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10.02.2016

06:44 Uhr

Jako und Bayer Leverkusen

Vom Mittelstand in die Champions League

VonJoachim Hofer

Die Sportkonzerne Adidas und Puma konzentrieren sich als Sponsoren immer häufiger auf die absoluten Top-Klubs im Fußball. Das eröffnet kleinen Ausrüstern eine große Chance – so wie jetzt Jako in Leverkusen.

Der Mittelständler rüstet den Klub ab der kommenden Saison aus. Bayer Leverkusen

Bayer Leverkusen und Jako

Der Mittelständler rüstet den Klub ab der kommenden Saison aus.

MünchenBayer Leverkusen ist nicht irgendwer: Dem großen FC Bayern haben die Rheinländer gerade ein 0:0 abgetrotzt. Seit Jahren kickt die Werkself in der Bundesliga vorne mit, regelmäßig qualifiziert sich der Verein für die Champions League. Auch wenn die Leverkusener am Dienstag im DFB-Pokal gegen Werder Bremen ausschieden, ist in der Liga die Königsklasse für die neue Saison weiter in Reichweite.

Adidas ist das trotzdem nicht gut genug. Europas größter Sportkonzern hat den seit den 70er-Jahren laufenden Ausrüstervertrag mit dem Verein nicht verlängert. Jetzt kommt der schwäbische Mittelständler Jako zum Zug.
Leverkusen ist in guter Gesellschaft. So wie dem Tabellenfünften der Bundesliga erging es in den vergangenen Jahren vielen Profiklubs hierzulande.

Größte Sportartikelhersteller der Welt (Umsatz 2014)

9. Platz: Billabong (Australien)

0,8 Milliarden Euro

8. Platz: Columbia Sportswear (USA)

1,9 Milliarden Euro

7. Platz: Asics (Japan)

2,33 Milliarden Euro

6. Platz: Under Armour (USA)

2,79 Milliarden Euro

5. Platz: Puma (Deutschland)

2,97 Milliarden Euro

4. Platz: New Balance (USA)

2,98 Milliarden Euro

3. Platz: VF Corp. (USA)

11,12 Milliarden Euro

2. Platz: Adidas (Deutschland)

14,53 Milliarden Euro

1. Platz: Nike (USA)

25,14 Milliarden Euro

Quelle

Einst haben Adidas und Puma praktisch die ganze Liga mit Trikots versorgt. Doch die beiden führenden deutschen Sportmarken konzentrieren sich inzwischen auf einige wenige ausgewählte Klubs, mit denen sie weltweit in großem Stil Geld verdienen können. Für Adidas ist das Aushängeschild hierzulande der FC Bayern München, für Puma steht Borussia Dortmund ganz oben auf der Agenda.

Die Kleinen fallen da ganz schnell durchs Raster: Vom Nürnberger Fußball-Stadion bis zur Zentrale von Adidas in Herzogenaurach sind es gerade einmal 40 Kilometer. Trotzdem steigt Adidas als Ausrüster selbst bei seinem Heimatverein aus. Nur noch die laufende Saison wird Europas größter Turnschuh-Hersteller den 1. FC Nürnberg mit Leibchen versorgen.

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2016 stehen Events wie Olympia oder die Fußball-EM an. Adidas und Nike wollen die Veranstaltungen nutzen, um neue Produkte öffentlichkeitswirksam zu positionieren. Doch die Werbeschlacht hat Nachteile für die Kunden.

Die meisten Vereine müssen sich nun mit Sportmarken der zweiten Reihe zufriedengeben, mit Labels wie Lotto, Kappa, Erima oder eben Jako. Wer Glück hat, der kommt bei Weltmarktführer Nike unter. Die Amerikaner füllen zumindest teilweise den Platz, den die beiden deutschen Top-Marken bereitwillig aufgegeben haben. Die aufstrebende US-Marke Under Armour hält sich hierzulande als Ausrüster noch stark zurück und hat bislang lediglich St. Pauli verpflichtet – flirtet aber mit dem FC Schalke 04. Der Ruhrgebiets-Klub ist noch an Adidas gebunden, gibt sich aber offen für einen neuen Partner.

Nike hat volle Kassen, keine Frage, auch Under Armour ist finanzkräftig. Doch die anderen Ausrüster sind Mittelständler, die knapp kalkulieren. Von zweistelligen Millionenbeträgen, wie sie die Bayern kassieren, können die allermeisten Profiklubs daher nur träumen. Die Kluft zwischen den Top-Vereinen und dem Fußvolk wird daher immer größer.

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