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20.09.2012

08:03 Uhr

JadeWeserPort

Tiefwasserhafen der Superlative wird eröffnet

Der JadeWeserPort ist für die ganz großen Schiffe gemacht. Containerkolosse mit einer Länge von bis 430 Metern sollen dort problemlos anlegen können. Muss der Hamburger Hafen um seinen Vormachtstellung bangen? Wohl kaum.

Schiffe mit einer Länge von bis zu 430 Metern sollen in Zukunft in Wilhelmshaven anlegen können. dpa

Schiffe mit einer Länge von bis zu 430 Metern sollen in Zukunft in Wilhelmshaven anlegen können.

HamburgEs ist ein Infrastrukturprojekt der Superlative, dessen wahre Dimensionen sich erst aus der Luft erschließen: Mehr als 1,7 Kilometer lang ist die Kai-Mauer des neuen JadeWeserPorts, 360 Hektar groß ist das Gesamtareal für Entladung, Umschlag und Weitertransport der Stahlkisten vor den Toren von Wilhelmshaven an der Nordsee. Die Investitionskosten gibt der Bauträger, ein von den Ländern Niedersachsen und Bremen getragenes Konsortium, mit 950 Millionen Euro an. Am Freitag wird der JadeWeserPort offiziell eröffnet.

Der neue Hafen, der von dem europaweit tätigen Bremer Hafenumschlags- und Logistikkonzern Eurogate betrieben wird, ist für die Abfertigung neuester Containerschiff-Generationen ausgelegt. Riesige Schiffe mit einem Tiefgang von mehr als 16 Metern, wie sie in zunehmendem Maße das Rückgrat eines stetig wachsenden Welthandels bilden, können in dem einzigen echten deutschen Tiefwasserhafen problemlos anlegen. Selbst das Abfertigen von 430 Meter langen Kolossen wurde laut Eurogate lange vor der Eröffnung simuliert.

Ursprünglich war der JadeWeserPort angesichts jahrelang steigender Umschlagszahlen dafür gedacht, überschüssige Kapazitäten aufzufangen, die in Hamburg oder auch in Bremerhaven ohnehin nicht bewältigt werden könnten. Doch seit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 und den folgenden Schocks wie der europäischen Staatsschuldenkrise hat sich das Welthandels- und Containerumschlagswachstum abgeschwächt. Die noch vor ein paar Jahren verbreiteten, äußerst optimistischen Prognosen gelten heute als Makulatur.

„Der JadeWeserPort war ursprünglich nicht als Konkurrenzhafen geplant, es war immer vom Ergänzungshafen die Rede“, sagt Burkhard Lemper, Direktor für Maritime Wirtschaft und Transport am Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik. Angesichts der Zunahme des Containerverkehrs und der wachsenden Schiffsgrößen schienen die bestehenden deutschen Häfen an ihre Kapazitätsgrenzen zu stoßen. Vor allem Bremerhaven sei hinsichtlich der Ausbaumöglichkeiten „an der Grenze“. Der deutsche Branchenprimus Hamburg habe zwar noch „gewisse Potenziale“, aber auch dort werde es „nicht einfacher“.

Reedereien in Deutschland

Platz 10

Bernhard Schulte Group - 4,1 Millionen dwt (Deadweight Tonnage = Tragfähigkeit eines Schiffs in Tonnen): Die Schulte Group umfasst die Reederei Bernhard Schulte als Eigner- und Reeder der eigenen Schiffe, die Bernhard Schulte Shipmanagement als Schiffsmanagementunternehmen, die OPDR als eigenständige Linienreederei und die BS Treuhand als Treuhandunternehmen.

Platz 9

Rickmers Reederei - 4,3 Millionen dwt: Keimzelle der Rickmers Reederei war die 1834 von Rickmer Clasen Rickmers in Bremerhaven gegründete Rickmers Werft. Später wurde das Unternehmen um eine Reederei sowie verschiedene Reismühlen erweitert. Die beiden Brüder Bertram R. C. Rickmers und Erck Rickmers, Nachkommen des Firmengründers in fünfter Generation, betreiben heute zwei rechtlich vollständig voneinander unabhängige Unternehmensgruppen.

Platz 8

Hapag Lloyd - 4,4 Millionen dwt: Die Hapag-Lloyd AG ist ein Transport- und Logistikunternehmen mit Firmensitz in Hamburg. Am 28. März 2012 bewilligte die Hamburgische Bürgerschaft mit den Stimmen der SPD und Die Linken 420 Millionen Euro für einen weiteren Anteilskauf an der Reederei. Damit wird die Stadt Hamburg mit 39,6 Prozent der größte Einzelaktionär der Hapag-Lloyd AG.

Platz 7

Hartmann Group - 4,6 Millionen dwt: Die Hartmann AG ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Leer.

Platz 6

Neu Seeschifffahrt - 5,4 Millionen dwt: Das Unternehmen hat seinen Sitz am Alsterufer in Hamburg.

Platz 5

Peter Döhle Schiffahrts KG - 6,0 Millionen dwt: Die Flotte des Hamburger Unternehmens umfasst 450 Containerschiffe.

Platz 4

Conti Holding - 6,2 Millionen dwt: 73 Containerschiffe, 22 Bulker, acht Produktentanker, zwei Gastanker, ein Hochsee- und zwei Flusskreuzfahrtschiffe machen Conti zu einer der größten und modernsten Reedereien weltweit.

Platz 3

E.R. Schifffahrt - 6,3 Millionen dwt: E.R. Schiffahrt ist maritimer Dienstleister für die Container-, Massengut- und Multipurpose-Schifffahrt. Derzeit disponiert die Reederei 137 Schiffe in Fahrt. Die E.R. Offshore managt 13 Spezialschiffe für die Öl- und Gasförderung auf See.

Platz 2

Dr. Peters - 7,1 Millionen dwt: Bisher investierte die Dr. Peters Gruppe ca. 6,56 Milliarden Euro in Flugzeuge, Schiffe, Immobilien und den Zweitmarkt von US-Lebensversicherungen. Das von mehr als 85.000 Beteiligungen eingezahlte Eigenkapital beträgt rund 3,18 Milliarden Euro.

Platz 1

C.P. Offen - 8,4 Millionen dwt: Die Reederei Claus-Peter Offen (gegründet 1971) gehört zu den weltweit größten Anbietern moderner Containerschiff-Tonnage und hat ihren Sitz in Hamburg.

Zwar ist der große Einbruch nach der Wirtschaftskrise vorbei, aber fehlende wirtschaftliche Impulse und die über allem schwebende Schuldenkrise im Euroraum dämpfen den Welthandel und damit den Containerverkehr. In dieser Situation sei durchaus damit zu rechnen, dass der neue JadeWeserPort „zumindest kurzfristig, für einige Jahre auch eine Konkurrenz zu den bestehenden deutschen Häfen wird“, erläutert Lemper. Ein Wettbewerbsvorteil für ihn sei sein Anschluss an die Autobahn 29, sagt Lemper. Auf der anderen Seite müsse die Schienenanbindung erst ausgebaut werden. Zudem fehle auch die Anbindung an das Binnenwasserstraßennetz.

Der Hamburger Hafen sieht in dem JadeWeserPort zwar durchaus einen neuen Konkurrenten, angesichts der Größenverhältnisse und der dortigen Ausrichtung auf sehr große Schiffe aber sieht man darin bis auf weiteres keine grundsätzliche Gefahr. „Für uns ist der JadeWeserPort natürlich ein zusätzlicher Wettbewerber“, sagt Bengt van Beuningen, Sprecher von Hafen Hamburg Marketing, dem Standortvermarkter der Hafenwirtschaft der Hansestadt.

Imposant: In voller Länge soll die Kai-Mauer des JadeWeserPort einmal mehr als 1,7 Kilometer messen. dpa

Imposant: In voller Länge soll die Kai-Mauer des JadeWeserPort einmal mehr als 1,7 Kilometer messen.

Der neue Tiefwasser-Hafen direkt an der Küste ziele aber vor allem auf sehr große Containerschiffe mit viel Tiefgang, für die beim Einlaufen in Hamburg ohnehin schon „Restriktionen“ gälten. Auch ein genauerer Blick auf die zunächst angepeilten Umschlagszahlen versetzten die Hamburger nicht in Panik. Während der neue Hafen in Niedersachsen laut Betreiber eine Umschlagskapazität von maximal 2,7 Millionen Standardcontainern besitzt, verfügt der Hafen der Hansestadt über eine Kapazität von zwölf Millionen Standardcontainern.

Von

afp

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