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02.04.2016

16:45 Uhr

Islamische Mode im Westen

„Frauen sollten zum Boykott der Marken aufrufen“

VonThomas Hanke

Marken wie Dolce & Gabbana bieten zunehmend „islamische Mode“ an – und ernten Kritik. Eine französische Ministerin verglich Kopftuchträgerinnen jüngst mit „Negern, die für die Sklaverei waren“ – und bekommt nun von prominenter Stelle recht.

Kleidung war eigentlich immer ein Ausdruck von Freiheit. Imago

Mode für Muslime

Kleidung war eigentlich immer ein Ausdruck von Freiheit.

ParisGroße Modemarken bieten zunehmend auch im Westen Artikel für „islamische Mode“ an. Das Spektrum reicht von unverfänglichen Kleidungsstücken wie Kopftüchern bis hin zu „Burkinis“, Ganzkörper-Badeanzügen. In die zwängen sich muslimische Frauen – oder werden gezwungen –, die auch am Strand und im Wasser vollkommen bedeckt bleiben. In Frankreich ruft jetzt Elisabeth Badinter, bekannte Frauenrechtlerin und Aufsichtsratsvorsitzende des Werbe-Multis Publicis, zum Boykott gegen diese Unternehmen auf. Die Ministerin für Frauen und Sport musste sich rechtfertigen, weil sie Frauen, die freiwillig den Schleier tragen, mit „Negern, die für die Sklaverei waren“ verglichen hat.

Wenn Politiker sich in Modefragen einmischen, gewinnt die Diskussion nicht unbedingt an Qualität. Und der Weg zum richtigen, auch noch politisch korrekten Stil ist von Fettnäpfchen gesäumt. Die Erfahrung macht nun Frankreichs Ministerin für Frauen und Sport, Florence Rossignol. Es geht um Dolce & Gabbana, H&M oder auch den Kaufhauskonzern Marks & Spencer, die Kleidungsstücke für konservativ-muslimische Frauen anbieten. Frau Rossignol hatte sich in einem Interview Ende der Woche schon ordentlich warm geredet über die „verantwortungslosen Unternehmen“, die den „Körper der Frau“ kontrollieren wollten, da fragte der Radiomoderator: „Es gibt ja auch Frauen, die freiwillig ein Kopftuch tragen.“ Rossignol explodierte: „Ja, es gab auch Neger in Afri.., Neger in Amerika, die für die Sklaverei waren.“ Dann fuhr sie fort: „Ich glaube, dass viele von denen, die ein Kopftuch tragen, militante Anhängerinnen des politischen Islams sind, viele tragen es aus religiösen Gründen und wollen es allen Frauen aufzwingen.“

Kein Wunder, dass die Reaktionen nicht ausblieben. Die ruhigste kam von einer Muslima, die twitterte: „Denk doch einfach mal ruhig nach, wie das ist: man macht gerade den Kindern das Frühstück, da vergleicht man dich aus heiterem Himmel mit US-Sklaven, die für die Sklaverei waren!“ Andere forderten den Rücktritt der Politikerin, die gerade erst von der Staatssekretärin zur Ministerin befördert worden ist.

Strikte Gegnerin des Kopftuchs. AFP; Files; Francois Guillot

Ministerin Rossignol

Strikte Gegnerin des Kopftuchs.

„Neger“ ist nicht nur in Frankreich eine Beleidigung, und dann auch noch die Gleichsetzung vom Kopftuchtragen und der Sklaverei: Das ist etwas viel auf einmal für eine politisch Verantwortliche, die nicht nur auf die richtige Wortwahl, sondern auch auf stimmige Vergleiche achten sollte. Dabei hat gerade in der vergangenen Woche auch die Regierung selbst eine Kampagne gegen Rassismus gestartet, mit Spots, deren Refrain lautet: „Es beginnt mit Worten und endet mit Schlägen und Blut.“

Die Ministerin rechtfertigte sich mit dem gequälten Hinweis, sie habe in dem Augenblick an das Werk des Philosophen Montesquieu „Über die Sklaverei der Neger“ gedacht, und der habe sich gegen die Sklaverei eingesetzt. Sie habe sich also nichts zuschulden kommen lassen.

In der Sache nahm sie nichts zurück, und längst beteiligen sich auch andere an der hitzigen Diskussion. Elisabeth Badinter, Philosophin und Tochter des Publicis-Gründers Marcel Bleustein-Blanchet, ist eine moralische Autorität in Frankreich. Sie sagte am Samstag in einem Interview mit „Le Monde“, Rossignol habe sich unglücklich ausgedrückt, in der Sache aber recht: „Ich glaube sogar, dass die Frauen zum Boykott dieser Marken aufrufen sollten.“ Es dürfe keinen kulturellen Relativismus geben und man müsse die muslimischen Frauen unterstützen, die großem politischem Druck durch konservative Männer ausgesetzt seien.

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