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29.03.2014

14:25 Uhr

Jahresbilanz verschoben

Air Berlin erwägt Klage gegen Anlegerschützer

Bereits zum zweiten Mal hat Air Berlin die Veröffentlichung der Jahresbilanz verschoben. Anlegerschützer vermuten, dass die Fluggesellschaft Informationen absichtlich zurückhält. Das Unternehmen widerspricht deutlich.

Ein Flugzeug von Air Berlin landet in Stuttgart: Die Führung der Fluggesellschaft liefert sich einen Grabenkampf mit Anlegerschützern. dpa

Ein Flugzeug von Air Berlin landet in Stuttgart: Die Führung der Fluggesellschaft liefert sich einen Grabenkampf mit Anlegerschützern.

BerlinAnlegerschützer haben laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ (Samstag) die Finanzaufsicht Bafin aufgefordert, die Fluggesellschaft Air Berlin näher zu untersuchen. Hintergrund ist, dass das Unternehmen bereits zweimal die Veröffentlichung seiner Bilanz für das Geschäftsjahr 2013 verschoben hat. „Air Berlin verstößt hier ganz klar gegen die Berichtspflichten“, zitierte das Blatt Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Die Aufseher sähen allerdings keinen Handlungsbedarf, hieß es. Jede Aktiengesellschaft habe bis Ende April Zeit, um ihren Jahresabschluss vorzulegen, erklärte eine Bafin-Sprecherin der Zeitung. Ein Air-Berlin-Sprecher wies Kunerts Vorwürfe auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa zurück: „Die Behauptungen von Herrn Kunert sind falsch und unserer Meinung nach geschäftsschädigend.“ Das Unternehmen schließe deshalb juristische Schritte nicht aus.

Air Berlin verstoße keineswegs gegen die im Handelsgesetzbuch geregelten Publizitätspflichten, was auch die Aussage der Bafin-Sprecherin bestätige, betonte der Sprecher der Airline. „Zudem verfügt das Unternehmen über ausreichend Liquidität und hat darüber hinaus weiteren Spielraum durch ein noch nicht in Anspruch genommenes Anteilseignerdarlehen.“

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Nach Auffassung Kunerts drängt sich der Verdacht auf, dass die Airline ihre Bilanz absichtlich zurückhalte, weil eine akute Insolvenzgefahr bestehe. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sollte Air Berlin mit Strafzahlungen belegen, forderte der Anlegerschützer der Zeitung zufolge: „Es darf nicht sein, dass dieser Fall ohne Konsequenzen bleibt.“

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft braucht dringend frisches Geld und hatte am Donnerstag zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ihre Bilanzvorlage verschoben - diesmal gleich um mehrere Wochen. Air Berlin arbeite weiter an Maßnahmen für eine Rekapitalisierung, die Eigenkapital und Liquidität des Unternehmens stärken würde, teilte das Unternehmen mit. Einen neuen Termin, an dem die Zahlen für das vergangene Jahr bekanntgegeben werden, will die Airline nun erst im April mitteilen.

Bereits am Donnerstag hatte Kunert gesagt, dass die Aktionäre nach der erneuten Verschiebung mit dem Schlimmsten rechnen müssten. „Das kann man nur machen, wenn man weiß, dass man ganz schlechte Zahlen hat oder wenn einem die Aktionäre völlig egal sind.“ Aufgrund von Missmanagement bei Air Berlin hätten viele Aktionäre Geld verloren. Die Aktie war vor acht Jahren für 12 Euro pro Stück an die Börse gekommen, aktuell pendelt sie um 2 Euro.

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