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26.01.2016

12:14 Uhr

Jamie Oliver und Hello Fresh

Ein Koch-Star soll Samwers Sorgenkind aufpäppeln

VonCarsten Herz

Starkoch Jamie Oliver und Hello Fresh machen gemeinsame Sache. Künftig liegen den Kochboxen des Start-ups auch Rezepte des Goldjungen bei. Das Unternehmen aus der Rocket-Schmiede kann gute Nachrichten gebrauchen.

Der Gastro-Unternehmer arbeitet mit dem Berliner Start-up zusammen. obs

Jamie Oliver mit Kochbox von Hello Fresh

Der Gastro-Unternehmer arbeitet mit dem Berliner Start-up zusammen.

LondonDie Küche im ersten Stock des Londoner Westland Place, direkt über seinem Restaurant Fifteen, ist so etwas wie das heimliche Versuchslabor von Jamie Oliver. Hier experimentiert der britische Starkoch an neuen Speisenfolgen und brütet neue Rezepte aus. Doch an diesem Abend geht es dem Hausherrn, der wie immer Jeans und Baumwollhemd trägt, nicht um das Herumtüfteln an einem neuen Menü. Es geht um deutlich mehr: Jamie experimentiert mit einer neuen Partnerschaft.

So steht neben dem 40-Jährigen Fernsehkoch der Deutsche Dominik Richter, Gründer und Co-Chef des Berliner Startups Hello Fresh, der seinen Stolz kaum verbergen kann. Denn der Kochbox-Anbieter aus der Berliner Start-up-Fabrik von Rocket Internet ist etwas gelungen, was viele andere Lebensmitteldienste vergeblich versucht haben: Er hat sich Oliver als neuen Partner geangelt. Ab diesem Jahr findet sich jede Woche eines von Jamies Rezepten in der Hello Fresh Kochbox und kann mithilfe der mitgelieferten Zutaten nachgekocht werden.

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Für Richter, der an diesem Abend eines der Essen aus der Hello-Fresh-Box zusammen mit Oliver nachkocht, ist das ein wichtiger Prestigeerfolg. Denn Jamie Oliver ist nicht irgendein Koch. Der Sohn eines Pub-Betreibers aus der englischen Grafschaft Essex ist der derzeit wohl der erfolgreichste Koch-Popstar der Welt und ein internationales Medienphänomen.

Im Pub seiner Eltern stand er schon mit acht Jahren in der Küche, dann zog es ihn als Teenager nach London zur Ausbildung zum Koch. Mit Anfang 20 wird er bei einer Dokumentation über eine Restaurantküche, in der er arbeitete, entdeckt. Der Beginn einer Weltkarriere: Seine BBC-Show „The Naked Chef“, die ab 1999 lief, feierte schnell internationalen Erfolg und traf einen Nerv. Kochen war bis dato kaum ein Thema, das ein breites Publikum vor die Bildschirme lockte. Der junge Jamie Oliver änderte das und läutete damit einen Trend ein, der bis heute anhält.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Richter kann gute Nachrichten durchaus gebrauchen. Denn das Berliner Start-up war in den vergangenen Wochen unfreiwillig durchaus in Turbulenzen geraten. Eigentlich hatte Rocket-Boss Oliver Samwer gehofft, mit einem Börsengang von Hello Fresh die große Kehrtwende zu starten. Der Kochboxen-Versender ist aktuell die vielversprechendste Mehrheitsbeteiligung.

Doch Samwer wollte zu viel für das Unternehmen – und musste den Börsengang Ende des vergangenen Jahres auf Eis legen. Zu groß war offenbar die Gefahr, dass Investoren ob der üppigen milliardenschweren Bewertung für Hello Fresh abwinken und den Börsengang in ein Desaster verwandeln. Es ist ein unangenehmes Thema, das Richter lieber ausklammen möchte.

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