 Millionen Euro alleine für Berater-Gutachten ausgegeben. Praktiker wurde regelrecht ausgeblutet." Die Großaktionärin spricht sich gegen eine Zerschlagung aus, weil dabei immer Werte vernichtet würden. "Schon jetzt kreisen doch die Aasgeier, die sich die besten Stücke rauspicken wollen", sagte de Krassny.

Von

rtr

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.07.2013, 08:06 Uhr

Leider hier mal wieder ein Off-topic-Kommentar bzgl der HB-Zensur:

Wenn es um Meinungsfreiheit geht, dann ist es mal wieder keine Überraschung, daß die HB-Redaktion den Kommentartab sperrt:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wegen-fall-sarrazin-bundesregierung-ueberprueft-deutsche-gesetze/8491320.html

Freie Meinungsäußerung zum Angriff auf die freie Meinungsäußerung ist offenbar unerwünscht.

MMM

13.07.2013, 08:41 Uhr

Frau de Krassny hat sich im Gegensatz zu allen anderen Beteiligten offensichtlich genau mit Markt und Wettbewerb befasst und geht regelmäßig bei Praktiker einkaufen.
Und jetzt will sie noch einen weiteren Beweis liefern, welch tolles Instrument die Frauenquote ist.

Account gelöscht!

13.07.2013, 09:09 Uhr

Ich kenne die näheren Hintergründe bei Praktiker nicht, kann mir aber vorstellen dass es bei Praktiker Parallelen zur Arcandor Gruppe gibt. Leider sind heutzutage diese großen Konzerne allzu oft in Händen von Verwaltern, die nur daran interessiert sind durch z.B. eben viel zu hoch dotierte Beraterverträge (an denen sie natürlich selbst beteiligt sind) zu Lasten des Konzerns in die eigenen Tasche zu wirtschaften und denen weder am Wohl des Konzerns noch der Angestellten gelegen ist. Menschen ohne jede Scham und Skrupel. Auf Destruktion programmiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×